Business & Beyond 74 Euro gegen 12 Euro Stundenlohn: VW macht den China-Vergleich zur Krisenformel

74 Euro gegen 12 Euro Stundenlohn: VW macht den China-Vergleich zur Krisenformel

VW rechnet Emden gegen China: 4850 Euro Fabrikkosten gegen 1078. Der Aufsichtsrat streitet, während der Vorstand laut einem internen Papier bereits Zahlen für mögliche Werksschließungen vorgelegt haben soll.

Zwölf Euro Stundenlohn in Tianjin gegen 74 Euro in Emden: Diese Zahl aus einem internen VW-Papier wird von Beobachtern als Signal für die deutsche Autokrise gelesen. Der Wolfsburger Konzern steckt mitten im härtesten Umbau seiner Geschichte und die Aufsichtsratssitzung an diesem Freitag entscheidet über das Schicksal von vier deutschen Werken.

Emden, Zwickau, Hannover und das Audi-Werk Neckarsulm stehen auf der Kippe, während zwischen Vorstand, Arbeitnehmervertretung und dem Land Niedersachsen längst kein gemeinsamer Beschlussvorschlag mehr existiert.

Die Kostenrechnung, die den Aufsichtsrat spaltet

Laut Geheimpapier, über das Bild berichtet, kalkuliert VW in Deutschland mit durchschnittlichen Personalkosten von 163.000 Euro pro Jahr und Mitarbeitendem. In China sind es 74.000 Euro, im Rest der Welt nur 41.000 Euro. Ein Fahrzeug aus Emden kostet in der Fabrik 4850 Euro, dasselbe Modell aus Tianjin nur 1078 Euro.

Die Arbeitsproduktivität liegt in Emden bei 29 Autos pro Mitarbeitendem, in Tianjin bei 51,3. Diese Zahlen bilden das Fundament für die geplanten Einschnitte: Zusätzlich zu den bereits laufenden Programmen, die laut einem Medienbericht rund 70.000 Stellen umfassen sollen (andere Berichte nennen bislang vereinbarte Abbauziele von 35.000 bis 50.000 Stellen bis 2030), soll das neue Sparprogramm GTP 2030 weitere 47.000 Arbeitsplätze streichen, davon 26.000 in Deutschland.

Dem Bericht der Bild zufolge hält sich der Vorstand sogar offen, bis zu 13.000 Stellen zusätzlich zu streichen. Die Zahlen fügen sich in ein größeres Bild der Krise ein. Der Konzerngewinn ist 2025 um knapp die Hälfte eingebrochen, bei der Tochter Porsche sogar um mehr als 90 Prozent. Bei Audi ist die Lage nicht ganz so dramatisch, doch das Werk in Neckarsulm gilt intern als nicht ausreichend ausgelastet. Parallel zu den Werksfragen plant VW eine drastische Straffung der Modellpalette um bis zu 50 Prozent, die Zahl möglicher Ausstattungsoptionen soll um bis zu 75 Prozent sinken. Diese Verschlankung soll Komplexitätskosten senken, die in der internen Rechnung offenbar ebenso schwer wiegen wie die reinen Lohnunterschiede zwischen den Standorten.

Zwischen Kniff und Aufsichtsratspflicht

Der Vorstand hat offenbar nicht formal über eine Werksschließung entschieden, sondern darüber, dass die vier Standorte ab 2031 bis 2034 keine neuen Produktionsaufträge mehr erhalten. Dieser Unterschied ist kein Detail, sondern der eigentliche Machtkampf. Thorsten Gröger, Verhandlungsführer der IG Metall für den VW-Haustarif, widerspricht der Idee, der Aufsichtsrat könne umgangen werden.

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