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Start-Ups: Europas 80-Milliarden-Wette gegen die US-Dominanz

Die EU will in Europas Startups investieren.
Unsplash Die EU will in Europas Startups investieren.
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Lesezeit3 Min · 665 Wörter

Die EU bündelt bis zu 80 Mrd. Euro für Tech-Scaleups. Der 15-Milliarden-Dachfonds steht vor dem ersten Closing, doch Kritiker bezweifeln, dass Staatsgeld Europas Wachstumslücke schließt.

Nadia Calviño, Präsidentin der Europäischen Investitionsbank, spricht von Größe und Tempo. „Bei der Partnerschaft geht es um Größe und Tempo“, sagte Calviño demnach bei der Vorstellung der European Tech Champions Initiative 2 im Sommer. Das Fundraising für den Dachfonds mit einem Zielvolumen von bis zu 15 Mrd. Euro befindet sich demnach bereits in der heißen Phase. Das erste Closing soll noch in diesem Jahr erfolgen, danach kann investiert werden, während weitere Zusagen möglich bleiben. Am Ende sollen bis zu 80 Mrd. Euro in mehr als 1.500 europäische Tech-Scaleups fließen.

Wie der Dachfonds funktioniert

ETCI 2 investiert nicht direkt in Start-ups, sondern verteilt Kapital an mehr als 100 Wachstumsfonds, darunter bis zu 45 Mega-Fonds mit über einer Milliarde Euro Volumen. Neu ist, dass auch mittelgroße Fonds ab 300 Mio. Euro zum Zug kommen. Pro Unternehmen soll die durchschnittliche Finanzierung rund 200 Mio. Euro betragen, demnach unter Verweis auf die Projektseite des Europäischen Investitionsfonds.

Ergänzend gibt es eine Investmentplattform, über die Pensionsfonds, Versicherungen, Stiftungen, Family Offices und Banken strukturiert in europäische Tech-Fonds einsteigen können. Ziel ist, mehr privates Kapital zu mobilisieren, damit große Wachstumsrunden künftig auch in Europa statt in den USA finanziert werden.

Wer das Geld bereitstellt

Die EIB-Gruppe selbst steuert bis zu 1,25 Mrd. Getragen wird die Initiative von den Regierungen aller 27 EU-Mitgliedstaaten, dazu kommen private Investoren wie Danske Bank, Banco Santander, BBVA, AltamarCAM, Azimut, Green Arrow Capital und die Stiftung Compagnia di San Paolo, wie berichtet. Der erste ETCI-Fonds war 2023 mit 3,9 Mrd. Euro gestartet, Deutschland beteiligte sich mit rund einer Milliarde Euro.

Aus diesem Kapital entstanden laut EIB zwölf Unicorns mit Sitz in der EU, darunter das römische Cybersecurity-Start-up Exein, das kürzlich bei einer Bewertung von 1,7 Mrd. Dollar eine Finanzierungsrunde mit ETCI-Beteiligung abschloss. ETCI 2 soll nationale Programme wie die deutsche WIN-Initiative und die französische Tibi-Initiative sowie den Scaleup Europe Fund der EU-Kommission ergänzen, nicht ersetzen.

Zweifel an der Staatsfonds-Logik

Schon bei der ersten ETCI gab es grundsätzliche Kritik an staatlich getragenen Milliardenfonds für Tech. Dries Faems, Professor an der WHU Otto Beisheim School of Management, argumentierte demnach, es gebe kein klares Marktversagen, das den Einsatz von Steuergeld rechtfertige.

Öffentliche Geldgeber würden nach ersten Fehlschlägen eher auf sichere Wetten setzen, politische Interessen könnten bei der Verteilung mitspielen. Sinnvoller sei es, den digitalen Binnenmarkt zu vereinheitlichen und Regulierung zu schaffen, die Risikobereitschaft belohnt, so Faems. Ob ETCI 2 mit vervierfachtem Volumen gegenüber dem Vorgänger diese strukturellen Einwände entkräftet, bleibt offen.

Business Punk Check

Der Konflikt ist real: Die EU bündelt öffentliches und privates Kapital im großen Stil, um Europas Scaleup-Lücke zu Amerika zu schließen, während ein Wissenschaftler der WHU grundsätzlich bezweifelt, dass Staatsgeld hier das richtige Instrument ist. Zwölf Unicorns aus der ersten Runde sind ein Erfolgsnachweis, aber kein Beleg dafür, dass Marktversagen vorlag statt simpler Kapitalknappheit, die auch private Investoren hätten füllen können. Für Gründende und Fondsmanager zählt am Ende vor allem, ob das Geld schneller fließt als über nationale Programme wie WIN oder Tibi.

Ob die versprochenen 80 Mrd. Euro tatsächlich mobilisiert werden oder ob Zusagen Jahre brauchen, um in reale Finanzierungsrunden zu münden, wird sich erst am Verlauf der kommenden Mega-Fonds-Investitionen zeigen.

Auf einen Blick

  • ETCI 2 will bis zu 80 Mrd. Euro über einen Dachfonds mit Zielvolumen von 15 Mrd. Euro in mehr als 1.500 europäische Tech-Scaleups lenken.
  • Die EIB-Gruppe steuert bis zu 1,25 Mrd. Euro bei, getragen wird die Initiative von allen 27 EU-Mitgliedstaaten sowie privaten Investoren wie Danske Bank und Banco Santander.
  • Der erste ETCI-Fonds brachte laut EIB zwölf EU-Unicorns hervor, darunter das Cybersecurity-Start-up Exein.
  • Kritiker wie Dries Faems von der WHU bezweifeln, dass ein klares Marktversagen den Einsatz von Steuergeld in Tech-Fonds rechtfertigt.

Quellen: Trendingtopics, KI-unterstützt

Portrait Uli Weißgerber

Uli Weißgerber

Seit über 25 Jahren bewegt er sich an der Schnittstelle von Medien, Marketing und Technologie. Stationen? Sport1, ProSiebenSat.1, Bertelsmann – er war beim Start von Sport1.de dabei hat unter anderem die erste Affiliate-Kampagne in Polen ausgerollt hat. Später hat er mit getperformance das erste TV-Performance-Tracking entwickelt und Marken wie Trivago ins Fernsehen katapultiert. Als Gesellschafter von Promipool wurde er Publisher und baute ein starkes, unabhängiges Content-Portfolio auf. Heute bringt er mit seinem Team und Partnern eigene, komplexe KI-Workflow-Lösungen in Verlage und Agenturen, die mehr können als Buzzwords – unter anderem steuern sie die komplette digitale Plattform von Business-Punk.com.