Business & Beyond Stromnetz-Sabotage: Zwei Anschläge legen Deutschlands Achillesferse offen

Stromnetz-Sabotage: Zwei Anschläge legen Deutschlands Achillesferse offen

Binnen 24 Stunden zwei Attacken auf Umspannwerke bei Köln und in Brandenburg: Ermittler prüfen Terror, Politik fordert Konsequenzen für den Schutz kritischer Infrastruktur.

Sechs selbstgebaute Abschussvorrichtungen in einem Maisfeld bei Bergheim, ein zweiter Anschlag in Brandenburg am Vortag: Was Ermittler dort fanden, sieht weniger nach Zufall als nach Methode aus. Die Vorfälle bei Köln und am Kraftwerk Jänschwalde binnen 24 Stunden haben eine Debatte losgetreten, die über die konkreten Tatorte hinausreicht.

Es geht um die Frage, wie verwundbar Deutschlands Energieinfrastruktur tatsächlich ist und wer aus dieser Verwundbarkeit welche Konsequenzen zieht.

Zwei Anschläge, ein Muster, offene Täterfrage

In Rheydt bei Bergheim warfen Unbekannte einen Draht über eine Hochspannungsleitung und erzeugten so einen Kurzschluss, der fünf RWE-Kraftwerksblöcke in Niederaußem und Neurath vom Netz nahm, wie die WirtschaftsWoche berichtet. In Brandenburg setzten Täter am Umspannwerk Turnow-Preilack offenbar selbstgebaute Flugkörper ein, die leitfähiges Material in Höchstspannungsleitungen schossen und einen LEAG-Kraftwerksblock in Jänschwalde kurzzeitig stoppten.

Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt laut WirtschaftsWoche wegen des Anfangsverdachts der verfassungsfeindlichen Sabotage, in Brandenburg auch wegen möglicher Bildung einer terroristischen Vereinigung sowie des Verdachts der Störung öffentlicher Betriebe und des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion. Kölner Staatsanwalt Ulrich Bremer nannte den Vorfall „äußerst ernst“, da durch die Abschaltung der Kraftwerksblöcke die lebenswichtige Versorgung der Bevölkerung bedroht gewesen sei.

Ein direkter Zusammenhang zwischen beiden Taten gilt als naheliegend, ist aber nicht erwiesen. Beide Kraftwerksbetreiber meldeten, dass Personal und Anlagen unbeschädigt blieben und betroffene Blöcke binnen Stunden beziehungsweise Tagen wieder ans Netz gingen.

Politik spricht von Serie, nicht mehr von Einzelfällen

Der Vorsitzende des Geheimdienste-Kontrollgremiums, Marc Henrichmann (CDU), ordnet die Häufung deutlich schärfer ein als bisherige Vorfälle: „Bergheim und Jänschwalde binnen 24 Stunden: Das sind keine Einzelfälle mehr, das ist eine Serie von Angriffen gegen unsere Energieversorgung“, sagte er laut Handelsblatt. Auffällig sei, dass es weder Sprengstoff noch aufwendiges Arsenal brauche, ein gezielter Kurzschluss reiche für maximalen Schaden. Henrichmann spricht von „eiskaltem Kalkül mit niedrigschwelligen Mitteln“.

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