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ChatGPT: GPT-6 startet und bekommt Diagramme, Buttons und Formulare

OpenAI launchend GPT-6.
Unsplash OpenAI launchend GPT-6.
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Lesezeit4 Min · 709 Wörter

OpenAI ersetzt mit GPT-6 den reinen Textchat durch interaktive Oberflächen mit Diagrammen und Buttons. Googles Gemini hatte ein ähnliches Feature bereits im Mai.

OpenAI stellt ChatGPT-Antworten ab sofort nicht mehr nur als Text dar, sondern als Diagramme, Buttons und Formulare, die Nutzer direkt bedienen können. Die neue Funktion heißt „Intelligent UI“ und kommt mit dem Modell GPT-6, das seit Mittwoch ausgerollt wird, wie TechCrunch berichtet.

Zahlende Kunden erhalten die Variante GPT-6 Sol, kostenlose Nutzer bekommen GPT-6 Luna, wie The Decoder schreibt. Der globale Rollout startet für Plus-, Pro-, Business- und Enterprise-Nutzer sofort, Free- und Go-Tarife folgen einen Tag später.

Diagramme statt Textwüste

Das Format passt sich laut The Decoder automatisch an die gestellte Frage an: Ein Vergleich erscheint nebeneinander, eine Erklärung als interaktives Diagramm. Produktmanager Aarush Selvan erklärte gegenüber TechCrunch, ChatGPT sei bislang überwiegend textbasiert gewesen, doch die hilfreichsten Antworten bei Alltagsaufgaben wie Rezeptplanung, Reiseplanung oder Lernen seien eben nicht nur Text. Als Beispiel zeigte OpenAI, wie ein Studierender nach der Funktionsweise einer Flugzeugtragfläche fragte und das Modell dafür mehrere Diagramme generierte.

Weitere Demonstrationen umfassten Visualisierungen für Rezepte, ein Diagramm zur Fahrradmechanik, eine Karte für eine mehrtägige Wanderung sowie einen persönlichen Sparrechner. Nutzer können zudem direkt im Chat kleine Tools wie einen Sparrechner oder ein Spiel erstellen lassen. Wer die visuelle Flut nicht möchte, kann sie in den Personalisierungseinstellungen zurückfahren. Damit bleibt die Kontrolle formal bei den Nutzenden, auch wenn die Standardeinstellung künftig auf mehr Bildsprache setzt statt auf reinen Fließtext.

Googles Vorsprung bei Visuals

Ganz neu ist die Idee nicht: Google hatte mit „Neural Expressive“ bereits im Mai ein ähnliches Feature in den Chatbot Gemini integriert. OpenAI positioniert Intelligent UI damit eher als Aufholjagd denn als Innovation aus dem Nichts. Der Unterschied liegt laut den verfügbaren Angaben weniger im Konzept als im Umfang: OpenAI verspricht eine breitere Palette an interaktiven Elementen, von editierbaren Graphen bis zu antippbaren Buttons, die direkt in den Konversationsfluss eingebettet sind.

Ob sich das Feature im Alltag gegenüber Googles Lösung durchsetzt, hängt davon ab, wie zuverlässig die generierten Oberflächen tatsächlich funktionieren und wie stark Nutzer sie überhaupt anfragen. Für OpenAI steht dabei viel auf dem Spiel: Das Unternehmen positioniert ChatGPT seit Monaten als Werkzeug für komplexe Alltagsaufgaben, nicht mehr nur als Textgenerator und Intelligent UI soll diesen Anspruch sichtbar untermauern.

Schnelleres Denken im Hintergrund

Technisch basiert die neue Oberfläche auf parallelem Denken: GPT-6 kann laut The Decoder bereits antworten, während es intern noch weiterrechnet. Das verkürzt die Wartezeit nach Angaben von OpenAI um 44 Prozent und soll zugleich die Antwortqualität verbessern. In internen Tests erzielte GPT-6 bei schwierigen Websuchen höhere Trefferquoten als der Vorgänger GPT-5.6.

Diese Kombination aus Geschwindigkeit und visueller Aufbereitung zielt erkennbar darauf ab, ChatGPT für komplexe Erkläraufgaben praktikabler zu machen, ohne dass Nutzer lange auf reine Textantworten warten müssen. Die Namensgebung Sol und Luna für Bezahl- und Gratisversion deutet zudem darauf hin, dass OpenAI künftig stärker zwischen Funktionsumfang für zahlende und kostenlose Nutzer differenzieren will, auch wenn Intelligent UI selbst allen Tarifstufen zur Verfügung steht.

Business Punk Check

Intelligent UI ist vor allem ein Zugeständnis an die Realität: Text allein erklärt keine Tragflächenphysik und OpenAI weiß das. Dass Google mit Neural Expressive bereits im Mai vorlegte, zeigt, dass die Idee nicht aus dem luftleeren Raum kommt, sondern dem Wettbewerbsdruck zwischen den großen Modellanbietern folgt.

Offen bleibt, ob interaktive Buttons und Diagramme tatsächlich bessere Antworten liefern oder nur eine hübschere Verpackung für dieselbe Textgrundlage sind. Die 44-Prozent-Zeitersparnis stammt aus OpenAIs eigenen Angaben, eine unabhängige Prüfung steht aus.

Auf einen Blick

  • OpenAI launcht mit GPT-6 die Funktion Intelligent UI, die Antworten als interaktive Diagramme, Buttons und Formulare darstellt.
  • Zahlende Nutzer erhalten GPT-6 Sol, kostenlose Nutzer GPT-6 Luna, der Rollout startet global ab sofort beziehungsweise einen Tag später für Free und Go.
  • Google hatte mit Neural Expressive bereits im Mai ein ähnliches Feature in Gemini integriert.
  • Paralleles Denken soll laut OpenAI die Wartezeit um 44 Prozent verkürzen und die Trefferquote bei schwierigen Websuchen verbessern.

Quellen: TechCrunch, The Decoder, KI-unterstützt

Portrait Uli Weißgerber

Uli Weißgerber

Seit über 25 Jahren bewegt er sich an der Schnittstelle von Medien, Marketing und Technologie. Stationen? Sport1, ProSiebenSat.1, Bertelsmann – er war beim Start von Sport1.de dabei hat unter anderem die erste Affiliate-Kampagne in Polen ausgerollt hat. Später hat er mit getperformance das erste TV-Performance-Tracking entwickelt und Marken wie Trivago ins Fernsehen katapultiert. Als Gesellschafter von Promipool wurde er Publisher und baute ein starkes, unabhängiges Content-Portfolio auf. Heute bringt er mit seinem Team und Partnern eigene, komplexe KI-Workflow-Lösungen in Verlage und Agenturen, die mehr können als Buzzwords – unter anderem steuern sie die komplette digitale Plattform von Business-Punk.com.