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How to Event: Wenn aus einer Nische ein Publikumsmagnet wird

Lucina Hum, Gründerin von Bisalina Speedruns
Bisalina Speedruns Lucina Hum, Gründerin von Bisalina Speedruns
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Aktualisiert
Lesezeit6 Min · 1.186 Wörter

Von Lucina “Bisalina” Hum, Gründerin und Organisatorin von Bisalina Speedruns

Was haben die Kölner Bürgermeisterin und ein Videospiel, das mit verbundenen Augen durchgespielt wird, gemeinsam? Auf den ersten Blick wahrscheinlich nicht viel.

Aber genau diese ungewöhnliche Kombination zeigt, wie aus einem Nischenthema Unterhaltung für ein breiteres Publikum entstehen kann. Entscheidend ist dabei nicht, wie groß die ursprüngliche Zielgruppe ist, sondern wie Menschen außerhalb dieser Zielgruppe begeistert werden können.

Die größte Konkurrenz ist nicht das nächste Event, sondern die Langeweile

Viele Veranstaltungen haben ein ähnliches Problem: Sie richten sich vor allem an Menschen, die sich ohnehin schon für das Thema interessieren. Was innerhalb einer Community begeistert, kann für Außenstehende schnell unverständlich werden.

Das lässt sich gut am Speedrunning beobachten, mit dem ich mich seit 2013 beschäftige. Dabei versuchen Spieler, Videospiele möglichst schnell durchzuspielen. Ihre Leistungen sind beeindruckend, doch wer die Spiele nicht kennt, versteht häufig kaum, was auf dem Bildschirm passiert.

Dieses Problem betrifft auch Fachkonferenzen, Branchenevents oder andere Spezialveranstaltungen. Wer neue Menschen erschließen möchte, sollte sich deshalb eine entscheidende Frage stellen: Warum sollte jemand teilnehmen, der sich bisher überhaupt nicht für das Thema interessiert?

Wer neue Zielgruppen will, muss alte Regeln brechen

Neue Zuschauer:innen lassen sich nicht unbedingt gewinnen, indem ihnen bestehende Inhalte ausführlicher erklärt werden. Manchmal sollten wir das gesamte Konzept hinterfragen.

Im Speedrunning können das beispielsweise Challenges sein, bei denen Creator gegeneinander antreten, unbekannte Spiele meistern oder mit einem umgedrehten Controller spielen müssen. Plötzlich geht es nicht mehr nur um technische Perfektion, sondern auch um Wettbewerb, Überraschung und Humor.

Dieses Prinzip nenne ich „Speedrunification“: Die Grundidee des Speedrunnings wird auf Situationen übertragen, die auch ohne Fachwissen unterhaltsam sind. Darauf basiert auch mein Eventformat Bisalina Speedruns.

Die Erkenntnis dahinter lässt sich auf andere Branchen übertragen: Ein Nischenevent wächst nicht zwangsläufig dadurch, dass es seine Inhalte vereinfacht. Vielmehr braucht es neue Zugänge, die Menschen unabhängig von ihrem Vorwissen begeistern.

Reichweite allein macht noch kein gutes Event

Große Namen und hohe Followerzahlen können Aufmerksamkeit schaffen. Ob daraus ein erfolgreiches Event wird, hängt allerdings von weiteren Faktoren ab.

Gerade bei der Zusammenarbeit mit Creatorn wird häufig zu stark auf die reine Reichweite geschaut. Dabei ist mindestens genauso wichtig, ob sie zum Format passen, miteinander harmonieren und auf der Bühne somit echte Begeisterung entsteht. Diese Dynamik überträgt sich fast automatisch auch auf das Publikum.

Langfristig zählt jedoch nicht nur, wie viele Menschen einschalten, sondern wie viele wiederkommen. Und Communitybuilding entsteht eben nicht über Nacht. Menschen brauchen einen Grund, sich dauerhaft mit einem Format zu beschäftigen und müssen sich so gut damit identifizieren können, dass sie selbst Teil davon werden wollen.

Ein aktueller Preisgeldwettbewerb mit rund 4.000 Einreichungen für sechs Finalplätze zeigt mir, wie groß das Interesse an aktiver Beteiligung in meiner Community sein kann. Die eigentliche Herausforderung besteht aber darin, daraus eine langfristige Bindung zu schaffen.

Eine gute Idee überzeugt nicht automatisch Sponsoren

Gerade ungewöhnliche Eventformate haben es bei der Sponsorensuche vor allem zu Beginn schwer. Wer noch keine großen Zahlen vorweisen kann, muss zunächst erklären, warum sich eine Partnerschaft überhaupt lohnt.

Dabei reicht die Begeisterung für das eigene Konzept selten aus. Unternehmen müssen verstehen, welche Zielgruppen sie erreichen, welchen Mehrwert die Zusammenarbeit bietet und wie ihre Marke sinnvoll und authentisch integriert werden kann.

Veranstalter sollten deshalb stärker aus der Perspektive ihrer Partner denken. Welche emotionalen Momente entstehen? Wie kann ein Unternehmen daran teilhaben, ohne das Erlebnis zu unterbrechen?

Gutes Sponsoring funktioniert eben nicht wie eine Werbepause. Es fügt sich glaubwürdig in das Geschehen ein und schafft einen Mehrwert für alle Seiten.

Wenn Unterhaltung mehr bewirken kann

Zusätzlich können Events weit mehr leisten, als Menschen für einige Stunden zu unterhalten. Sie können Gemeinschaft schaffen und Menschen für gesellschaftliche Anliegen mobilisieren.

In der Speedrunning-Szene hat Charity bereits eine lange Tradition. Bei einem sechsstündigen Livestream von Bisalina Speedruns im August 2026 kamen 22.650 Euro für die Stiftung RTL – Wir helfen Kindern zusammen, die damit Projekte von Plan International Deutschland unterstützt. Das war fast sechsmal so viel wie bei der Ausgabe von Bisalina Speedruns auf der Gamescom Social Stage – der ersten Großveranstaltung auf einer Messe. Allein die HELM AG steuerte zu dieser Spendensumme 10.000 Euro bei.

Daran zeigt sich, welches Potenzial entstehen kann, wenn Veranstalter, Creator, Unternehmen und Zuschauer ein gemeinsames Ziel verfolgen.

Auch andere Eventformate können davon lernen. Entscheidend ist, ein Anliegen zu finden, das zur eigenen Community passt und Menschen emotional mit dem Anliegen aber auch miteinander verbindet. Gesellschaftliches Engagement sollte dabei kein beliebiger Programmpunkt sein, sondern glaubwürdig zum Format gehören.

Hinter kreativen Ideen steckt viel Realität

Von außen wirken erfolgreiche Events oft wie das Ergebnis besonders kreativer Ideen. Tatsächlich entscheidet sich aber das meiste hinter den Kulissen.

Absagen, gescheiterte Kooperationen und kurzfristige Änderungen gehören einfach zum Alltag. Von den größeren Ideen, die für Events entwickelt werden, lassen sich teilweise nur wenige Teile wirklich umsetzen. Wenn man ein solches Event auch noch allein organisiert, bedeuten intensive Planungsphasen manchmal auch 20-Stunden-Tage.

Das zeigt vor allem, wie wichtig Priorisierung ist. Nicht jede gute Idee lässt sich realisieren und nicht jede kreative Möglichkeit verbessert automatisch das Event. Wer ein eigenes Format aufbauen möchte, muss deshalb experimentieren, Rückschläge akzeptieren und auch bereit sein, Konzepte wieder zu verwerfen.

Mein Rat an andere Veranstalter lässt sich auf drei Punkte reduzieren: Denkt über die Grenzen eurer eigenen Szene hinaus. Erwartet nicht, dass der Erfolg am ersten Tag kommt. Und findet einen Aspekt eures Formats, der Menschen emotional verbindet und um den herum eine Community entstehen kann.

Denn am Ende entscheidet nicht die Größe einer Nische darüber, wie erfolgreich ein Event wird. Sondern ob es gelingt, aus einer Leidenschaft etwas zu machen, das auch andere Menschen begeistert – und im besten Fall sogar gesellschaftlich etwas bewegt.

Über Lucina „Bisalina“ Hum

Lucina „Bisalina“ Hum ist Speedrunnerin, Moderatorin und Gründerin von Bisalina Speedruns. Sie hat rund zehn Jahre gestreamt, konzentriert sich inzwischen jedoch auf Events, Moderation und den Aufbau von Bisalina Speedruns. Als Organisatorin bringt sie die Freude am Speedrunning auf die große Bühne. Sie ist mehrfach auf regionalen und internationalen Messen aufgetreten, hat Runs gespielt und Diskussionen über E-Sport und Gaming in Europa angestoßen. Mit Bisalina Speedruns hat sie seit 2023 eines der größten europäischen Speedrunning-Events aufgebaut und fordert die Wahrnehmung von Speedrunning in Deutschland neu heraus.

Über Bisalina Speedruns

Bisalina Speedruns verbindet Speedrunning, Creator Culture, Live-Entertainment und Charity. Seit 2023 hat sich das Format in der deutschen Gaming- und Creator-Szene etabliert und bringt Creator, Partner, B2B-Gäste und Community zusammen. Ziel ist es, Speedrunning zugänglich zu machen, Gaming-Communitys zu verbinden und Spenden für den guten Zweck zu sammeln.

Ein Speedrun ist der Versuch, ein Videospiel oder ein Level so schnell wie möglich durchzuspielen. Dabei kommt es auf Präzision, Strategie, Training und oft jahrelange Übung an

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