Business & Beyond Gaspreis Deutschland: Wenn der Markt die Speicher leer lässt

Gaspreis Deutschland: Wenn der Markt die Speicher leer lässt

Für die Gasmärkte bedeutet das: Ein zentraler Transportweg für Flüssigerdgas aus dem Persischen Golf bleibt auf unbestimmte Zeit unsicher. Diese Preisfindung läuft vollautomatisiert über digitale Handelsplattformen, in Sekundenbruchteilen, global vernetzt. Genau das macht Energiemärkte heute so schnell reaktionsfähig auf geopolitische Schocks, aber eben auch so anfällig für Kettenreaktionen. Analysten von Morningstar warnen laut Tagesschau, ein kalter Winter könnte die Preise sogar auf 90 bis 120 Euro je Megawattstunde treiben, unter anderem weil Europa dann aggressiver mit Asien um das begrenzte LNG-Angebot konkurrieren müsste.

Speicherziel von 80 Prozent wird zur digitalen Fiktion

Die gesetzlich vorgegebene Zielmarke von 80 Prozent Füllstand zum 1. November ist nach Einschätzung der Energiebranche kaum mehr erreichbar, wie Tagesschau berichtet. Aktuell liegen die deutschen Speicher bei gut 50 Prozent, europaweit bei rund 65 Prozent, dem niedrigsten Stand für diese Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen 2011 und gut zwölf Prozentpunkte unter dem Vorjahresniveau.

Um das Ziel noch zu schaffen, wären zwischen August und Oktober 25 Milliarden Kubikmeter Einspeisung nötig, neun Milliarden Kubikmeter mehr als im Vorjahr. Die EU rechnet aber mit kaum 14 Milliarden Kubikmetern, ein Fehlbetrag, der laut Analysten direkt auf Lieferengpässe durch den Iran-Krieg zurückzuführen ist. Die Speicherpflicht selbst ist ein Erbe der Gaskrise 2022: Nach Russlands Angriff auf die Ukraine und der daraus resultierenden Gasknappheit führte die Bundesregierung verbindliche Füllstandsvorgaben ein, 2025 wurden sie auf das heutige Niveau abgesenkt.

Durch die aktuell hohen Preise ist das Speichern für viele Händler unwirtschaftlich geworden, sie können nicht mehr sicher sein, heute eingekauftes Gas im Winter zu denselben Preisen weiterzuverkaufen. Der Anreiz, Gas jetzt zu verkaufen statt einzuspeichern, ist entsprechend hoch. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lehnt einen staatlichen Eingriff bislang ab. Die Ministerin und auch das Wirtschaftsministerium gingen derzeit davon aus, dass der Markt weiter befülle, das sei die Aufgabe des Marktes, bekräftigte eine Sprecherin laut Tagesschau. Das habe auch immer so funktioniert, fügte sie hinzu.

Ein Eingriff durch die staatliche Trading Hub Europe wäre zudem teuer: 2022, als der Bund nach dem Lieferstopp aus Russland zuletzt aktiv einkaufte, zahlte er neun Milliarden Euro für Gas, was seinerzeit selbst zum Preistreiber wurde. Bundeskanzler Friedrich Merz mache sich laut t-online.de einem Medienbericht zufolge inzwischen Sorgen um die Strategie seiner Ministerin, öffentlich geäußert hat er sich dazu bislang nicht.

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