Business & Beyond Kamel-Kapitalismus: Tinder fürs Wüstenschiff

Kamel-Kapitalismus: Tinder fürs Wüstenschiff

Kamelfutter, Auktionen und Tiere für sechsstellige Summen: Ein Startup aus den Emiraten bringt einen jahrhundertealten Handel aufs Smartphone. Hign Al Khaleej hat bereits Tausende Kamele vermittelt – und will zum digitalen Marktplatz für eine ziemlich spezielle Milliardenwelt werden.

Wer in Al Ain ein Kamel kaufen will, muss dafür nicht mehr zwingend zwischen Pickup-Trucks, Händlern und Hunderten Tieren über den berühmten Kamelmarkt ziehen. Seit Ende 2024 digitalisiert Hign Al Khaleej einen Handel, der tief in der Kultur der Golfregion verwurzelt ist – und in dem heute ziemlich viel Geld unterwegs ist.

15.000 Nutzer handeln digital

Hign Al Khaleej bedeutet frei übersetzt „Kamele des Golfs“. Gründer und CEO Jaber Al Ahbabi startete den digitalen Marktplatz Ende 2024, bereits 2025 kamen App und Webplattform zusammen auf mehr als 15.000 Nutzer. Die Idee klingt fast absurd simpel: kaufen, verkaufen und versteigern wie auf anderen Online-Marktplätzen – nur eben mit Kamelen. Tatsächlich trifft das Startup damit auf einen gewaltigen Markt. Allein im Emirat Abu Dhabi, zu dem Al Ain gehört, leben rund 500.000 Kamele.

Aus Wüstenschiffen werden Wertanlagen

Über Jahrhunderte waren Kamele in der Golfregion Transportmittel, Milch- und Fleischlieferanten und Rohstoffquelle für Leder und Wolle. Heute kommt eine lukrative Sport- und Entertainment-Industrie dazu. Kamelrennen sind populär, ebenso Schönheitswettbewerbe, bei denen besonders wertvolle Tiere gegeneinander antreten. Beim Al Dhafra Camel Festival in Abu Dhabi stehen allein für die Schönheitswettbewerbe Preisgelder von insgesamt 97 Millionen Dirham – rund 26 Millionen Dollar – bereit. Wer das richtige Kamel besitzt, hält damit nicht einfach ein Nutztier, sondern im Extremfall eine ziemlich wertvolle Geldanlage auf vier Beinen.

136.000 Dollar für ein Kamel

Entsprechend wild können die Preise werden. Bei einer Auktion in Abu Dhabi wurden 2025 gerade einmal 15 Kamele für zusammen 1,77 Millionen Dirham verkauft, umgerechnet knapp 500.000 Dollar. Für ein einzelnes Tier zahlte ein Käufer nach einem intensiven Bieterduell 500.000 Dirham, rund 136.000 Dollar. Absolute Spitzenkamele können sogar Millionenpreise erreichen. Abstammung, Rennerfolge, Zuchtpotenzial und Aussehen entscheiden darüber, ob ein Tier normales Nutzvieh oder Luxus-Asset mit Höckern ist.

Der Kamelhandel steckt im Analogzeitalter

Genau hier sieht Al Ahbabi die Chance für Digitalisierung. Seine Familie besaß selbst Kamele und nahm mit ihnen an Rennen teil, der Gründer kennt das Geschäft also nicht nur aus Startup-Pitches. Das Problem: Der Handel funktioniert vielerorts noch erstaunlich analog. Verkäufer transportieren Tiere teilweise über große Distanzen auf Pickups zu potenziellen Käufern – ohne Garantie, dass am Ende überhaupt ein Deal zustande kommt. Käufer wiederum reisen mitunter in ein anderes Land, nur um sich interessante Tiere anzusehen. Wer beispielsweise ein Kamel aus Saudi-Arabien kaufen möchte, muss womöglich erst hinfliegen, bevor überhaupt klar ist, ob das Tier wirklich infrage kommt. Tradition trifft Transaktionskosten.

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