Business & Beyond 74 Euro gegen 12 Euro Stundenlohn: VW macht den China-Vergleich zur Krisenformel

74 Euro gegen 12 Euro Stundenlohn: VW macht den China-Vergleich zur Krisenformel

Das Vorstand, Arbeitnehmervertretung und das Land Niedersachsen zur Sitzung jeweils eigene Beschlussvorlagen mitbringen statt einer gemeinsamen Linie, gilt als Beleg dafür, wie verhärtet die Fronten inzwischen sind. Manche Beobachter halten es für zunehmend realistisch, dass Teile des Aufsichtsrats eine Eskalation gar nicht scheuen, sondern bewusst in Kauf nehmen.

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Die Zahlen sind hart, aber sie sind kein Naturgesetz. VW vergleicht Emden mit Tianjin, als handle es sich um identische Produktionsbedingungen, blendet aber Logistikrisiken, Lieferkettenabhängigkeit und politische Kosten einer Verlagerung nach China aus. Wer nur auf Stundenlöhne schaut, verkennt, dass das kalkulierte Einsparpotenzial in Neckarsulm nichts wert ist, wenn der Aufsichtsrat blockiert und die Hauptversammlung zur Materialschlacht wird. Für Entscheider im Mittelstand zählt eine Erkenntnis: Wenn selbst ein Weltkonzern mit Staatsanteilseigner sechs bis zwölf Monate für Klarheit über die eigene Werksstruktur braucht, sollten Zulieferer ihre Abhängigkeit von einzelnen Standorten jetzt neu bewerten, statt auf ein Machtwort aus Wolfsburg zu warten.

Auf einen Blick

  • VW-Vorstand will den Standorten Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm zwischen 2031 und 2034 keine neuen Produktionsaufträge mehr erteilen, hat aber laut Analysten keine alleinige Entscheidungsbefugnis über Werksschließungen.
  • Ein internes Geheimpapier beziffert die Personalkosten pro Mitarbeitendem in Deutschland mit 163.000 Euro jährlich gegenüber 74.000 Euro in China und zeigt Fabrikkosten von 4850 Euro pro Fahrzeug in Emden gegenüber 1078 Euro in Tianjin.
  • IG Metall und der unabhängige Analyst Jürgen Pieper widersprechen der These, der Aufsichtsrat könne bei den Werksentscheidungen übergangen werden.
  • Bei einer Blockade im Aufsichtsrat droht laut Berichten eine außerordentliche Hauptversammlung zur möglichen Herauslösung der Marke VW, wobei Niedersachsen mit rund 20 Prozent ein faktisches Vetorecht besitzt.

Quellen: Swr, Tagesschau, Bild.de, KI-unterstützt

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