Punk Presso: Brasilien crasht, Amazon bremst, der Teletext geht
Kurz, stark, wach: Alles, was Business Punker vor dem ersten Kaffee wissen müssen.
Guten Morgen, es ist Donnerstag, der 29. Oktober 2026. Die Presse der vergangenen Tage liefert eine Zahl, sieben Snacks und eine Frage. Der Kaffee darf ruhig noch dampfen.
Zahl des Tages
16,94 Prozent: So tief fiel Brasiliens Leitindex Ibovespa laut Börsen-Zeitung zum Handelsstart am Montag, nachdem Lula da Silva mit 51,8 zu 48,2 Prozent wiedergewählt worden war. Der Handel wurde für 30 Minuten gestoppt, zuletzt war das im März 2020 nötig. Anleger hatten auf den Herausforderer Flávio Bolsonaro gesetzt; der Dollar legte um 12,06 Prozent zum Real zu, die Renditen für Staatsanleihen stiegen kräftig. boerse-online nennt fast 17 Prozent Minus und einen Absturz der Nebenwerte um etwa 30 Prozent. Der Markt hatte die Wahl schon entschieden, nur die Wähler nicht.
Quelle: Börsen-Zeitung, boerse-online (dpa-AFX)
Work-Snacks
let’s techle it: Amazon will Ergebnisse, keine Token-Rekorde
Amazon sagt seinen Entwicklern: Wer KI-Verbrauch als Leistung verkauft, misst das Falsche.
Tokens sind die Textschnipsel, in denen KI-Modelle rechnen und abgerechnet werden. Laut The Register warnt ein Memo an Amazons Technikteams davor, den Verbrauch zum Maßstab zu machen („Tokenmaxxing“): Solche Kennzahlen seien fehlerhaft, der Wert liege im Ergebnis, auch wegen steigender KI-Kosten. Bringt KI bei einer Aufgabe nichts, sei das ein Befund und kein Versagen. Schon im Mai hatte Amazon unter Berufung auf die Financial Times eine interne Rangliste für KI-Nutzung abgeschafft. Die offene Frage: Was misst ein Konzern künftig stattdessen?
Snack Punk Take: Einzelquelle (The Register, das Memo selbst lag nicht vor). Wer Verbrauch belohnt, bekommt Verbrauch und eine Rechnung dazu.
Quelle: The Register, Computerwoche
let’s techle it: Genie 4 baut Welten mit Soundtrack
Google erzeugt jetzt Spielwelten, die man umbauen und hören kann, in Echtzeit.
Laut TechCrunch hat Google DeepMind am 27. Oktober Genie 4 als Research Preview vorgestellt, ein „Weltmodell“, das eine Szene laufend neu berechnet. Neu ist der Ton: Musik, Umgebungsgeräusche und Dialoge passend zur Szene. Per Textbefehl lassen sich Wetter, Kamera oder Figuren mitten im Lauf ändern, Gemini spielt dabei den Regisseur. Eine Szene bleibt bis zu zwei Minuten stimmig, Details driften noch. Zugang haben zunächst nur ausgewählte Tester. Der Haken: Wann wird aus der Demo ein Produkt, für das jemand zahlt?
Snack Punk Take: Einzelquelle (TechCrunch). Zwei Minuten Weltbau sind noch kein Spiel, aber der Soundtrack läuft schon.
Quelle: TechCrunch
AnlagePunk: Ripple bekommt eine Bank ohne Schalter
Ripple darf eine US-Bank betreiben, bei der es weder Konto noch Kredit gibt.
Die US-Bankenaufsicht OCC hat laut Hoodline die endgültige Genehmigung für die Ripple National Trust Bank erteilt; die vorläufige Zusage kam im Dezember 2025. Die Bank verwaltet die Reserven hinter RLUSD, einem an den Dollar gekoppelten Stablecoin und soll digitale Vermögenswerte verwahren. Einlagen und Kredite sind nicht vorgesehen, ausgegeben wird RLUSD weiter von einer anderen Gesellschaft. Die Genehmigung garantiert laut Hoodline weder neue Kunden noch mehr Nachfrage.
Snack Punk Take: Eigenangabe (Reserven von rund 2,53 Milliarden Dollar zum 22. Oktober laut Ripple-Dashboard, zitiert von Hoodline; die Genehmigung meldet auch Funderintel). Ein Tresor mit Lizenz: viel Vertrauen, kein Schalter.
Quelle: Hoodline, Funderintel
work wise: Der Umbruch im Elektronik-Onlinehandel fällt aus
Der Elektronik-Onlinehandel wurde zur Revolution erklärt, jetzt wachsen die Platzhirsche.
Laut etailment, das eine Auswertung von ChannelPartner wiedergibt, kam MediaMarkt 2025 geschätzt auf 2,345 Milliarden Euro Online-Umsatz und liegt damit knapp vor Apple mit 2,251 Milliarden Euro. Der gemeinsame Umsatz der 17 größten Versender stieg um 15 Prozent. Die Basis sind veröffentlichte Unternehmenszahlen, Statista-Angaben und eigene Schätzungen.
Snack Punk Take: Einzelquelle (etailment, Schätzung von ChannelPartner). Wer den großen Umbruch prophezeit, sollte vorher die Platzhirsche fragen.
Quelle: etailment
work wise: Amazon erstattet, die Ware bleibt beim Kunden
Amazon lässt Händler Geld zurückgeben, ohne die Ware zurückzuverlangen.
Laut etailment, das sich auf den Händlerbund stützt, können Händler im Versandprogramm FBA Erstattungen ohne Rücksendung freigeben. Das Verfahren ist freiwillig und gilt in fünf europäischen Ländern, darunter Deutschland. Die Obergrenze pro Artikel legt der Händler selbst fest, höchstens bei 75 Euro. Er spart Abwicklung und Lagerung, trägt aber den Verlust der Ware und jeder Fall zählt weiter für seine Retourenquote. Der Haken: Ab wann ist ein verschenkter Artikel billiger als ein zurückgeschickter?
Snack Punk Take: Einzelquelle (etailment, Verweis auf Händlerbund). Die günstigste Retoure ist die, die nie zurückkommt, bezahlt wird sie trotzdem.
Quelle: etailment
work wise: Formel 1 will bei Apple bleiben
Die Formel 1 hat ihre US-Rechte an einen Streamer gegeben und will dort nicht mehr weg.
Axios berichtet, Liberty-Media-Chef Derek Chang wolle den Fünfjahresvertrag mit Apple bis 2030 erfüllen und hoffe auf eine Verlängerung. Zu Berichten über sinkende Haushaltsreichweite äußerte er sich nicht, ihm gehe es um das Engagement der Fans. Berichten zufolge zahlt Apple rund 140 Millionen Dollar pro Jahr, ESPN zahlte zuvor etwa 90 Millionen. Apple-Manager Eddy Cue spricht von zweistelligem Zuwachs am Renntag. Die Frage dahinter: Rechnet sich weniger Fernsehen für mehr Streaming?
Snack Punk Take: Eigenangabe (Aussagen von Liberty Media und Apple gegenüber Axios; die Vertragssummen beruhen auf Berichten). Wer Reichweite gegen Wert tauscht, muss den Wert irgendwann vorzeigen.
Quelle: Axios
Play-Snacks
play hard: Seite 100 bekommt keinen Besuch mehr
Der Teletext von Sat.1 und ProSieben verschwindet, weil ihn kaum noch jemand aufruft.
DWDL berichtet, ProSiebenSat.1 stelle seine Teletext-Angebote Anfang 2027 ein. Ein Sendersprecher sagte, das Zuschauerinteresse „tangiert gegen Null“. Schon Anfang 2025 hatte der Sender das Angebot stark reduziert, als Ersatz nennt er joyn.de. Nutzerzahlen nennt die Meldung nicht.
Snack Punk Take: Einzelquelle (DWDL). Seite 100 war einmal das Schnellste, was das Fernsehen konnte, heute ist selbst das zu langsam.
Quelle: DWDL
Die Frage für heute
Woran messen Sie in Ihrem Unternehmen den Erfolg von KI: am Verbrauch oder am Ergebnis? Amazon hat gerade betont, dass das eine nicht für das andere steht. Die Antwort sollte schneller da sein, als der Kaffee kalt wird.