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Revolut: Angriff auf die Schweizer Banken

Revolut: Angriff auf die Schweizer Banken
Revolut
Erschienen
Lesezeit3 Min · 544 Wörter

Revolut will in der Schweiz vom Fintech zur vollwertigen Bank aufsteigen – und nimmt dafür ordentlich Geld in die Hand. Mehr als 150 Millionen Schweizer Franken sollen in den kommenden fünf Jahren in den Markt fließen, während bei der FINMA bereits der Antrag auf eine Schweizer Banklizenz liegt.

Revolut hat in der Schweiz längst eine relevante Größe erreicht: Mehr als 1,3 Millionen Kundinnen und Kunden nutzen die Finanzplattform bereits. Jetzt soll aus der bisherigen Präsenz eine eigenständige Schweizer Bank werden – inklusive Schweizer IBAN, Lohnkonto und Zugang zur lokalen Einlagensicherung.

Von Litauen in die Schweiz

Bislang werden Schweizer Kunden von der in Litauen lizenzierten Revolut Bank UAB bedient. In der Schweiz verfügt das Unternehmen zwar über eine Vertretung, aber noch nicht über eine eigene Bankbewilligung. Genau das soll sich ändern: Revolut hat bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA eine lokale Banklizenz beantragt. Das Verfahren läuft, der Ausgang ist offen.

Schweizer IBAN statt halber Lösung

Mit der Lizenz könnte Revolut sein Angebot deutlich stärker auf den Schweizer Markt zuschneiden. Geplant sind unter anderem Schweizer IBANs, Lohnkonten, eBill, Zahlungsabwicklung für Händler und Zugang zur Schweizer Einlagensicherung. Auch zwei besonders schweizerische Finanzthemen stehen auf der Liste: Ein Angebot für die private Altersvorsorge Säule 3a und die Integration von TWINT werden geprüft. Damit würde Revolut einen entscheidenden Schritt machen: weg von der internationalen Finanz-App, hin zu einer Bank, die im Alltag deutlich tiefer verankert ist. Das Gehalt könnte direkt auf dem Revolut-Konto landen, während Ausgaben, Investments und weitere Finanzgeschäfte innerhalb einer Plattform gesteuert werden.

150 Millionen für den nächsten Gang

Der Angriff auf den etablierten Bankenmarkt soll nicht zum Sparpreis stattfinden. Revolut kündigt an, in den kommenden fünf Jahren mehr als 150 Millionen Schweizer Franken in der Schweiz zu investieren. Das Geld soll vor allem in neue Produkte und lokale Arbeitsplätze fließen. Gleichzeitig will das Unternehmen Verwaltungsrat und Führungsebene ausbauen und damit die Basis für eine eigenständige Schweizer Bankenstruktur schaffen. David Tirado, Partner und Chief Commercial Officer bei Revolut, bezeichnet den Lizenzantrag als wichtigen Schritt der europäischen Strategie. Eine eigene Schweizer Struktur soll nach seinen Angaben Governance, Compliance und regulatorische Verankerung stärken und Revolut näher an Kunden, Aufsichtsbehörden und lokale Talente bringen.

1,3 Millionen Kunden als Startkapital

Revolut beginnt dabei nicht bei null. Mehr als 1,3 Millionen Kunden in der Schweiz verschaffen dem Unternehmen eine beachtliche Ausgangsposition. Julian Biegmann, General Manager für die Schweiz, sieht in einer eigenen Banklizenz die Chance, daraus ein komplett auf den lokalen Markt zugeschnittenes Angebot zu bauen – vom Gehaltseingang über alltägliche Ausgaben bis zum Investieren. Sollte die FINMA grünes Licht geben, sollen bestehende Kunden über einen einfachen Prozess zur neuen Schweizer Bankeinheit wechseln können. Das bisherige Revolut-Erlebnis soll dabei bestehen bleiben, ergänzt um Schweizer IBANs und weitere lokale Finanzprodukte.

Vom Fintech zum Bankgegner

Für Revolut wäre die Lizenz damit weit mehr als regulatorische Kosmetik. Sie würde dem Unternehmen ermöglichen, in einem der traditionsreichsten Bankenmärkte Europas mit einem deutlich breiteren Angebot anzutreten. Ob die FINMA den Antrag genehmigt, ist allerdings noch offen. Erst dann wird sich zeigen, wie weit Revolut seinen Schweizer Bankangriff tatsächlich fahren kann.

Günther Suchy

Günther Suchy ist bei Business Punk Head of Digital Editorial. Daneben ist er Professor für Kommunikation und Journalismus an der Duale Hochschule Baden-Württemberg am Campus Ravensburg – also einer, der die Medienwelt nicht nur lehrt, sondern lebt. Der promovierte Volkswirt kennt den Journalismus und die digitalen Medien jenseits des Elfenbeinturms: Er leitet das Hochschulradio „Das kleine U-Boot“, baut crossmediale Ausbildungs- und Produktionsformate auf und hält dabei immer den Finger am Puls der Branche. Bevor er an die Hochschule nach Ravensburg kam, war Suchy unter anderem in der Unternehmenskommunikation von MAN und in leitenden Funktionen digitaler Medienprojekte tätig – sowie als Online-Redaktionsleiter der Automotive-Formate bei Motorvision (DSF). Seine Lehr- und Forschungsprojekte bringen ihn immer wieder in die Welt hinaus: Nach China, Chile, Marokko oder Bhutan, wo er 2024 und 2025 am Royal Thimpu College lehrte und das Nationale Olympische Komitee zum Thema „Nachhaltigkeitskommunikation im Sport“ beriet. An der Universität Durban in Südafrika gibt er Seminare zum Thema "Green Startups". Zwischen Subkultur, Startup-Mindset und System fühlt er sich zu Hause – und genau aus dieser Perspektive schreibt er für Business Punk.