Business & Beyond Pfeil, Blauwal und Grille – mit diesen Superwaffen will sich Deutschland neu aufstellen

Pfeil, Blauwal und Grille – mit diesen Superwaffen will sich Deutschland neu aufstellen

Für den Verteidigungsetat gibt es keine Grenze nach oben mehr. Was angeschafft werden muss, soll auch kommen. Die neuen Waffen der Bundeswehr sollen aus der chronisch unterfinanzierten Armee die beste in Europa machen. So sehen sie aus.

Eine Stelle aus der ersten Regierungserklärung des neuen Bundeskanzlers Friedrich Merz hat viele aufhorchen lassen und für Schlagzeilen gesorgt. Er wolle, sagte Merz, die stärkste konventionelle Armee Europas aufbauen. Dazu passt, dass Deutschland den USA beim Fünf-Prozent-Ziel des Verteidigungsetats folgen will. Bisher waren es zwei Prozent, die zudem meist verfehlt wurden. Fünf Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung, das entspricht mehr als 215 Milliarden Euro im Jahr. Der Bundestag hatte noch in seiner alten Zusammensetzung den Weg für eine schier unbegrenzte Ausdehnung des Verteidigungsetats frei gemacht. Doch was konkret soll für die Milliarden gekauft werden? Die Einkaufsliste der Bundeswehr sieht so aus

1. Pfeile schützen im Weltraum

    Am Himmel gibt es eine bisher schlecht verteidigte Lücke und die liegt in großer Höhe. Sogenannte ballistische Raketen fliegen außerhalb der Erdatmosphäre und greifen von dort den Feind an. Die Bundewehr will deswegen das israelische Raketenabwehrsystem „Arrow 4“ anschaffen. Das System ist eine Weiterentwicklung der Arrow („Pfeil“) -Serie von Israel Aerospace Industries, die ein wichtiger Bestandteil der mehrschichtigen Luftverteidigung und Raketenabwehr Israels ist. Es umfasst Radars, ein sogenanntes Battle Management Control System und eine Abschussvorrichtung mit Abfangflugkörpern. Die staatliche israelische Rüstungsunternehmen Rafael, zu der auch ein Teil von Dynamit Nobel in Deutschland gehört, ist an der Entwicklung und Produktion beteiligt.

    Arrow ist seit dem Jahr 2000 einsatzbereit, seit 2017 greift es auch außerhalb der Erdatmosphäre feindliche Flugkörper an. Während des Krieges, der nach dem Angriff auf Israels Bürger am 7. Oktober 2023 ausbrach, fing Arrow 3 mehrere ballistische Langstreckenraketen ab, die vom Iran und seinen Stellvertretern, den Huthi-Rebellen im Jemen, abgefeuert wurden. Arrow 4 wird mit sogenannten Winglets ausgestattet sein, die es dem Abfangflugkörper ermöglichen, Manöver durchzuführen, die erforderlich sind, wenn die Bedrohung von einer Hyperschallrakete, wie sie Russland neuerdings im Arsenal hat, oder eine andere manövrierfähige Rakete ausgeht. Es wird seit dem vergangenen Jahr von Israel und den USA entwickelt. Mit verbesserten Sensoren, erhöhter Reichweite und einer optimierten Zielverfolgung soll Arrow 4 eine robuste Fähigkeit zur Abwehr von Angriffen in großer Höhe und über weite Distanzen bieten.

    2. Der „Blauwal“ verteidigt in der Tiefe

    Was das Arrow-System in der Luft bedeutet, ist die neue Generation der „Blue Whale“-Waffensysteme im Wasser. Die einen operieren in höchste Höhe, die anderen in tiefster Tiefe. Auch hier geht es um unbemannte Waffen, die allerdings konventionelle maritime Plattformen nicht ersetzen werden. Insbesondere U-Boote bleiben mit ihren einzigartigen Fähigkeiten, getarnt zu operieren und eine Vielzahl von Waffen und elektronischen Nutzlasten zu tragen, das Herzstück der Seestreitkräfte. Vor dem Hintergrund der hohen Beschaffungs- und Personalkosten sowie immer mehr gebieten, die kontrolliert werden, sollen sie aber um die neuen Unterwasserdrohnen ergänzt werden. Insbesondere die Fähigkeit, leistungsfähige Sensoren unerkannt in die Nähe von Angreifern zu bringen, ist eine der Kernaufgaben von U-Booten und der neuesten Drohnen der Generation „Blauwal“. Auch sie wird von der israelischen Firma Elta Systems, einem Ableger von Israel Aerospace Industries hergestellt. „Blauwal“ ist das erste unbemannte Unterwassersystem, das eine unauffällige unbemannte Unterwasserplattform mit eigenen Kommunikationstechnologien in den Kampf schickt. Es unterstützt konventionelle bemannte U-Boot-Flotten dabei, Nachrichten zu gewinnen, es unterstützt verdeckte Operationen in Küstengebieten, die U-Boot-Jagd, die akustischen Aufklärung, die Minensuche und den Kampf gegen Piraten. Marineoffiziere zeigen sich in Videos beeindruckt von den Fähigkeiten des „Blauwals“: Er könne in Tiefen operieren, die traditionell als detektionsfreie als überwachungs- und störungsfreie Zonen gegolten haben. „Blue Whale“ wird von einem Akku mit Strom versorgt. Das 10,9 Meter lange und 5,5 Tonnen schwere Fahrzeug kann bis zu vier Wochen in Position bleiben, hat eine Unterwassergeschwindigkeit von 7 Knoten (13 Km/h ) und eine Tauchtiefe von 300 Metern.

    3. Die „Grille“ rettet Leben

    Dass Drohnen überhaupt ein Game Changer sind, zeigt der Krieg in der Ukraine, der nicht zuletzt mit Hilfe von Drohnen entschieden wird. Auch bei der Rettung verwundeter Soldatinnen und Soldaten sind die unbemannten Helfer im Einsatz. Bei schweren Verletzungen ist die Zeit in der Regel der tödlichste Gegner. Insbesondere unter den Bedingungen militärischer Konflikte ist es aber häufig unmöglich, Verwundete rechtzeitig dahin zu bringen, wo medizinisches Gerät sowie Ärztinnen und Ärzte für eine optimale Behandlung zur Verfügung stehen. Das bayerischen Unternehmen Avilus hat deswegen im Auftrag der Bundeswehr die fliegende Krankentrage „Grille“ entwickelt. Mit einem Komplettsystem (DronEvac) bestehend aus eben dem Multikopter „Grille“ zum Verwundetentransport, einem mobilen Kontrollzentrum sowie einer Anhängerplattform für den Flugapparat, Service und Logistik sollen möglichst schnell Schwerverwundete in den Operationssaal gebracht werden können. Geht ein entsprechender Notruf ein, ist das Flugsystem in kürzester Zeit startbereit und macht sich automatisch auf den Weg zum Einsatzort. Das von Peter Biberthaler, dem Leiter der Unfallchirurgie am Münchener Klinikum Rechts der Isar, entwickelte medizinische Konzept sieht vor, dass in einer Transportbox unterhalb der Drohne eine Krankentrage mitgeführt wird, auf der verletzte für den Flug festgeschnallt werden können. Am Abholort sollen nur die zwingend erforderlichen Maßnahmen zur Lebenserhaltung vorgenommen werden, um beispielsweise ein Verbluten zu verhindern. Ist die „Grille“ mit Patient an Bord auf dem Weg zur Notfallbehandlung, sollen die Ärzte über telemetrische Überwachungsgeräte wichtige Live-Informationen zu Vitalwerten wie Puls und Atemfrequenz erhalten, über einen Lautsprecher wird die Kontaktaufnahme mit den Verwundeten ermöglicht, um beruhigend einwirken oder auch zusätzliche Informationen erhalten zu können. Ein Monitor an der Decke zeigt den Weg sowie die verbleibende Flugzeit bis zur Landung an, sodass die verletzte Person direkt nachvollziehen kann, wie lange es noch bis zur konkreten Hilfe dauern wird. Zwölf Rotoren, sechs Batteriepacks, drei „Gehirne“ lassen die Drohne, die bodennah mit etwa 90 Stundenkilometern fliegt, auch dann noch in der Luft bleiben, wenn sie angegriffen wird.

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