Trump tauft KI um: Slowenien erlebt Domain-Goldrausch
Donald Trump nennt KI jetzt „Super Intelligence“ und binnen elf Tagen wächst Sloweniens.si-Domainbestand um 8,5 Prozent, während Spekulanten Adressen wie build.si für zehn Millionen Dollar anbieten.
Donald Trump erklärte vor der UN-Generalversammlung, die US-Regierung werde künstliche Intelligenz künftig „Super Intelligence“ nennen, kurz SI. Begonnen hatte alles mit einer Frage auf Truth Social, ob man „Artificial Intelligence“ umbenennen solle, weil das Wort „artificial“ die Technologie falsch klingen lasse.
Mittlerweile hat Trump eine Executive Order unterzeichnet, nach der alle Bundesbehörden die neuen Begriffe verwenden sollen und auch im Dialog mit China ist bereits von „Super Intelligence“ die Rede. Die Folge zeigte sich fast augenblicklich im Netz: Seit der Rede werden laut einer Auswertung des österreichischen Hosting-Anbieters Domaintechnik, die auf Daten von domainnamestat.com basiert, täglich mehr.si- als.ai-Domains registriert. Slowenien, die Heimat von First Lady Melania Trump, wird damit unverhofft zum Nutznießer eines sprachlichen Dekrets aus Washington.
Ein Wort, ein Boom
Die Zahlen verdeutlichen das Ausmaß. An einem gewöhnlichen Septembertag kamen bislang rund 100 neue.si-Domains hinzu, am Tag nach Trumps Rede waren es demnach 3.234, mehr als 30-mal so viele. In der folgenden Woche wurden 17.621 neue.si-Domains registriert, verglichen mit 7.209 neuen.ai-Domains, also knapp zweieinhalbmal so viele.
Der Gesamtbestand wuchs binnen elf Tagen von 241.846 auf 262.319 Domains, ein Plus von 8,5 Prozent. Ganz neu ist das Muster nicht: Schon im Mai verzeichnete Domaintechnik dreimal so viele Registrierungen wie üblich, weil Investor:innen bereits damals auf „SI“ als Kürzel für Superintelligenz setzten. Der aktuelle Schub fällt also auf einen Markt, der schon vorbereitet war.
Spekulation statt Nutzung
Gekauft wird vor allem auf Vorrat. Laut dem Sicherheitsunternehmen Netcraft standen rund 52 Prozent der über den Registrar Dynadot registrierten.si-Domains kurz nach dem Kauf wieder zum Verkauf, darunter Namen wie donaldjtrump.si. Die Preisvorstellungen sind entsprechend hoch: build.si wird für 10 Mio. Dollar angeboten, seed.si für 8 Mio.
Von 35 öffentlich dokumentierten.si-Verkäufen im ersten Halbjahr gingen demnach nur zwei an Unternehmen, die die Domain tatsächlich nutzen wollten, etwa das KI-Start-up Recursive, das 20.000 Dollar für recursive.si zahlte. Ein praktischer Vorteil befeuert den Trend zusätzlich:.si-Domains lassen sich ohne Wohnsitz in Slowenien und für nur ein Jahr registrieren, während eine.ai-Domain mindestens zwei Jahre Laufzeit verlangt. Wer schnell und günstig spekulieren will, findet in.si also die bequemere Variante.
Phishing-Gefahr und Staatskasse
Der Boom hat eine Schattenseite. Auf der Tastatur liegt das „s„ direkt neben dem “a„, weshalb eine.si-Adresse nur einen Tippfehler von einer bekannten.ai-Adresse entfernt ist. Netcraft zählte mehr als 44.000.si-Domains, die denselben Namen wie eine bestehende.ai-Domain tragen und warnt vor Phishing-Risiken durch solche Doppelgänger.
Für Slowenien selbst bleibt der finanzielle Effekt überschaubar: Die nationale Registry Register.si bestätigt einen “starken, aber stabilen Anstieg“ der Nachfrage, dementiert aber Berichte über Millionengewinne, da die Einnahmen pro Domain gering seien. Gleichzeitig rät die Registry Marken- und Firmeninhaber:innen, sich ihre.si-Domain so bald wie möglich zu sichern. Das Fachmedium Domain Name Wire schätzt den zusätzlichen Septemberumsatz auf rund 300.000 Euro, ein Bruchteil dessen, was Anguilla mit der Endung.ai 2025 einnahm: rund 85,3 Mio. Dollar, demnach 47 Prozent des dortigen Staatshaushalts.
Auf einen Blick
- Der.si-Domainbestand wuchs binnen elf Tagen laut Domaintechnik um 8,5 Prozent, von 241.846 auf 262.319 Domains.
- Rund 52 Prozent der über Dynadot registrierten.si-Domains standen laut Netcraft kurz nach dem Kauf wieder zum Verkauf.
- Mehr als 44.000.si-Domains tragen laut Netcraft denselben Namen wie eine bestehende.ai-Domain, was Phishing-Risiken erhöht.
- Anguilla nahm 2025 mit der Endung.ai rund 85,3 Mio. Dollar ein, Slowenien rechnet für September mit nur etwa 300.000 Euro Zusatzumsatz.
Quellen: Trendingtopics, KI-unterstützt