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Simcon: KI sprengt die Abteilungsgrenzen

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Erschienen
Aktualisiert
CompanySIMCON
GuestBastian Oud, CEO

Schluss mit Silodenken: KI-Agenten könnten ganze Prozessketten übernehmen und damit die klassische Arbeitsteilung in Unternehmen auf den Kopf stellen. Was das für Jobs, Geschäftsmodelle und die Industrie bedeutet, erklärt SIMCON-CEO Bastiaan Oud in unserer Rubrik Studio Talks.

Ein Kundenauftrag, viele Abteilungen, unzählige Abstimmungen: In Unternehmen wandern Aufgaben häufig durch spezialisierte Teams und unterschiedliche Softwareprogramme. An jeder Schnittstelle werden Informationen weitergegeben, neu bewertet und verarbeitet. Der Grund dafür liegt auch in den Grenzen menschlichen Wissens. Niemand kann sämtliche Aspekte von Entwicklung, Produktion und Wirtschaftlichkeit gleichzeitig beherrschen. KI-Agenten könnten diese gewachsene Arbeitsteilung grundlegend verändern. (Bild: von links: Paul Kinzing, Business Punk, Aydin Habibov, Videograf, und Bastiaan Oud, Simcon-CEO)

Wenn KI zum Generalisten wird

Anders als klassische KI-Anwendungen können KI-Agenten nicht nur Fragen beantworten, sondern eigenständig Aufgaben planen, Software bedienen und Ergebnisse überprüfen. Sie verbinden Wissen aus unterschiedlichen Fachgebieten und können weitere spezialisierte Agenten einsetzen, die einzelne Arbeitsschritte übernehmen. So entstehen digitale Teams, die komplexe Prozesse gemeinsam bearbeiten. Was bislang mehrere Experten und Abteilungen erforderte, könnte künftig durch ein vernetztes System begleitet werden. Entscheidend ist dabei nicht allein die Automatisierung einzelner Tätigkeiten, sondern die Verbindung sämtlicher Arbeitsschritte – von der ersten Anforderung bis zum überprüften Ergebnis.

Wie KI die Produktentwicklung verändert

Für Bastiaan Oud, CEO des Simulationssoftware-Unternehmens SIMCON, liegt darin ein grundlegender Wandel industrieller Arbeit. Ein Beispiel ist die Entwicklung von Kunststoffbauteilen. Soll ein Bauteil leichter werden, müssen Konstruktion, Materialauswahl, Werkzeugbau und Fertigung aufeinander abgestimmt werden. Eine dünnere Wand spart Material, kann aber die Stabilität beeinträchtigen oder die Herstellung erschweren. Bislang müssen Spezialisten solche Zielkonflikte in mehreren Abstimmungsschleifen lösen. KI-Agenten können unterschiedliche Varianten entwickeln, Simulationen durchführen und deren Ergebnisse unmittelbar mit Anforderungen an Kosten, Qualität und Produktion abgleichen. Erkenntnisse aus einem Entwicklungsschritt fließen direkt in den nächsten ein. Der gesamte Prozess wird dadurch enger verzahnt.

Agentic Engineering statt isolierter Software

SIMCON bezeichnet diesen Ansatz als Agentic CAE beziehungsweise agentisches Engineering. Mit dem Cadmould Agentic Molding Toolkit öffnet das Unternehmen seine Spritzgusssimulation für KI-Agenten. Diese können eigenständig Berechnungen anstoßen, Varianten vergleichen und Simulationsergebnisse auswerten. Die physikalischen Berechnungen übernehmen weiterhin spezialisierte Solver. Der Unterschied: Die Software wird nicht mehr ausschließlich von menschlichen Experten bedient, sondern kann Teil eines übergreifenden, KI-gesteuerten Entwicklungsprozesses werden. Damit lassen sich technische und wirtschaftliche Anforderungen früher miteinander verknüpfen. Ob ein entwickeltes Bauteil tatsächlich funktioniert, muss allerdings weiterhin durch geeignete Prüfungen bestätigt werden.

Mehr zum technologischen Ansatz zeigt SIMCON auf seiner englischsprachigen Produktseite: KI-Agenten in der Spritzgusssimulation.

Wenn Fachgrenzen verschwimmen

Mit dieser Entwicklung verändern sich auch die Rollen innerhalb von Unternehmen. Produktentwickler könnten mithilfe von KI-Agenten Aufgaben übernehmen, für die bislang zusätzliche Spezialisten notwendig waren. Fertigungsexperten könnten früher in Konstruktionsentscheidungen eingreifen. Aus klar getrennten Zuständigkeiten entstehen stärker vernetzte Aufgabenbereiche. Das bedeutet nicht, dass Fachwissen überflüssig wird. Gerade weil KI-Agenten Fehler machen können, bleiben menschliche Kontrolle, Erfahrung und Verantwortung entscheidend. Doch die Grenzen dessen, was ein einzelner Mitarbeiter bearbeiten kann, werden zunehmend durch die Möglichkeiten seiner digitalen Werkzeuge erweitert.

Neue Spielregeln für Geschäftsmodelle

Die Folgen reichen weit über die interne Organisation hinaus. Wenn KI-Agenten eigenständig Software nutzen, geraten klassische Lizenzmodelle unter Druck. Warum sollte Software künftig ausschließlich nach der Zahl menschlicher Nutzer abgerechnet werden, wenn digitale Agenten einen wachsenden Teil der Arbeit erledigen? Nutzungsbasierte Modelle oder die Abrechnung konkreter Leistungen könnten an Bedeutung gewinnen. Auch Engineering-Dienstleister stehen vor Veränderungen: Statt einzelne Expertenstunden zu verkaufen, könnten sie mithilfe von Agenten umfassende Entwicklungsleistungen anbieten. Gleichzeitig könnten Unternehmen Aufgaben selbst übernehmen, für die ihnen bislang das notwendige Spezialwissen fehlte. Damit verschieben sich die Grenzen zwischen Kunden, Dienstleistern und Zulieferern.

Die Organisation der Zukunft

Für Führungskräfte stellt sich deshalb eine grundsätzliche Frage: Welche Prozesse müssen künftig überhaupt noch so organisiert sein wie heute? Viele Übergaben, Abstimmungsschleifen und Abteilungsgrenzen sind historisch gewachsen, weil menschliches Wissen begrenzt ist. KI-Agenten eröffnen die Möglichkeit, diese Strukturen neu zu denken. Gleichzeitig müssen Verantwortlichkeiten, Qualitätskontrollen und Entscheidungsrechte klar geregelt bleiben. Wer KI lediglich nutzt, um bestehende Aufgaben schneller zu erledigen, schöpft ihr Potenzial nur teilweise aus. Die eigentliche Veränderung beginnt dort, wo Unternehmen ihre Arbeitsteilung neu gestalten.

Bild: Simcon-CEO Dr. Bastiaan Oud

Über das Unternehmen Simcon:

SIMCON hat es sich zur Aufgabe gemacht, Ingenieuren im Spritzguss die beste Software für ihre technischen Fragen zu bieten und sie für die Ära der agentischen KI auszurüsten. Auf Basis von mehr als drei Jahrzehnten Erfahrung mit den anspruchsvollsten Anwendern der Branche entwickelt SIMCON Cadmould Flex, den Cadmould AI Solver, das weltweit erste Large Engineering Model für den Spritzguss, Varimos AI und das Cadmould Agentic Molding Toolkit, eingesetzt von Kunststoffingenieuren weltweit in der Automobilindustrie, der Luft- und Raumfahrt, der Medizintechnik, der Elektronik und der Konsumgüterbranche. Zu den Referenzkunden zählen Aumovio, Bosch, ZF und TE Connectivity.

Im Business-Punk-Studiointerview spricht SIMCON-CEO Bastiaan Oud darüber, wie KI-Agenten die industrielle Produktentwicklung verändern und welche Folgen das für Fachkräfte, Unternehmensstrukturen und Geschäftsmodelle hat.

Business Punk