Business & Beyond Deutschland im Stillstand: Wirtschaftsweise prognostizieren Null-Wachstum 2025

Deutschland im Stillstand: Wirtschaftsweise prognostizieren Null-Wachstum 2025

Grimm sieht gegenübder der „Bild“ in der Regulierungsdichte einen massiven Wachstumshemmer: „Regulierung verhindert Aktivitäten in wachstumsstarken Geschäftsfeldern. Dies muss die neue Bundesregierung dringend angehen. In dem Abbau oder der Anpassung von nicht zielführender Regulierung liegt ein ganz wichtiger Hebel für mehr Wachstum.“

Sie nennt konkrete Beispiele: „Wir haben Datenschutz, KI-Regulierung, Berichtspflichten, EU-Taxonomie, Lieferkettengesetze. Wir behindern damit die Innovationstätigkeit unserer Unternehmen massiv.“ Unterstützung erhält sie vom Ifo-Präsidenten Clemens Fuest, der betont, dass Digitalisierung der Verwaltung mit dem Abbau unnötiger Regulierungen einhergehen müsse.

Reiche setzt auf Wachstumskurs

Die neue Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hat ihre Amtszeit unter ein klares Motto gestellt: Wachstum. Beim Ostdeutschen Wirtschaftsforum kündigte sie an, bis Mitte Juli ein erstes Entlastungspaket auf den Weg zu bringen, das die Senkung der Stromsteuer und erste Arbeitsmarkt-Reformen umfassen soll.

Gleichzeitig plant die Bundesregierung eine Unternehmenssteuerreform in der zweiten Hälfte der Legislaturperiode. Das Ziel: Die Unternehmensbesteuerung soll bis 2032 auf etwa 25 Prozent sinken – aktuell liegt sie bei rund 30 Prozent und damit deutlich über dem Durchschnitt der meisten EU- und OECD-Staaten.

Inflation bleibt Unsicherheitsfaktor

Bei der Inflation rechnen die Wirtschaftsweisen aktuell mit durchschnittlich 2,1 Prozent und erwarten einen leichten Rückgang für 2026. Allerdings gibt es erhebliche Unsicherheiten. „Die Märkte erwarten zwar Zinssenkungen, allerdings ist die Preisentwicklung besonders unsicher“, betont Grimm.

Unklar bleibt, ob die aktuellen Handelskonflikte die Inflation antreiben oder dämpfen werden. Auch könnte eine expansive Fiskalpolitik in Deutschland die Inflationserwartungen erhöhen und damit eine straffere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank begünstigen – was wiederum das Wachstum bremsen könnte.

Strukturwandel als Chance und Risiko

Die wirtschaftliche Stagnation Deutschlands markiert einen historischen Wendepunkt. Nach Jahrzehnten als Wachstumsmotor Europas steht das Land vor der Herausforderung, seine wirtschaftliche Identität neu zu definieren. Der beschleunigte Strukturwandel wird etablierte Geschäftsmodelle und Industriezweige fundamental verändern.

Die Zukunft der deutschen Wirtschaft hängt maßgeblich davon ab, ob es gelingt, Innovationskraft und Unternehmergeist zu entfesseln. Dafür braucht es mehr als kurzfristige Konjunkturpakete – ein grundlegendes Umdenken in Sachen Bürokratie, Digitalisierung und Standortpolitik ist erforderlich. Gelingt dieser Transformationsprozess, könnte Deutschland gestärkt aus der Krise hervorgehen. Andernfalls droht eine langfristige wirtschaftliche Marginalisierung im globalen Wettbewerb – mit weitreichenden Folgen für Wohlstand und sozialen Zusammenhalt.

Quellen: rnd, Bild, Focus

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