Tank-Schock in Deutschland: Diesel könnte auf 3 Euro steigen
Brent-Öl über 108 Dollar, Diesel bei bis zu 2,56 Euro: Die Huthi-Blockade im Roten Meer trägt über höhere Transport- und Ölpreise zu steigenden Kraftstoffkosten für deutsche Autofahrer bei. Woidke fordert Preisdeckel, Reiche blockt ab.
Fast zehn Prozent des weltweiten Seehandels laufen durch die Meerenge Bab al-Mandab. Genau dort hat die Huthi-Miliz zugeschlagen und kurz darauf stieg der Dieselpreis an deutschen Tankstellen um bis zu 20 Cent pro Liter. Was sich im Jemen abspielt, wird zur Kostenfrage für jeden, der in Deutschland tankt.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Noch Anfang August kosteten 50 Liter Diesel rund 108 Euro, am Wochenende waren es laut BILD bis zu 120 Euro. Die Nordsee-Ölsorte Brent schloss am Freitag bei rund 105 Dollar je Barrel, am Montagmorgen lag sie bereits über 108 Dollar. Oe24 meldet zusätzlich, dass Saudi-Arabien seine Ost-West-Pipeline nach Drohnenangriffen geschlossen hielt, eine Route, über die zeitweise vier Prozent der Weltölversorgung liefen.
Der Ölhandel selbst ruhte übers Wochenende, was von Beobachtern als zusätzlicher Faktor für die Schärfe des Montagssprungs gelesen wird: Alle aufgestauten Sorgen der Marktteilnehmer entluden sich demnach praktisch zeitgleich in einem einzigen Kurssprung.
Zwei Krisenherde, ein Preis
Die Lage verschärft sich durch eine doppelte Belastung. Zum einen blockieren die Huthi die Meerenge Bab al-Mandab, über die zuletzt vier bis fünf Prozent des Weltöls transportiert wurden. Zum anderen bleibt die saudische Pipeline als Ausweichroute beschädigt. Für Reeder bedeutet das im Zweifel einen Umweg um ganz Afrika, was die Transportkosten massiv erhöhen würde. Oe24 bringt beide Schauplätze auf den Punkt: Zwei Kriegsherde in Nahost, die zeitgleich auf dieselbe Handelsader zielen, treffen Europas Autobesitzer damit aus zwei Richtungen zugleich. In Berlin zeigte sich die Wirkung bereits konkret: Laut Bz Berlin sprang der Dieselpreis deutschlandweit um Punkt 12 Uhr auf durchschnittlich 2,56 Euro.
An der teuersten Tankstelle der Stadt, einer Aral-Filiale an der A115, wurden laut clever-tanken.de sogar 2,789 Euro pro Liter fällig. An einer HEM-Tankstelle in Pankow beobachtete die Bz Berlin den Sprung in Echtzeit: Kostete Diesel dort um kurz vor 12 Uhr noch 2,349 Euro, waren es eine Minute später bereits 2,53 Euro, ein Plus von 19 Cent binnen sechzig Sekunden. Seit April dürfen Tankstellen nur einmal täglich um 12 Uhr erhöhen, wodurch das Zeitfenster zwischen 11 und 12 Uhr faktisch zur günstigsten Tankzeit wird. Viele Autofahrer nutzten das laut Bz Berlin bereits aus und stellten sich am Vormittag lieber noch in die Schlange, um dem mittäglichen Preissprung zu entgehen.