Business & Beyond 74 Euro gegen 12 Euro Stundenlohn: VW macht den China-Vergleich zur Krisenformel

74 Euro gegen 12 Euro Stundenlohn: VW macht den China-Vergleich zur Krisenformel

Auch Autoanalyst Jürgen Pieper stellt klar: Im Grunde müsse der Aufsichtsrat solche Maßnahmen genehmigen, ohne Zustimmung seien sie eigentlich nicht durchsetzbar. Zwar gebe es juristische Kunstgriffe, mit denen sich die Konzernstruktur verändern ließe, doch das sei bislang reine Theorie. Gleichzeitig kritisiert Pieper das Tempo der Entscheidung scharf: Volkswagen habe die Probleme zwei bis drei Jahre laufen lassen und wolle jetzt gleich vier Werke schließen, was er als zu viel des Schlechten bezeichnet.

Nach Piepers Einschätzung habe VW bislang noch nie ein Werk dichtgemacht, eine steile These, die sich historisch nicht eindeutig belegen lässt. VW-Chef Oliver Blume betont zuletzt immer wieder, es gehe um intelligente Lösungen für die Standorte statt um pauschale Schließungen. Im internen Papier ist demnach sogar eine Hintertür angelegt: Eine Folgebelegung der vier Werke soll geprüft werden, falls diese bis Ende Juni 2027 ihre Kosten auf ein wettbewerbsfähiges Niveau senken.

Die IG Metall geht öffentlich noch weiter und nennt Berichte über angeblich beschlossene Werksschließungen wörtlich Unsinn, Unfug und Kokolores. Der Vorstand könne im Tagesgeschäft vieles beschließen, bei der Zukunft der Standorte habe aber der Aufsichtsrat das entscheidende Wort. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer spricht von bedrückenden Gerüchten und stellt klar, dass es auch am Freitag keine endgültige Entscheidung geben werde.

Baden-Württemberg zwischen Bekenntnis und Realismus

Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut fordert von VW ein klares Bekenntnis zum Standort Neckarsulm. Mahle-Chef Arnd Franz sieht laut SWR in den aktuellen Entwicklungen zwar nicht das Ende der Autoindustrie im Südwesten, macht aber deutlich, dass die Branche künftig kaum noch große Wachstumsbeiträge zum baden-württembergischen Bruttoinlandsprodukt leisten werde.

Für die Beschäftigten steht dabei die zentrale Frage im Raum, wie viele Arbeitsplätze über 2030 hinaus gerettet werden können, denn was in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm nach dem Auslaufen der jeweiligen Produktion gebaut wird, ist völlig offen. Ein Teil der Arbeitsplätze könnte nach Osteuropa abwandern, wo Kosten und Wettbewerbsdruck aus China die Ausgangslage zusätzlich verschärfen.

Sollte der Aufsichtsrat blockieren, droht laut Tagesschau eine außerordentliche Hauptversammlung, auf der über eine Herauslösung der Marke VW aus dem Konzernverbund abgestimmt werden könnte. Niedersachsen hält mit rund 20 Prozent faktisch ein Vetorecht, da wichtige Beschlüsse eine Mehrheit von über 80 Prozent benötigen.

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