Business & Beyond Merz ist begeistert: Netz 33 baut zehn Milliarden Euro Glasfasernetz für kritische Infrastruktur

Merz ist begeistert: Netz 33 baut zehn Milliarden Euro Glasfasernetz für kritische Infrastruktur

Mittelständler Niedax baut ein Glasfasernetz entlang deutscher Bahntrassen – privatfinanziert, sabotagesicher, ohne Staatshilfe. Kanzler Merz feiert das Projekt als Blaupause für digitale Souveränität.

Während Berlin noch über Resilienz-Strategien debattiert, verlegt ein rheinischer Mittelständler bereits Fakten. Niedax startet mit Partnern ein zehn Milliarden Euro schweres Glasfasernetz entlang des gesamten deutschen Schienennetzes. 33.000 Kilometer Infrastruktur, die sich bei Cyberangriffen vom globalen Internet abkoppeln kann. Kanzler Friedrich Merz reist persönlich nach Rahms, um sich das Projekt anzusehen – und findet dort genau die Erzählung, die er braucht: Unternehmer, die handeln statt zu jammern. „Das ist Deutschland von seiner allerbesten Seite“, schwärmt der Kanzler.

Privatkapital statt Fördermittel-Poker

Niedax-Chef Bruno Reufels hat für das Projekt 100 Hektar Land gekauft und spricht von einem der größten privatfinanzierten Infrastrukturvorhaben Deutschlands. Das Unternehmen, das normalerweise mit Kabelverlegesystemen rund eine Milliarde Euro umsetzt, investiert selbst über 300 Millionen Euro. Allein am Standort Rahms entstehen 500 Arbeitsplätze. Partner wie der US-Glasfaserproduzent Corning, der Sicherheitsspezialist AP Sensing aus Böblingen sowie die IT-Dienstleister Bechtle und GIG bringen ihre Expertise ein, so Handelsblatt.

Das Geschäftsmodell unterscheidet sich von früheren gescheiterten Versuchen: Niedax verdient an den Kabelsystemen entlang der Bahntrassen, während strategische Investoren aus dem deutschsprachigen Raum später den Netzbetrieb übernehmen sollen. Die Verträge mit der Deutschen Bahn sind unterzeichnet, aufwendige Baugenehmigungen entfallen. Bis zu einem Terabit Daten pro Sekunde soll das Netz transportieren können – mit Doppelstrukturen, die selbst physische Angriffe kompensieren.

Bundeswehr denkt in mobilen Rechenzentren

Das Interesse der Bundesregierung ist konkret. Thomas Daum, Inspekteur für Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr, prüft bereits mobile Rechenzentren in Containern, die im Ernstfall per Schiene verlegt werden könnten. An 10.000 geplanten Zugangspunkten ließe sich die Bundeswehr ins Netz einklinken. Exklusive Verträge mit Google und Microsoft existieren bereits, Gespräche mit Versicherungen und der Bundesbank laufen. Der Defense-Bereich gilt als Hauptkunde.

Für Merz passt die Geschichte perfekt: Deutschland macht sich unabhängiger von chinesischen Lieferanten wie Huawei und amerikanischen Cloud-Giganten. Der Kanzler spricht von einer „längeren Phase der Entfremdung“ vom bisherigen westlichen Partner und fordert europäische Souveränität in Cybersicherheit und Technologie. Dass dabei noch CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder vor Ort sind, unterstreicht die politische Dimension kurz vor der Landtagswahl.

Sabotage als Geschäftsmodell-Treiber

Die Nachfrage nach abgesicherten Netzen steigt rasant. Der Brandanschlag auf Berlins Stromversorgung, manipulierte Satellitensignale im Ostseeraum, tägliche Cyberangriffe auf Behörden und Unternehmen – die Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur ist offensichtlich. Russische Akteure drangen 2023 in SPD-Postfächer ein, chinesische Hacker attackierten das Bundesamt für Kartografie. Die EU-Agentur Enisa registriert seit Kriegsbeginn in der Ukraine wiederholt Angriffe auf europäische Eisenbahnunternehmen.

AP Sensing liefert die Sicherheitstechnologie: Eine einzelne Glasfaser im Kabel detektiert in Lichtgeschwindigkeit Temperaturveränderungen, Bewegungen und akustische Signale auf jedem Meter. Geschäftsführer Clemens Pohl behauptet, das System hätte den Berliner Anschlag bereits in der Vorbereitung erkannt. Zwei bis drei Euro pro Meter kostet diese integrierte Alarmanlage einmalig, hinzu kommen Betriebskosten. Über 1000 Projekte weltweit schützt das Böblinger Unternehmen bereits – von Amazon-Rechenzentren bis zu Nord- und Ostsee-Pipelines.

Brandenburg als Testlabor

Die erste Teststrecke entsteht im Dreieck Jüterbog-Falkenberg-Wittenberg auf 130 Kilometern. Die Standortwahl ist strategisch: In der Annaburger Heide betreibt die Nato einen Luftwaffenstützpunkt mit Radar, Raketenabwehr und Hubschrauberstaffel. Bereits im Februar und März sollen die ersten vier Kilometer verlegt werden. Reufels will dann auch die ersten strategischen Investoren verkünden – „namhafte Unternehmen“ aus dem deutschsprachigen Raum, mehr verrät er nicht. Das Netz soll in Waben wachsen, dort wo zahlungskräftige Kunden sitzen.

Mit 10.000 Kilometern ließen sich bereits 80 Prozent der relevanten Unternehmen erreichen. Das neue Kritis-Dachgesetz von Innenminister Alexander Dobrindt definiert erstmals verbindliche Resilienz-Standards für Betreiber kritischer Infrastruktur. Netz 33 erfülle diese Anforderungen, wirbt Reufels.

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