Business & Beyond Stromnetz-Sabotage: Zwei Anschläge legen Deutschlands Achillesferse offen

Stromnetz-Sabotage: Zwei Anschläge legen Deutschlands Achillesferse offen

Diese Einschätzung trifft auf ein Land, das mit dem geplanten KRITIS-Dachgesetz gerade erst beginnt, physische Infrastruktur so ernst zu nehmen wie digitale Systeme, wie Sicherheitsexperten in der Debatte um das Gesetz betonen. Frühere Fälle wie der Anschlag auf ein Starkstromkabel am Berliner Kraftwerk Lichterfelde, zu dem sich laut WirtschaftsWoche die linksextremistische „Vulkangruppe“ bekannte, oder der Brandanschlag auf ein Umspannwerk in Reutlingen zeigen, dass Angriffe auf Energieinfrastruktur kein neues Phänomen sind, sich aber offenbar häufen.

Ausgebaute Netze, ungeschützte Knotenpunkte

Die eigentliche Schwachstelle liegt laut WirtschaftsWoche nicht allein in der Tat selbst, sondern in der doppelten Verletzlichkeit der Netze: unzureichend digitalisiert für die Energiewende und an entscheidenden Knotenpunkten kaum geschützt. E.On-Chef Leonhard Birnbaum brachte es auf dem BDEW-Jahreskongress mit Blick auf die Ukraine auf den Punkt: „Es gibt keine erfolgreiche, souveräne Verteidigungsfähigkeit mehr ohne eine funktionierende Energieversorgung.“ Energieunternehmen fordern zwar schärfere Schutzmaßnahmen, warnen zugleich vor den finanziellen und bürokratischen Lasten neuer Meldepflichten aus dem KRITIS-Dachgesetz.

Die Stromversorgung selbst blieb laut Netzbetreiber Amprion in beiden Fällen stabil, kurzfristige Ausschläge an der Regelenergie-Börse EEX zeigten dennoch, wie schnell sich lokale Störungen im System bemerkbar machen. Übertragungsnetzbetreiber wie 50Hertz und Amprion, die für die Stabilität der Höchstspannungsleitungen zuständig sind, gerieten durch die Vorfälle ebenfalls in den Fokus der Ermittlungen.

Business Punk Check

Fakt ist: Zwei Anschläge binnen 24 Stunden, fünf abgeschaltete Kraftwerksblöcke, laufende Terror-Ermittlungen. Die Interpretation der Politik als „Serie“ ist plausibel, aber noch keine gerichtsfeste Tatsache, solange ein Zusammenhang der Täter nicht bewiesen ist.

Offen bleibt, ob das KRITIS-Dachgesetz Schutzlücken tatsächlich schließt oder Betreiber vor allem mit neuen Pflichten belastet, ohne die Umsetzung finanziell zu flankieren. Die eigentliche Machtfrage: Wer trägt künftig die Kosten der Resilienz, Staat oder Konzerne?

Auf einen Blick

  • Anschläge auf Umspannwerke bei Köln und in Brandenburg legten binnen 24 Stunden fünf RWE-Kraftwerksblöcke und einen LEAG-Block zeitweise lahm.
  • Ermittler prüfen verfassungsfeindliche Sabotage und einen möglichen Terrorhintergrund, ein Zusammenhang zwischen beiden Taten gilt als naheliegend, aber unbewiesen.
  • Der PKGr-Vorsitzende Marc Henrichmann spricht von einer Serie statt Einzelfällen und mahnt schärfere Schutzmaßnahmen an.
  • Die allgemeine Stromversorgung blieb laut Netzbetreibern stabil, kurzzeitige Preisausschläge an der Regelenergie-Börse zeigten dennoch die Verwundbarkeit des Systems.

Quellen: WirtschaftsWoche, WirtschaftsWoche, Handelsblatt, Tagesspiegel, Tagesschau, Reuters, KI-unterstützt

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