Smartes Duo
Alle drängen ins Kompaktsegment, Brüssel kassiert Zölle – und Smart setzt trotzdem auf ein E-Auto, dass für gut 20.000 Euro erhältlich sein könnte. Wolfgang Ufer und Florian Nemitz verraten im exklusiven Doppelinterview, wie das gehen soll. Aus unserem aktuellen eft „It’s a Match“ 3/2026.
Zwei Manager, verschiedene Märkte, eine Marke: Wolfgang Ufer (re.) verantwortet Smart Europe, Florian Nemitz (li.) das Deutschlandgeschäft. Wir haben die beiden CEO’s in Stuttgart besucht und sprechen mit ihnen über den „fortwo“, den neuen „smart #2“, Chinas Rolle in der Autoindustrie – und darüber, was es braucht, damit aus Kult wieder ein gutes Geschäft wird.
BUSINESS PUNK: Wolfgang, Florian, einer macht Europa, einer Deutschland – welche Rolle stellt heute die größeren Anforderungen?
Wolfgang Ufer:
Beide Rollen bringen sehr unterschiedliche Anforderungen mit sich, die sich nicht direkt vergleichen lassen – außer vielleicht, dass wir als Marke Smart in allen europäischen Märkten und besonders in Deutschland dieses Jahr auf „gezielte Weiterentwicklung“ setzen. Deutschland verlangt konsequente Marktorientierung und operative Stärke, Europa den Blick über 17 Märkte hinweg, strategische Steuerung und das Zusammenführen unterschiedlicher Perspektiven. Mit dieser Aufgabenteilung schaffen wir die Voraussetzungen, beide konsequent weiterzuentwickeln.
Florian Nemitz:
Ich habe den Neustart von Smart in Deutschland von Beginn an mitgestaltet – als einer der ersten Mitarbeiter an Wolfgangs Seite, später als Head of Sales. Marke, Handel und Markt habe ich über die Jahre maßgeblich mit aufgebaut – eine sehr gute Grundlage für die Verantwortung des Deutschlandgeschäfts. Dass Wolfgang die europäische Perspektive übernimmt und ich den deutschen Markt verantworte, ist die stringente Weiterentwicklung unserer langjährigen Zusammenarbeit. Wir kennen Geschäft, Organisation und Partner genau – deshalb war der Übergang nahtlos.
Business Punk: Der „fortwo“ war Kult, aber angeblich nie richtig profitabel. Warum glaubt ihr, dass die Rechnung beim zweiten Anlauf aufgeht?
Wolfgang Ufer:
Der „fortwo“ hatte zur Zeit der Daimler AG die Herausforderung, wirtschaftlich in einem vergleichsweise spitzen Markt- und Kundensegment und zugleich in weltweit sehr unterschiedlichen Märkten erfolgreich zu sein. Die Ausgangslage heute ist eine andere: Der „smart #2“ ist Teil eines klar definierten, rein elektrischen Produktportfolios, basiert auf einer neuen, skalierbaren Architektur und bedient ein attraktives Segment hochwertiger, sehr kompakter Fahrzeuge für den urbanen Raum. Entscheidend: Wir verbinden technologische Innovationskraft mit dem charakteristischen Design von Mercedes-Benz. So entsteht ein Fahrzeug mit unverwechselbarer Smart-DNA, das emotional begeistert und wirtschaftlich tragfähig sein wird.
Florian Nemitz:
Die Begeisterung rund um das Smart Concept #2 zeigt, wie groß die emotionale Bindung an die Marke und der Bedarf nach einem hochwertigen, sehr kompakten Fahrzeug für den urbanen Raum nach wie vor sind. Zugleich streben wir eine attraktive Preispositionierung an, die gute Voraussetzungen für Volumen, Ertrag und nachhaltiges Wachstum schafft. Und der „smart #2“ basiert auf der eigens entwickelten Electric Compact Architecture (ECA) – der Grundlage, um ein Fahrzeug dieser Klasse wirtschaftlich erfolgreich anzubieten. Er ist für uns keine nostalgische Rückkehr, sondern die konsequente Erweiterung unseres Portfolios.

Business Punk: Der „#2“ wird in China gebaut, die Technik kommt von Geely, die Plattform an sich ist eine Smart-Entwicklung. Was ist an diesem Auto noch „deutsch“, und ist as dem Kunden egal?
Wolfgang Ufer:
Zunächst einmal verstehen wir uns bei Smart als europäisch – unser europäischer Sitz ist in Stuttgart, die Kolleg:innen von Mercedes-Benz sind ganz in der Nähe. Die Automobilindustrie ist heute absolut global, und das ist gut so. Die entscheidende Frage ist nicht mehr, wo ein Auto gebaut wird, sondern wer es entwickelt, gestaltet und für die Qualität einsteht. Unsere Entwicklungsteams bei Smart Europe und das Mercedes Benz Global Design Team bringen die vertraute Smart-DNA in jedes Detail ein. So entsteht ein Fahrzeug, das konsequent für den europäischen Markt entwickelt wurde – unabhängig vom Produktionsstandort.
Florian Nemitz:
Für unsere Kund:innen zählt vor allem, ob das Gesamtpaket überzeugt: Fahrzeug, Service und Betreuung vor Ort. Genau hier profitieren wir vom starken Mercedes-Benz Vertriebsnetz mit über 100 Standorten in Deutschland. Unsere Shop-in-Shop-Konzepte in den Showrooms, die persönliche Beratung und das etablierte Aftersales-Netzwerk begleiten unsere Kunden weit über den Kauf hinaus. Das Fahrzeug entsteht international – das Markenerlebnis ist lokal und persönlich.

Business Punk: Die EU-Strafzölle auf E-Autos aus China treffen Sie direkt. Wie sehr fressen die Zölle Ihre Marge und Ihre Preisstrategie beim „#2“?
Wolfgang Ufer:
Zölle verändern die Rahmenbedingungen, aber sie verändern nicht unsere Strategie. Wir haben unser Joint Venture mit Mercedes-Benz und Geely von Anfang an so aufgestellt, dass wir auch mit solchen Entwicklungen umgehen können. Unsere Kosten- und Wertschöpfungsstruktur ist darauf ausgelegt, Belastungen wie diese abzufedern. Wir treffen unsere Entscheidungen nicht mit Blick auf das nächste Quartal, sondern mit einer langfristigen Perspektive.
Florian Nemitz:
Für unsere Kund:innen zählt am Ende vor allem, dass sie ein überzeugendes Fahrzeug zu einem attraktiven Preis bekommen. Genau daran arbeiten wir. Unsere Aufgabe ist es, wirtschaftliche Herausforderungen so zu managen, dass sie sich möglichst nicht auf das Produkterlebnis auswirken. Deshalb richten wir unseren Fokus nicht auf kurzfristige Marktbewegungen, sondern darauf, den „smart #2“ langfristig erfolgreich im Markt zu etablieren.
Business Punk: Ein persönlicher Moment mit dem Original?
Wolfgang Ufer:
Meine Mutter fährt bis heute einen elektrischen „fortwo“. Für mich ist das der schönste Beweis, dass dieses Auto Generationen verbindet und Menschen über viele Jahre begleitet. Ich würde mich freuen, wenn meine eigenen Kinder eines Tages mit einem „smart #2“ ihre ersten Fahrerfahrungen sammeln. Das wäre für mich ein schöner Kreis, der sich schließt.
Florian Nemitz:
Schon während meiner Zeit bei Mercedes-Benz hat mich der „fortwo“ fasziniert. Er war eines dieser seltenen Fahrzeuge, das Menschen sofort erkannt haben und zu dem viele eine echte emotionale Beziehung hatten. Genau dieses besondere Gefühl macht die Marke Smart bis heute aus. Umso schöner ist es, dass wir mit dem „smart #2“ daran anknüpfen können.
Diesen Artikel und weitere spannende Themen gibt’s in unserem aktuellen Heft „It’s a match“ 3/2026 unter https://www.business-punk.com/ausgabe/
