Beamten-Besoldung 2026: Die Doppel-Kluft zwischen A9 und B1
Seit 1. Mai 2026 steigt die Beamten-Besoldung des Bundes spürbar. Doch zwischen A9 und B1 klafft eine Lücke, die zeigt, wie ungleich der Staat seine Leute bezahlt.
Ein Beamter der Besoldungsgruppe A9 verdient seit dem 1. Mai 2026 beim Bund mindestens 4.132,76 Euro brutto im Monat. Ein Kollege in B1 kommt auf 8.826,94 Euro. Zwischen beiden liegt mehr als das Doppelte und genau diese Spannbreite zeigt, wie wenig die oft zitierte „sichere Beamtenbesoldung“ über die tatsächliche Verteilung aussagt. Für den Mittelstand und private Arbeitgeber ist das relevant, weil der öffentliche Dienst im Wettbewerb um Fachkräfte mit eigenen Spielregeln antritt. Keine Gehaltsverhandlungen, aber dafür feste Aufstiegsautomatik, Beihilfe statt Sozialabgaben und ein Lohngefüge, das bundesweit uneinheitlich ist, laut Academics. Wichtig für das Verständnis der Tabelle ist die Unterscheidung zwischen Besoldungsgruppe und Erfahrungsstufe.
Die Besoldungsgruppe beschreibt das Amt beziehungsweise die Wertigkeit der Stelle, etwa A9, A13, B3, R2 oder W2. A9 markiert in der Regel den Einstieg in den gehobenen Dienst, für den meist ein Bachelorabschluss oder eine gleichwertige Qualifikation vorausgesetzt wird. A13 steht häufig für den Einstieg in den höheren Dienst, der üblicherweise einen Masterabschluss erfordert. Die Erfahrungsstufe dagegen bildet die berufliche Erfahrungszeit innerhalb einer Besoldungsgruppe ab und mit steigender Stufe wächst in vielen Besoldungsordnungen auch das Grundgehalt. In der Besoldungsordnung B dagegen gelten Festgehälter ohne Erfahrungsstufen, was die Lücke zwischen A- und B-Besoldung zusätzlich verschärft, so Academics.
Was der Bund 2026 zahlt
Nach dem aktuellen Gesetzentwurf liegt das Grundgehalt beim Bund seit dem 1. Mai 2026 in A9 zwischen 4.132,76 und 4.849,11 Euro, in A13 zwischen 6.105,78 und 7.164,14 Euro, in B1 bei 8.826,94 Euro und in W2 zwischen 7.658,48 und 8.507,93 Euro, so Academics. Diese Werte sind bis zur endgültigen Verabschiedung ohne Gewähr. Der Aufstieg innerhalb einer Besoldungsgruppe folgt festen Zeiträumen und hängt von der Leistung ab. Stufe 1 wird nach zwei Jahren Erfahrungszeit erreicht, die Stufen 2 bis 4 jeweils nach drei weiteren Jahren, die Stufen 5 bis 7 nach jeweils vier Jahren.
Wer befördert wird, rutscht in eine höhere Besoldungsgruppe, das Grundgehalt steigt, zusätzliche Zulagen können hinzukommen und mit der neuen Gruppe beginnt häufig auch wieder ein neuer Erfahrungsstufenlauf. Beförderungen sind damit der zentrale Hebel für die langfristige Gehaltsentwicklung im öffentlichen Dienst, laut Academics. Seit der Föderalismusreform regeln Bund und Länder ihre Besoldung eigenständig. Das bedeutet: Dieselbe Besoldungsgruppe kann in Bayern anders bezahlt werden als in Bremen. Wer die eigene Einstufung berechnen will, kommt an der Tabelle des jeweiligen Dienstherrn nicht vorbei. Das betrifft nicht nur Grundgehälter, sondern auch Familienzuschläge, Sonderzahlungen und Beihilferegelungen, die je nach Dienstherr variieren.
Lehrer, Polizei, Feuerwehr im Vergleich
Verbeamtete Lehrkräfte verdienen laut Kununu im Durchschnitt 500 Euro mehr als angestellte Kolleginnen und Kollegen, bei insgesamt rund 1,7 Millionen Lehrkräften in Deutschland, von denen etwa zwei Drittel verbeamtet sind. Grundschullehrer landen meist in A12, Gymnasiallehrer in A13. Polizeibeamte bewegen sich zwischen A7 und A16, je nach Laufbahn im mittleren, gehobenen oder höheren Dienst. Schicht-, Feiertags- und Gefahrenzulagen heben das Gehalt zusätzlich an, leitende Polizeidirektoren landen teils in der Gruppe B. Feuerwehrbeamte starten in A7 als Brandmeister und können bis A11 aufsteigen, wobei nur Berufsfeuerwehrleute diesen Status überhaupt erreichen können, freiwillige Kräfte bleiben unbezahlt.
Zusätzlich zur Grundbesoldung sind Sonderzahlungen wie das sogenannte Weihnachtsgeld nicht für alle Beamtinnen und Beamten garantiert, so Academics. Höhe und Auszahlung hängen von den jeweiligen Regelungen des Bundes oder der Länder ab. In einigen Bundesländern wurden diese Zahlungen reduziert oder ganz gestrichen, in anderen sind sie weiterhin fester Bestandteil der jährlichen Besoldung. Für den Vergleich zwischen Lehrkräften, Polizei und Feuerwehr bedeutet das: Zwei Beamte derselben Besoldungsgruppe können je nach Bundesland am Jahresende trotzdem unterschiedlich viel auf dem Konto haben.
Ein Überblick:
| Lehrer/Lehrerin | Durchschnittlich 52.500 € brutto jährlich |
| Polizist/Polizistin | Durchschnittlich 44.200 € brutto jährlich |
| Feuerwehrbeamte | Durchschnittlich 52.700 € brutto jährlich |
| Soldat/Soldatin | Durchschnittlich 36.600 € brutto jährlich |
Zuschläge, die den Unterschied machen
Der Familienzuschlag wird beim Bund seit 1. Mai 2026 konsequent kinderbezogen gestaltet, der bisherige Verheiratetenzuschlag entfällt laut Entwurf. Für das erste Kind sind 317,66 Euro vorgesehen, für das zweite zusätzlich 146,38 Euro, ab dem dritten Kind je 456,06 Euro extra. In den unteren Besoldungsgruppen A3 bis A5 kommt laut Entwurf zudem ein kleiner Aufschlag von 5,37 Euro je Kind hinzu, eine Randnotiz, die zeigt, wie kleinteilig das System ausgestaltet ist. Bei der Krankenversicherung übernimmt der Dienstherr per Beihilfe 50 Prozent der Kosten für Beamte ohne Kinder, 70 Prozent bei zwei oder mehr Kindern.
Der Rest läuft meist über eine private Zusatzversicherung, in einigen Bundesländern alternativ über eine pauschale Beihilfe für gesetzlich krankenversicherte Beamtinnen und Beamte, so Academics. Sozialversicherungsbeiträge für Rente oder Arbeitslosigkeit fallen komplett weg, abgezogen werden lediglich Lohnsteuer sowie Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Das treibt das Netto nach oben, selbst wenn das Brutto niedriger wirkt als vergleichbare Gehälter in der freien Wirtschaft, ein Effekt, der in klassischen Gehaltsvergleichen häufig unterschlagen wird.
Business Punk Check
Die Besoldungstabelle verkauft sich als Fairness-Instrument, ist aber ein Flickenteppich. Zwischen Bund und sechzehn Ländern gibt es keine einheitliche Logik, sondern sechzehn verschiedene Antworten auf dieselbe Frage, was ein A13-Lehrer wert ist. Wer glaubt, der öffentliche Dienst sei ein homogener Block mit Jobsicherheit als Gleichmacher, verkennt, dass die Gruppen B und W längst Gehälter zahlen, von denen Mittelstandsgründer nur träumen. Für Arbeitgeber in der Privatwirtschaft bedeutet das: Der Wettbewerb um Fachkräfte läuft nicht über ein starres System, sondern über ein bewegliches Ziel, das sich alle paar Jahre per Gesetzentwurf verschiebt. Wer im Mittelstand um Ingenieure, Juristinnen oder IT-Fachkräfte konkurriert, muss die Beihilfe- und Zuschlagslogik des öffentlichen Dienstes mitdenken, nicht nur das nackte Brutto vergleichen. Genau da liegt die unterschätzte Hausaufgabe für Personalabteilungen.
Auf einen Blick
- Das Grundgehalt beim Bund reicht ab 1. Mai 2026 von 4.132,76 Euro in A9 bis 8.826,94 Euro in B1.
- Verbeamtete Lehrkräfte verdienen im Durchschnitt 500 Euro mehr als angestellte Kolleginnen und Kollegen.
- Die Beihilfe deckt 50 Prozent der Krankheitskosten ohne Kinder und 70 Prozent bei zwei oder mehr Kindern.
- Bund und Länder regeln ihre Besoldung seit der Föderalismusreform eigenständig, wodurch sich Gehälter je nach Dienstherr deutlich unterscheiden können.