E-Bus-Förderung: Bund kappt Millionen, Klimaziel wackelt
Der Bund will die Förderung für Elektrobusse von 403 auf 130 Mio. Euro kürzen. Verbände warnen: Damit werden EU-Klimaziele im Nahverkehr unerreichbar.
Von 403 Mio. Euro auf nur noch rund 130 Mio. Euro: So drastisch will der Bund laut Haushaltsentwurf 2027 die Förderung für die Anschaffung von Elektrobussen im Nahverkehr zusammenstreichen. Für den Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und die Klima-Allianz Deutschland ist das kein Detail im Zahlenwerk, sondern eine Weichenstellung, die den öffentlichen Nahverkehr Jahre zurückwerfen könnte. Laut einer gemeinsamen Analyse der Verbände, erstellt vom Beratungsunternehmen PwC, würden die EU-Vorgaben zur Umrüstung der Dieselbusflotten bei einer solchen Kürzung schlicht verfehlt.
Woran die Umstellung hängt
Die EU verlangt, dass bis 2030 mindestens 65 Prozent der neu beschafften Linienbusse emissionsfrei fahren. Derzeit sind laut t3n rund 6.000 emissionsfreie Busse unterwegs, etwa zwölf Prozent der bundesweiten Flotte. Immerhin fuhr im vergangenen Jahr fast jeder zweite neu zugelassene Linienbus elektrisch. Der Haken liegt im Preis: Ein 2023 zugelassener Batteriebus kostet über den zwölfjährigen Lebenszyklus rund 30 Prozent mehr als ein Dieselbus, wie die PwC-Analyse ausweist.
Diese Kostenlücke dürfte sich in den kommenden Jahren etwas verringern, verschwinden wird sie laut der Untersuchung aber nicht. Ohne Förderzuschuss rechnen sich E-Busse für viele kommunale Betriebe schlicht nicht, selbst wenn die Betriebskosten dank niedrigerer Energiepreise langfristig günstiger ausfallen. Hinzu kommen die geringere Reichweite der Fahrzeuge, ein dadurch höherer Fahrzeugbedarf und der Aufbau eigener Ladeinfrastruktur, was die Anschaffung zusätzlich verteuert.
Wer die Kürzung zu spüren bekommt
Besonders hart träfe die Kürzung Verkehrsbetriebe, die ihre Flottenumstellung erst begonnen haben. Städte wie Mannheim, Freiburg und Karlsruhe, laut einer Auswertung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) mit 60,6, 51,7 und 51,6 Prozent batterieelektrischem Anteil die Vorreiter im Land, haben bereits investiert und Ladeinfrastruktur aufgebaut.
In den 39 größten deutschen Städten macht reiner Diesel laut DUH aber immer noch rund 70 Prozent der Flotten aus, inklusive Mildhybride sogar 77 Prozent. Gerade dort, wo die Umstellung noch bevorsteht, dürfte eine gekürzte Förderung die Pläne verzögern oder ganz stoppen. Verkehrsunternehmen könnten laut der VDV-Analyse stattdessen auf längere Diesel-Laufzeiten, den Kauf neuer Dieselbusse statt neuer E-Busse oder auf Importe aus Nicht-EU-Ländern wie China ausweichen, um die Kostenlücke zu umgehen.
Was am Standort auf dem Spiel steht
Die Verbände verweisen auch auf die industriepolitische Dimension. Fast drei Viertel der in Deutschland eingesetzten Elektrobusse stammen von heimischen Herstellern, Daimler Buses und MAN gelten laut der Analyse als klare Marktführer. Am deutschen Markt für E-Stadtbusse hängen bis zu 12.600 Arbeitsplätze.
Eine schwächere Nachfrage durch sinkende Förderung würde die Wertschöpfungskette unter Druck setzen, während chinesische Anbieter von der entstehenden Lücke profitieren könnten, warnen VDV und Klima-Allianz. Eine politische Begründung für die konkrete Kürzungshöhe liefert der Haushaltsentwurf bislang nicht öffentlich nach, die Branche fordert daher Nachbesserungen vor der parlamentarischen Beratung. Für Hersteller, Zulieferer und kommunale Verkehrsbetriebe hängt damit nicht nur die Klimabilanz, sondern auch ein Stück Industriepolitik an der Haushaltsentscheidung.
Auf einen Blick
- Der Bund plant laut Haushaltsentwurf 2027 eine Kürzung der E-Bus-Förderung von 403 auf rund 130 Mio. Euro.
- VDV und Klima-Allianz Deutschland sehen dadurch die EU-Vorgabe von 65 Prozent emissionsfreier Busse bis 2030 in Gefahr.
- Mannheim, Freiburg und Karlsruhe führen laut Deutscher Umwelthilfe die Umstellung an, während bundesweit rund 70 Prozent der Flotten in Großstädten noch rein mit Diesel fahren.
- Am deutschen Markt für E-Stadtbusse hängen laut Branchenanalyse bis zu 12.600 Arbeitsplätze, vor allem bei Daimler Buses und MAN.
Quellen: T3N, KI-unterstützt