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Interview icon Interview Gast:
Markus Repetschnig
Unternehmer:

- Markus Repetschnig

- CEO & Mitgründer von Admetrics

- Background: Seriengründer seit dem Teenageralter

- Heute: Unternehmer und SaaS-Gründer mit Fokus auf Marketing-Analytics

- Ziel: Mehr Profitabilität im Marketing durch datenbasierte Entscheidungen


Unternehmen:

- Name: Admetrics

- Gründung: 2015

- Sitz: Frankfurt, Hessen

- Branche: Softwareentwicklung


www.admetrics.de
19. März 2026

Markus Repetschnig

Vom Teenie-Gründer zum Web-Pionier: Markus Repetschnig über Daten, Wachstum und Gründer-Learnings

Markus Repetschnig gehört zu der Generation von Gründern, die das Internet nicht nur genutzt, sondern früh mit aufgebaut haben. Seine erste Firma gründete er mit 17 – zu einer Zeit, als das Web gerade begann, wirtschaftlich relevant zu werden. Seitdem hat er mehrere Unternehmen aufgebaut, vom Agenturgeschäft bis zu skalierbaren Softwareplattformen. Heute steht Repetschnig mit Admetrics für eine neue Generation europäischer SaaS-Unternehmen, die Marketing-Analytics, Dateninfrastruktur und Experimentation zusammendenken. Ein Gespräch über frühe Internetjahre, harte Gründer-Learnings – und warum der Kampf europäischer Softwarefirmen gegen US-Tech-Giganten noch lange nicht entschieden ist.

[André Patrzek]: Markus, du hast deine erste Firma gegründet, bevor die meisten anderen den Führerschein gemacht haben – mit 17 schon! Haben deine Eltern dir das vorgelebt oder wo kam das Interesse und der Mut her?

[Markus Repetschnig]: Unternehmertum ist oft familiär programmiert. Mein Vater war Taxifahrer und selbständig. Meine Mutter war selbständig. Mein Stiefvater war Unternehmer. Ich kannte kein anderes Modell. Angestellt sein war für mich nie die Baseline. Ich war schon immer freiheitsliebend. Vermutlich auch weil ich es vorgelebt bekommen habe.

[AP]: Gibt es Eigenschaften des 17-jährigen Gründers, die du immer noch in dir siehst? Und andere, die du gerne abgelegt hast?

[MR]: Die Naivität, dass alles möglich ist, ist geblieben. Sie ist der Treibstoff für Innovation. Abgelegt habe ich die Hoffnung als Strategie. Früher habe ich gehofft, dass Dinge funktionieren. Heute verlasse ich mich auf Daten. Intuition ist gut, aber Kontrolle ist besser.

[AP]: Viele Gründer erinnern sich an ihren „ersten Computer-Moment“. Weißt du noch, was dich gepackt hat? War es die Technik? Waren es Games? War es Microsoft Paint?

[MR]: Mit 7 Jahren bettelte ich meine Mutter im Aldi an mir den C64 zu kaufen. Ich versprach ihr, die 299 Mark auf jeden Fall zurückzuzahlen. Ich fing an, in Basic zu programmieren. Mit 13 war ich zum ersten Mal im Internet. Das hat was mit mir gemacht. Es war der Wilde Westen. Unendliche Weiten. Ich wusste dann relativ schnell: Hier baue ich mein Business. Das war dann die Zeit des Dotcom-Booms. Fast schon ein paar Jahre zu spät für die allererste Welle, aber die Faszination zur Technik ist auch heute noch da.

[AP]: Viele junge Gründer unterschätzen Bürokratie, Finanzen oder Personal und was alles behind the scenes passiert. Was war damals dein größter Reality-Check?

[MR]: Wir haben anfangs jahrelang Produkte gebaut, die nie einen Kunden gesehen haben. Das war purer Schwachsinn. Wir hatten das Glück, gut zahlende Kunden im Projektgeschäft zu haben und waren lean aufgestellt. Erstes Office aus der WG heraus. Aber mit Mitarbeitern kommt die Realität. Plötzlich bist du 26 und hast 100k Fixkosten am Bein. Dieser Druck formt dich. Er zwingt dich zur Profitabilität.

[AP]: Deine Karriere begann, als das Internet gerade wirtschaftlich interessant wurde. Was hat dich damals am meisten fasziniert – die Technologie, die Möglichkeiten, die kreative Freiheit? Oder ganz was anderes?

[MR]: Hebelwirkung ist die stärkste Droge im Business. Mich fasziniert die Technik. Du baust ein Netzwerk, drückst auf Launch und es ist global verfügbar für jeden. Diese asymmetrische Skalierbarkeit treibt mich heute noch genauso an wie damals.

[AP]: Du bist von einer Web- bzw. Software-Agentur zum SaaS-Gründer geworden. Wann wurde dir klar, dass skalierbare Softwareprodukte langfristig spannender sein können als klassisches Projektgeschäft?

[MR]: Zeit gegen Geld zu tauschen, ist ein Geschäftsmodell, das ich nie wirklich wollte. Das wurde mir schnell klar. Der endgültige Shift kam durch eBay. Wir haben dort massiven Impact generiert. Da haben wir den Pivot gemacht und sind zu einer reinen Software Company geworden.

[AP]: Du hast mehrere Unternehmen gegründet, darunter Ende der 1990er Jahre Next Tuesday. Teil doch mal einen kleinen Throwback mit uns. Wie sah das Internet-Business damals aus?

[MR]: Gier zerstört Substanz. Während des Dotcom-Booms war alles overhyped. Jeder wollte ins Internet. Sofort. Koste es was es wolle. Als die Blase platzte, wurde der Markt rasiert. Danach war alles für Jahre extrem zurückhaltend. Nur was Substanz  hatte, hat überlebt.

[AP]: Wenn du auf die Entwicklung der Branche zurückblickst: Was hat dich rückblickend am meisten überrascht?

[MR]: Ich habe drei massive Technologie-Wellen als Unternehmer miterleben dürfen: Das Internet, Crypto und jetzt KI. Die Geschwindigkeit der KI-Adoption sprengt alles bisher Dagewesene. Wir stehen erst am Anfang. Crazy times ahead.

[AP]: Gibt es unternehmerische Entscheidungen, die du heute komplett anders treffen würdest ?

[MR]: Perfektionismus ist Feigheit vor dem Markt. Wir haben oft zu viel entwickelt und zu spät gelauncht. Feedback muss sofort eingesammelt werden. Das hätte uns Jahre an Zeit, Blut und Schweiß erspart. Baue das MVP und teste in der Realität.

[AP]: Was unterscheidet für dich jemanden, der einmal gründet, von einem echten Serial Founder?

[MR]: Die Fähigkeit, Schmerz zu institutionalisieren. Ein Serial Founder lernt nicht nur aus Fehlern, er baut Systeme, um diese Fehler für immer auszuschließen. Es ist die Lust am Prozess, nicht nur am Ziel.

[AP]: Mit Admetrics hast du eine SaaS-Plattform für Marketing-Analytics und Experimentation aufgebaut. Welches Problem wolltest du ursprünglich lösen?

[MR]: Die Blindheit der CMOs. Brands geben Millionen aus, basierend auf gewürfelten Attributions-Daten der Werbeplattformen. Wir wollten „Mission Control für E-commerce“ bauen – eine Tool, das E-commerce Unternehmen hilft endlich Klarheit über alle ihre Daten zu bekommen und schneller bessere Entscheidungen zu treffen.

[AP]: Marketing-Attribution gilt in der Branche fast als unlösbares Problem. Warum glaubst du, dass ihr einen besseren Ansatz habt?

[MR]: Tracking-Tools aus dem Baukasten skalieren nicht. Wir kommen aus dem Enterprise-Bereich. Wir haben unsere Systeme bei Konzernen wie eBay, Disney und Tesco gehärtet. Wir verstehen, wie entscheidend Customizability ist. Unsere Tracking-Technologie ist die präziseste im Markt. Halt die Zahlen neben andere Tools, der Unterschied ist teilweise riesig. Wir messen nicht nur die Performance, über ein Mix and verschiedensten Technologien, sondern pushen die Daten via Server-to-Server Schnittstelle zurück an die Werbenetzwerke für maximale Algo-Performance. Dazu kommt, dass wir größere Brands mit Tools für Inkrementalitätstests, schnelles Experimentieren und branchenführendes Marketing Mix Modeling unterstützen. Wir liefern Unternehmen somit verschiedene Linsen, um die Marketing-Effizienz auszuleuchten.

„Naivität, dass alles möglich ist, ist der Treibstoff für Innovation.“
Markus Repetschnig
Markus Repetschnig

[AP]: Du positionierst Admetrics zwischen Data-Warehouse, Attribution und Experimentation. Ist diese Kombination eher technischer Fortschritt – oder ein neues Narrativ im MarTech-Markt?

[MR]: Die logische Konsequenz. Blindflug endet meist im Absturz. Tracking-Einschränkungen und Datenschutz-Regulierungen zwingen zum radikalen Umdenken. Ab einem gewissen Punkt brauchst du den kompletten Werkzeugkasten um weiter profitabel skalieren zu können. Browser-Side, Server-Side, S2S Data-Pushback. Du musst Experimente schnell auswerten können. Du brauchst ein MMM für dein Omnichannel-Setup. Wir liefern das Radar, damit aus dem Blindflug kein Totalschaden wird.

[AP]: Wie schwer ist es, als europäisches SaaS-Unternehmen gegen die großen US-Plattformen zu konkurrieren?

[MR]: Europäische Herkunft ist ein massiver GTM-Hebel. Hier in Europa ist es ein Vorteil. Wir bauen Privacy by Design, weil wir müssen. US-Firmen versuchen, es nachträglich dranzuflanschen. Unsere Server stehen in Deutschland. Wir gewinnen Deals durch Präzision und Datensicherheit, und exzellenten Support nah am Kunden.

[AP]: Du bist gleichzeitig CEO von Admetrics und Next Tuesday. Wie organisiert man zwei Unternehmen und ein Privatleben, ohne das eins davon zu kurz kommt?

[MR]: Ich habe zwei Kinder. Das zwingt zur absoluten Priorisierung. Lieber wenige Themen richtig als zu viele nur halb zu beackern. Außerdem blocke ich mir jedes Jahr einen Monat in Thailand. Voller Fokus auf strategische Themen. Mittlerweile komme mein Geschäftspartner und CTO Thomas, sowie unser CRO Denis mit. Der Output, den wir aus diesen vier Wochen ziehen, ist massiv.

[AP]: Hat sich deine Rolle als CEO über die Jahre verändert? Worin siehst du heute deine wichtigste Aufgabe?

[MR]: Meine Aufgabe ist Enablement und Sichtbarkeit. Intern: Training und Wissenstransfer. Extern: Market-Education und Awareness. Ich bin Produkt-verliebt und steuere die Roadmap aktiv. Dafür spreche ich fast täglich mit Kunden, weil ich so an Feedback komme, das wir sonst nicht bekommen würden.

[AP]: Gab es jemals einen Moment, in dem du dir gewünscht hast, keine Leadership-Verantwortung zu haben?

[MR]: Unternehmertum ist Schmerzmanagement. Es gab tausende Momente. Es ist wirklich nicht immer einfach. Läuft es gut, kommt garantiert bald der nächste Dämpfer. Aber genau diese Volatilität macht es aufregend. Ohne Druck entsteht keine Brillanz.

[AP]: Admetrics hat eine Seed-Finanzierung erhalten. Warum hast du dich bewusst für Unternehmer-Investoren statt klassische Venture-Capital-Fonds entschieden?

[MR]: Falsches Geld zerstört gute Firmen. Unternehmer-Investoren bringen Kontrolle und Substanz. Sie verstehen Profitabilität. VCs wollen Exit-Multiples auf Steroiden. Ich will operative Tiefe, keinen politischen Boardroom-Bullshit.

[AP]: Was verändert externe Finanzierung für ein Unternehmen wirklich?

[MR]: Sie ist Benzin. Wenn der Motor läuft, beschleunigt sie dich. Wenn der Motor kaputt ist, brennt das ganze Auto schneller ab. Finanzierung verpflichtet zur Skalierung – man muss bereit sein, diesen Druck produktiv zu nutzen.

[AP]: Woran misst du den Erfolg eines SaaS-Produkts: Umsatz, Kundenwachstum – oder etwas ganz anderes?

[MR]: Am Customer Value und der Retention. Wenn Kunden mit Admetrics ihre Profitabilität signifikant steigern und bleiben, haben wir gewonnen. Umsatz ist nur die Bestätigung, dass das Produkt ein echtes Problem löst.

[AP]: Soll Admetrics langfristig unabhängig bleiben – oder ist ein Exit irgendwann eine realistische Option? Wo siehst du Admetrics in fünf Jahren?

[MR]: Wir planen schon irgendwann einen Exit. Eine feste Timeline haben wir aber dafür nicht. Was ich sagen kann ist: Dashboards sind vermutlich von gestern. Wir haben ein krankes KI-Konzept in der Pipeline. Unser USP sind unsere sauberen Daten. Wir werden diese Daten genau dorthin bringen, wo unsere Kunden ohnehin arbeiten. Wir shiften vom passiven Data-Pull zur aktiven Recommendation und Steuerung.

[AP]: Du beschäftigst dich intensiv mit AI-gestützter Creative-Production. Wird künstliche Intelligenz klassische Kreativagenturen verdrängen?

[MR]: Kreative, strategische Arbeit wird nach wie vor hoch relevant bleiben. Reines Media Buying wird obsolet, denn Media Buying wird von den Plattformen automatisiert. Agenturen, die nur Knöpfe drücken, wird es nicht mehr geben. Meiner Meinung nach wird der Markt bereinigt. Wirkliche Kreativität und Agenturen, die wissen wie sie mit KI Kreative Prozesse und Produktion beschleunigen, wird es aber nach wie vor geben. Und das ist auch gut so.

[AP]: Du hast vor Kurzem das Buch „Die Kunst des Budgets“ veröffentlicht. Warum braucht der E-Commerce-Markt genau jetzt dieses Buch?

[MR]: Ich sehe täglich, wie Brands ihr Marketing wie ein Casino behandeln. Budget hoch, solange es läuft. Dann explodiert der CAC und der Algorithmus bekommt die Schuld. Das ist fahrlässig. Ich habe das Buch geschrieben, um diese operativen Illusionen zu beenden. Wer keine klare Governance hat, überlebt die nächsten Jahre nicht. Du brauchst Disziplin statt Intuition.

[AP]: Wenn wir tiefer in das Buch schauen: Was ist der eine fatale Fehler in der Budgetplanung, den fast alle machen?

[MR]: Die Besessenheit mit ROAS und MER. Umsatz ist Eitelkeit. Profit ist Realität. Wer seinen MER optimiert, hat bereits verloren. Top-Brands wachsen nicht durch blindes Budget-Erhöhen, sie wachsen durch effizientes Shiften anhand harter Grenzwerte. Man muss Deckungsbeiträge und CAC-Payback in den Mittelpunkt stellen.

[AP]: Wer mit 17 gegründet hat, könnte ja durchaus über einen “frühen” Ruhestand nachdenken. Das scheint nicht der Plan zu sein. Was hält dich motiviert?

[MR]: Das Lösen komplexer Probleme und die Liebe zur Technologie.

[AP]: Gibt es Hobbys oder Aktivitäten, die dir helfen, kreativ zu bleiben?

[MR]: Kreativität braucht den radikalen Kontrast zur Bildschirmzeit. Meine Kinder. Meine Freunde. Musik – ich lege auch als DJ auf. Und eine Menge Sport. Das resettet das System.

[AP]: Und zum Schluss: Wenn du dem 17-Jährigen Markus einen Rat geben könntest – welcher wäre das?

[Markus Repetschnig]: Buy Bitcoin.

[André Patrzek]: Danke, Markus, für das spannende Gespräch. Dein Weg vom jungen Gründer zum SaaS-Unternehmer zeigt, wie konsequentes Handeln und datenbasierte Entscheidungen Wirkung entfalten. Ein tolles Beispiel für alle, die nachhaltig wachsen wollen.

Company logo
Unternehmer:

- Markus Repetschnig

- CEO & Mitgründer von Admetrics

- Background: Seriengründer seit dem Teenageralter

- Heute: Unternehmer und SaaS-Gründer mit Fokus auf Marketing-Analytics

- Ziel: Mehr Profitabilität im Marketing durch datenbasierte Entscheidungen


Unternehmen:

- Name: Admetrics

- Gründung: 2015

- Sitz: Frankfurt, Hessen

- Branche: Softwareentwicklung


www.admetrics.de
19. März 2026

Markus Repetschnig

Vom Teenie-Gründer zum Web-Pionier: Markus Repetschnig über Daten, Wachstum und Gründer-Learnings

Markus Repetschnig gehört zu der Generation von Gründern, die das Internet nicht nur genutzt, sondern früh mit aufgebaut haben. Seine erste Firma gründete er mit 17 – zu einer Zeit, als das Web gerade begann, wirtschaftlich relevant zu werden. Seitdem hat er mehrere Unternehmen aufgebaut, vom Agenturgeschäft bis zu skalierbaren Softwareplattformen. Heute steht Repetschnig mit Admetrics für eine neue Generation europäischer SaaS-Unternehmen, die Marketing-Analytics, Dateninfrastruktur und Experimentation zusammendenken. Ein Gespräch über frühe Internetjahre, harte Gründer-Learnings – und warum der Kampf europäischer Softwarefirmen gegen US-Tech-Giganten noch lange nicht entschieden ist.

[André Patrzek]: Markus, du hast deine erste Firma gegründet, bevor die meisten anderen den Führerschein gemacht haben – mit 17 schon! Haben deine Eltern dir das vorgelebt oder wo kam das Interesse und der Mut her?

[Markus Repetschnig]: Unternehmertum ist oft familiär programmiert. Mein Vater war Taxifahrer und selbständig. Meine Mutter war selbständig. Mein Stiefvater war Unternehmer. Ich kannte kein anderes Modell. Angestellt sein war für mich nie die Baseline. Ich war schon immer freiheitsliebend. Vermutlich auch weil ich es vorgelebt bekommen habe.

[AP]: Gibt es Eigenschaften des 17-jährigen Gründers, die du immer noch in dir siehst? Und andere, die du gerne abgelegt hast?

[MR]: Die Naivität, dass alles möglich ist, ist geblieben. Sie ist der Treibstoff für Innovation. Abgelegt habe ich die Hoffnung als Strategie. Früher habe ich gehofft, dass Dinge funktionieren. Heute verlasse ich mich auf Daten. Intuition ist gut, aber Kontrolle ist besser.

[AP]: Viele Gründer erinnern sich an ihren „ersten Computer-Moment“. Weißt du noch, was dich gepackt hat? War es die Technik? Waren es Games? War es Microsoft Paint?

[MR]: Mit 7 Jahren bettelte ich meine Mutter im Aldi an mir den C64 zu kaufen. Ich versprach ihr, die 299 Mark auf jeden Fall zurückzuzahlen. Ich fing an, in Basic zu programmieren. Mit 13 war ich zum ersten Mal im Internet. Das hat was mit mir gemacht. Es war der Wilde Westen. Unendliche Weiten. Ich wusste dann relativ schnell: Hier baue ich mein Business. Das war dann die Zeit des Dotcom-Booms. Fast schon ein paar Jahre zu spät für die allererste Welle, aber die Faszination zur Technik ist auch heute noch da.

[AP]: Viele junge Gründer unterschätzen Bürokratie, Finanzen oder Personal und was alles behind the scenes passiert. Was war damals dein größter Reality-Check?

[MR]: Wir haben anfangs jahrelang Produkte gebaut, die nie einen Kunden gesehen haben. Das war purer Schwachsinn. Wir hatten das Glück, gut zahlende Kunden im Projektgeschäft zu haben und waren lean aufgestellt. Erstes Office aus der WG heraus. Aber mit Mitarbeitern kommt die Realität. Plötzlich bist du 26 und hast 100k Fixkosten am Bein. Dieser Druck formt dich. Er zwingt dich zur Profitabilität.

[AP]: Deine Karriere begann, als das Internet gerade wirtschaftlich interessant wurde. Was hat dich damals am meisten fasziniert – die Technologie, die Möglichkeiten, die kreative Freiheit? Oder ganz was anderes?

[MR]: Hebelwirkung ist die stärkste Droge im Business. Mich fasziniert die Technik. Du baust ein Netzwerk, drückst auf Launch und es ist global verfügbar für jeden. Diese asymmetrische Skalierbarkeit treibt mich heute noch genauso an wie damals.

[AP]: Du bist von einer Web- bzw. Software-Agentur zum SaaS-Gründer geworden. Wann wurde dir klar, dass skalierbare Softwareprodukte langfristig spannender sein können als klassisches Projektgeschäft?

[MR]: Zeit gegen Geld zu tauschen, ist ein Geschäftsmodell, das ich nie wirklich wollte. Das wurde mir schnell klar. Der endgültige Shift kam durch eBay. Wir haben dort massiven Impact generiert. Da haben wir den Pivot gemacht und sind zu einer reinen Software Company geworden.

[AP]: Du hast mehrere Unternehmen gegründet, darunter Ende der 1990er Jahre Next Tuesday. Teil doch mal einen kleinen Throwback mit uns. Wie sah das Internet-Business damals aus?

[MR]: Gier zerstört Substanz. Während des Dotcom-Booms war alles overhyped. Jeder wollte ins Internet. Sofort. Koste es was es wolle. Als die Blase platzte, wurde der Markt rasiert. Danach war alles für Jahre extrem zurückhaltend. Nur was Substanz  hatte, hat überlebt.

[AP]: Wenn du auf die Entwicklung der Branche zurückblickst: Was hat dich rückblickend am meisten überrascht?

[MR]: Ich habe drei massive Technologie-Wellen als Unternehmer miterleben dürfen: Das Internet, Crypto und jetzt KI. Die Geschwindigkeit der KI-Adoption sprengt alles bisher Dagewesene. Wir stehen erst am Anfang. Crazy times ahead.

[AP]: Gibt es unternehmerische Entscheidungen, die du heute komplett anders treffen würdest ?

[MR]: Perfektionismus ist Feigheit vor dem Markt. Wir haben oft zu viel entwickelt und zu spät gelauncht. Feedback muss sofort eingesammelt werden. Das hätte uns Jahre an Zeit, Blut und Schweiß erspart. Baue das MVP und teste in der Realität.

[AP]: Was unterscheidet für dich jemanden, der einmal gründet, von einem echten Serial Founder?

[MR]: Die Fähigkeit, Schmerz zu institutionalisieren. Ein Serial Founder lernt nicht nur aus Fehlern, er baut Systeme, um diese Fehler für immer auszuschließen. Es ist die Lust am Prozess, nicht nur am Ziel.

[AP]: Mit Admetrics hast du eine SaaS-Plattform für Marketing-Analytics und Experimentation aufgebaut. Welches Problem wolltest du ursprünglich lösen?

[MR]: Die Blindheit der CMOs. Brands geben Millionen aus, basierend auf gewürfelten Attributions-Daten der Werbeplattformen. Wir wollten „Mission Control für E-commerce“ bauen – eine Tool, das E-commerce Unternehmen hilft endlich Klarheit über alle ihre Daten zu bekommen und schneller bessere Entscheidungen zu treffen.

[AP]: Marketing-Attribution gilt in der Branche fast als unlösbares Problem. Warum glaubst du, dass ihr einen besseren Ansatz habt?

[MR]: Tracking-Tools aus dem Baukasten skalieren nicht. Wir kommen aus dem Enterprise-Bereich. Wir haben unsere Systeme bei Konzernen wie eBay, Disney und Tesco gehärtet. Wir verstehen, wie entscheidend Customizability ist. Unsere Tracking-Technologie ist die präziseste im Markt. Halt die Zahlen neben andere Tools, der Unterschied ist teilweise riesig. Wir messen nicht nur die Performance, über ein Mix and verschiedensten Technologien, sondern pushen die Daten via Server-to-Server Schnittstelle zurück an die Werbenetzwerke für maximale Algo-Performance. Dazu kommt, dass wir größere Brands mit Tools für Inkrementalitätstests, schnelles Experimentieren und branchenführendes Marketing Mix Modeling unterstützen. Wir liefern Unternehmen somit verschiedene Linsen, um die Marketing-Effizienz auszuleuchten.

„Naivität, dass alles möglich ist, ist der Treibstoff für Innovation.“
Markus Repetschnig
Markus Repetschnig

[AP]: Du positionierst Admetrics zwischen Data-Warehouse, Attribution und Experimentation. Ist diese Kombination eher technischer Fortschritt – oder ein neues Narrativ im MarTech-Markt?

[MR]: Die logische Konsequenz. Blindflug endet meist im Absturz. Tracking-Einschränkungen und Datenschutz-Regulierungen zwingen zum radikalen Umdenken. Ab einem gewissen Punkt brauchst du den kompletten Werkzeugkasten um weiter profitabel skalieren zu können. Browser-Side, Server-Side, S2S Data-Pushback. Du musst Experimente schnell auswerten können. Du brauchst ein MMM für dein Omnichannel-Setup. Wir liefern das Radar, damit aus dem Blindflug kein Totalschaden wird.

[AP]: Wie schwer ist es, als europäisches SaaS-Unternehmen gegen die großen US-Plattformen zu konkurrieren?

[MR]: Europäische Herkunft ist ein massiver GTM-Hebel. Hier in Europa ist es ein Vorteil. Wir bauen Privacy by Design, weil wir müssen. US-Firmen versuchen, es nachträglich dranzuflanschen. Unsere Server stehen in Deutschland. Wir gewinnen Deals durch Präzision und Datensicherheit, und exzellenten Support nah am Kunden.

[AP]: Du bist gleichzeitig CEO von Admetrics und Next Tuesday. Wie organisiert man zwei Unternehmen und ein Privatleben, ohne das eins davon zu kurz kommt?

[MR]: Ich habe zwei Kinder. Das zwingt zur absoluten Priorisierung. Lieber wenige Themen richtig als zu viele nur halb zu beackern. Außerdem blocke ich mir jedes Jahr einen Monat in Thailand. Voller Fokus auf strategische Themen. Mittlerweile komme mein Geschäftspartner und CTO Thomas, sowie unser CRO Denis mit. Der Output, den wir aus diesen vier Wochen ziehen, ist massiv.

[AP]: Hat sich deine Rolle als CEO über die Jahre verändert? Worin siehst du heute deine wichtigste Aufgabe?

[MR]: Meine Aufgabe ist Enablement und Sichtbarkeit. Intern: Training und Wissenstransfer. Extern: Market-Education und Awareness. Ich bin Produkt-verliebt und steuere die Roadmap aktiv. Dafür spreche ich fast täglich mit Kunden, weil ich so an Feedback komme, das wir sonst nicht bekommen würden.

[AP]: Gab es jemals einen Moment, in dem du dir gewünscht hast, keine Leadership-Verantwortung zu haben?

[MR]: Unternehmertum ist Schmerzmanagement. Es gab tausende Momente. Es ist wirklich nicht immer einfach. Läuft es gut, kommt garantiert bald der nächste Dämpfer. Aber genau diese Volatilität macht es aufregend. Ohne Druck entsteht keine Brillanz.

[AP]: Admetrics hat eine Seed-Finanzierung erhalten. Warum hast du dich bewusst für Unternehmer-Investoren statt klassische Venture-Capital-Fonds entschieden?

[MR]: Falsches Geld zerstört gute Firmen. Unternehmer-Investoren bringen Kontrolle und Substanz. Sie verstehen Profitabilität. VCs wollen Exit-Multiples auf Steroiden. Ich will operative Tiefe, keinen politischen Boardroom-Bullshit.

[AP]: Was verändert externe Finanzierung für ein Unternehmen wirklich?

[MR]: Sie ist Benzin. Wenn der Motor läuft, beschleunigt sie dich. Wenn der Motor kaputt ist, brennt das ganze Auto schneller ab. Finanzierung verpflichtet zur Skalierung – man muss bereit sein, diesen Druck produktiv zu nutzen.

[AP]: Woran misst du den Erfolg eines SaaS-Produkts: Umsatz, Kundenwachstum – oder etwas ganz anderes?

[MR]: Am Customer Value und der Retention. Wenn Kunden mit Admetrics ihre Profitabilität signifikant steigern und bleiben, haben wir gewonnen. Umsatz ist nur die Bestätigung, dass das Produkt ein echtes Problem löst.

[AP]: Soll Admetrics langfristig unabhängig bleiben – oder ist ein Exit irgendwann eine realistische Option? Wo siehst du Admetrics in fünf Jahren?

[MR]: Wir planen schon irgendwann einen Exit. Eine feste Timeline haben wir aber dafür nicht. Was ich sagen kann ist: Dashboards sind vermutlich von gestern. Wir haben ein krankes KI-Konzept in der Pipeline. Unser USP sind unsere sauberen Daten. Wir werden diese Daten genau dorthin bringen, wo unsere Kunden ohnehin arbeiten. Wir shiften vom passiven Data-Pull zur aktiven Recommendation und Steuerung.

[AP]: Du beschäftigst dich intensiv mit AI-gestützter Creative-Production. Wird künstliche Intelligenz klassische Kreativagenturen verdrängen?

[MR]: Kreative, strategische Arbeit wird nach wie vor hoch relevant bleiben. Reines Media Buying wird obsolet, denn Media Buying wird von den Plattformen automatisiert. Agenturen, die nur Knöpfe drücken, wird es nicht mehr geben. Meiner Meinung nach wird der Markt bereinigt. Wirkliche Kreativität und Agenturen, die wissen wie sie mit KI Kreative Prozesse und Produktion beschleunigen, wird es aber nach wie vor geben. Und das ist auch gut so.

[AP]: Du hast vor Kurzem das Buch „Die Kunst des Budgets“ veröffentlicht. Warum braucht der E-Commerce-Markt genau jetzt dieses Buch?

[MR]: Ich sehe täglich, wie Brands ihr Marketing wie ein Casino behandeln. Budget hoch, solange es läuft. Dann explodiert der CAC und der Algorithmus bekommt die Schuld. Das ist fahrlässig. Ich habe das Buch geschrieben, um diese operativen Illusionen zu beenden. Wer keine klare Governance hat, überlebt die nächsten Jahre nicht. Du brauchst Disziplin statt Intuition.

[AP]: Wenn wir tiefer in das Buch schauen: Was ist der eine fatale Fehler in der Budgetplanung, den fast alle machen?

[MR]: Die Besessenheit mit ROAS und MER. Umsatz ist Eitelkeit. Profit ist Realität. Wer seinen MER optimiert, hat bereits verloren. Top-Brands wachsen nicht durch blindes Budget-Erhöhen, sie wachsen durch effizientes Shiften anhand harter Grenzwerte. Man muss Deckungsbeiträge und CAC-Payback in den Mittelpunkt stellen.

[AP]: Wer mit 17 gegründet hat, könnte ja durchaus über einen “frühen” Ruhestand nachdenken. Das scheint nicht der Plan zu sein. Was hält dich motiviert?

[MR]: Das Lösen komplexer Probleme und die Liebe zur Technologie.

[AP]: Gibt es Hobbys oder Aktivitäten, die dir helfen, kreativ zu bleiben?

[MR]: Kreativität braucht den radikalen Kontrast zur Bildschirmzeit. Meine Kinder. Meine Freunde. Musik – ich lege auch als DJ auf. Und eine Menge Sport. Das resettet das System.

[AP]: Und zum Schluss: Wenn du dem 17-Jährigen Markus einen Rat geben könntest – welcher wäre das?

[Markus Repetschnig]: Buy Bitcoin.

[André Patrzek]: Danke, Markus, für das spannende Gespräch. Dein Weg vom jungen Gründer zum SaaS-Unternehmer zeigt, wie konsequentes Handeln und datenbasierte Entscheidungen Wirkung entfalten. Ein tolles Beispiel für alle, die nachhaltig wachsen wollen.