Business & Beyond Sabotage am Stromnetz: Wer darf Drohnen abschießen?

Sabotage am Stromnetz: Wer darf Drohnen abschießen?

Eine Lösung bietet die sogenannte Beleihung: Der Staat überträgt Abwehrbefugnisse an private Akteure, behält aber die Aufsicht, erklärt Michèle Knodt vom Hessischen Drohnenkompetenzzentrum laut WirtschaftsWoche. Der Bundesverband für den Schutz Kritischer Infrastrukturen spricht von einer neuen Dimension: Hans-Walter Borries nennt die Vorfälle „hybride Vorkriegsführung“ und rechnet mit einer Vervier- bis Versechsfachung der Sicherheitskosten für Unternehmen, wie die WirtschaftsWoche berichtet.

Zäune allein retten kein Stromnetz mehr

Berlin zeigt, wie teuer Prävention wird: Über 70 Umspannwerke wurden bereits mit 2,40 Meter hohen Zäunen, NATO-Draht und KI-gestützter Videoüberwachung gesichert, ergänzt um eine Autarkiepflicht von 72 Stunden im Notbetrieb. Doch Knodt warnt vor Illusionen: Man müsse sich davon verabschieden, räumlich verteilte Infrastruktur wie Stromnetze allein durch höhere Zäune vollständig zu schützen, so die Direktorin laut WirtschaftsWoche.

Wichtiger seien schnelle Reparaturteams und standardisierte Ersatzteile. Auf europäischer Ebene bestätigt sich das Bild: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik registriert laut t3n eine Zunahme staatlich gelenkter Akteure mit langfristigen Sabotagezielen, ein Muster, das frühere Cyberangriffe wie NotPetya oder den Viasat-Hack bereits andeuteten.

Business Punk Check

Fakt ist: Zwei Umspannwerke wurden binnen eines Tages sabotiert, das Kritis-Dachgesetz existiert, die Rechtsverordnung zur Drohnenabwehr fehlt noch. Interpretation: Die Debatte verläuft entlang einer klassischen Bruchlinie zwischen Betreiberinteressen und staatlichem Gewaltmonopol, nicht entlang einer technischen Notwendigkeit.

Offen bleibt, ob Beleihungsmodelle wie in Hessen diskutiert tatsächlich schneller kommen als die von Borries erwartete Kostenexplosion für Unternehmen. Wer zahlt am Ende die vervier- bis versechsfachten Sicherheitskosten, Steuerzahler oder Stromkunden, ist juristisch wie politisch ungeklärt.

Auf einen Blick

  • Angriffe auf Umspannwerke in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen mit selbstgebauten Flugkörpern und Kabelmanipulationen lösten die aktuelle Debatte aus.
  • Das neue Kritis-Dachgesetz verpflichtet Betreiber zu Resilienzplänen und physischem Schutz, ordnet aktive Drohnenabwehr aber weiterhin als hoheitliche Aufgabe ein.
  • Politiker wie Herbert Reul und Verbände wie der VKU fordern mehr Befugnisse für private Betreiber, etwa über Beleihungsmodelle.
  • Berlin hat bereits über 70 Umspannwerke mit verstärkten Zäunen und KI-Videoüberwachung gesichert, Experten warnen jedoch vor der Illusion vollständigen physischen Schutzes.

Quellen: t3n, WirtschaftsWoche, Tagesschau, Ad-hoc-news, Rbb24, Bundestag, Rbb24, KI-unterstützt

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