Business & Beyond Merz ist begeistert: Netz 33 baut zehn Milliarden Euro Glasfasernetz für kritische Infrastruktur

Merz ist begeistert: Netz 33 baut zehn Milliarden Euro Glasfasernetz für kritische Infrastruktur

Business Punk Check

Zehn Milliarden für ein Netz, das Deutschland unabhängiger macht – klingt nach der perfekten Souveränitäts-Story. Aber funktioniert das wirklich? Die Vorgänger One Fiber und weitere Gesellschaften sind an genau diesem Projekt gescheitert, trotz grünem Licht von Bundesnetzagentur und Bahn. Niedax ändert nun das Geschäftsmodell und verdient an Hardware statt Netzbetrieb. Clever, aber auch riskant: Die angekündigten „namhaften Investoren“ bleiben anonym, konkrete Finanzierungszusagen fehlen. Die Sicherheitstechnologie von AP Sensing ist beeindruckend, kostet aber.

Zwei bis drei Euro pro Meter bei 33.000 Kilometern bedeuten allein für die Sensorik 66 bis 99 Millionen Euro – plus Betrieb. Werden Unternehmen, Versicherungen und Bundesbank diese Preise zahlen, wenn günstigere Alternativen existieren? Die exklusiven Verträge mit Google und Microsoft klingen gut, Details bleiben aber im Dunkeln. Merz inszeniert das Projekt als Beweis deutscher Handlungsfähigkeit. Tatsächlich zeigt es vor allem, wie abhängig Deutschland von privaten Investoren geworden ist. Kritische Infrastruktur in privater Hand – das kann funktionieren, birgt aber Risiken. Was passiert, wenn Investoren aussteigen oder Niedax die Kosten nicht stemmen kann? Die Bundesregierung als Hauptkunde bedeutet letztlich: Steuergeld fließt, nur eben indirekt. Die Frage bleibt: Ist das wirklich effizienter als staatliche Investitionen?

Häufig gestellte Fragen

Warum investiert der Mittelstand in kritische Infrastruktur statt der Staat?

Private Investoren versprechen schnellere Umsetzung ohne langwierige Vergabeverfahren. Niedax nutzt bestehende Bahnschächte und umgeht damit aufwendige Genehmigungen. Das Risiko: Kritische Infrastruktur in privater Hand kann bei Finanzierungsproblemen oder Investoren-Rückzug gefährdet sein. Die Bundesregierung als Hauptkunde bedeutet letztlich indirekte Staatsfinanzierung – nur mit Umweg über Privatunternehmen.

Welche Branchen profitieren von einem sabotagesicheren Glasfasernetz?

Defense-Bereich, Versicherungen, Bundesbank und Unternehmen mit hohem Sicherheitsbedarf sind Hauptzielgruppen. Auch Logistik, Energieversorger und Rechenzentren-Betreiber könnten profitieren. Die Kosten von zwei bis drei Euro pro Meter plus Betrieb schließen allerdings kleinere Mittelständler aus. Das Netz richtet sich primär an zahlungskräftige Großkunden mit kritischen Datenverbindungen.

Wie realistisch ist die Unabhängigkeit von US-Cloud-Anbietern?

Netz 33 wirbt mit digitaler Souveränität, hat aber gleichzeitig exklusive Verträge mit Google und Microsoft. Diese Widersprüchlichkeit zeigt: Echte Unabhängigkeit ist schwer erreichbar. Das Netz kann Datentransport absichern, ersetzt aber keine Cloud-Infrastruktur. Deutsche Alternativen zu AWS, Azure oder Google Cloud fehlen weiterhin. Souveränität bleibt damit ein Marketing-Versprechen mit begrenzter Reichweite.

Was unterscheidet Netz 33 von gescheiterten Vorgängerprojekten?

Das Geschäftsmodell: Niedax verdient an Kabelsystemen, nicht am Netzbetrieb. Strategische Investoren sollen später den Betrieb übernehmen und damit Geld verdienen. Die Verträge mit der Bahn sind unterzeichnet, Baugenehmigungen entfallen. Ob das ausreicht, bleibt offen – die Vorgänger One Fiber scheiterten trotz ähnlicher Voraussetzungen. Entscheidend wird die Investoren-Akquise in den kommenden Monaten.

Welche politischen Konsequenzen hat das Projekt für die Merz-Regierung?

Merz nutzt Netz 33 als Beweis für Handlungsfähigkeit und Mittelstands-Förderung ohne Staatsgelder. Das stärkt seine Position vor der NRW-Landtagswahl und innerhalb der CDU. Gleichzeitig zeigt es die Schwäche staatlicher Infrastruktur-Politik: Kritische Netze entstehen nur noch durch private Initiative. Scheitert das Projekt, wird daraus ein politisches Desaster. Gelingt es, kann Merz es als Blaupause für weitere Bereiche nutzen.

Quellen: Handelsblatt

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