Business & Beyond Gaspreis Deutschland: Wenn der Markt die Speicher leer lässt

Gaspreis Deutschland: Wenn der Markt die Speicher leer lässt

Diversifizierung als Antwort auf einseitige Lieferketten

Wirtschaftsweise Veronika Grimm plädiert für eine strukturelle Neuausrichtung: Deutschland solle Lieferverträge diversifizieren und auf längerfristige Kontrakte setzen. Wir müssten wirklich etwas tun, um uns mittelfristig resilienter aufzustellen, sonst seien wir dauernd im Krisenmodus, sagte Grimm laut Tagesschau.

Der Hintergrund: Rund 96 Prozent der deutschen LNG-Importe stammten 2025 aus den USA, ein Klumpenrisiko, das die aktuelle Krise offenlegt. Außenminister Johann Wadephul warb bei einer Algerien-Reise für neue Lieferpartnerschaften und bezeichnete das Land laut Tagesschau als verlässlichen Partner.

Business Punk Check

Der TTF-Preis ist ein digitaler Echtzeit-Seismograf für geopolitisches Risiko, das ist die eine Wahrheit. Die andere: Ein Markt, der binnen drei Wochen um 40 Prozent explodiert, ist kein Beweis für Effizienz, sondern für strukturelle Fragilität. Reiches Vertrauen in die Selbstregulierung klingt nach Marktliberalismus-Lehrbuch, ignoriert aber, dass Händler bei Preisunsicherheit rational handeln und eben nicht speichern, sondern verkaufen. Genau das beobachten wir gerade.

Für Entscheider in Energie und Industrie zählt jetzt nicht die Frage, ob der Markt recht behält, sondern wie lange die Politik noch zuschaut, bevor Trading Hub Europe eingreifen muss, wie schon 2022 für neun Milliarden Euro. Wer auf Diversifizierung wie Algerien-Lieferungen wettet, sollte wissen: Das sind Absichtserklärungen, keine Pipelines.

Auf einen Blick

  • Der Erdgas-Terminkontrakt TTF stieg laut *RP Online* auf 74,14 Euro je Megawattstunde, den höchsten Stand seit Januar 2023.
  • Die deutschen Gasspeicher sind nach Angaben von *Tagesschau* nur zu gut 50 Prozent gefüllt, die gesetzliche Zielmarke von 80 Prozent zum 1. November gilt als kaum erreichbar.
  • Zwischen August und Oktober wären 25 Milliarden Kubikmeter Einspeisung nötig, die EU rechnet aber nur mit rund 14 Milliarden Kubikmetern verfügbarer Menge.
  • Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche lehnt einen staatlichen Eingriff bislang ab, während Bundeskanzler Friedrich Merz laut *t-online.de* Berichten zufolge intern Zweifel an dieser Strategie äußern soll.

Quellen: T Online, Tagesschau, Rp Online, KI-unterstützt

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