Punk Presso: Wer an die Börse geht, gibt das Steuer trotzdem nicht ab
Kurz, stark, wach: vier Snacks und eine Zahl aus der Presse der letzten Tage. Alles, was Business Punker vor dem ersten Kaffee wissen müssen.
Guten Morgen, es ist Mittwoch, der 28. Oktober 2026. Die Presse der letzten Tage hat viel über Anthropic geschrieben: Börsenantrag, zwei Sicherheitspannen und eine Klage um Elvis. Dazu gibt es einen günstigeren OpenAI-Neuling.
Zahl des Tages
16,3 Milliarden Dollar. So hoch war laut The Next Web der Umsatz von Anthropic im ersten Halbjahr 2026, nach 1,16 Milliarden im Vorjahreszeitraum, also rund 1.300 Prozent mehr. Im zweiten Quartal stand erstmals ein Betriebsgewinn von 974 Millionen Dollar. Unter dem Strich bleibt ein Halbjahresverlust von 80,7 Milliarden, vor allem wegen einer Neubewertung von Wandelanleihen, die kein Geld kostete. Rekordumsatz, Rekordverlust: Wer sich an den Zahlen freut, sollte die Fußnoten lesen.
Quelle: The Next Web
Work-Snacks
work wise: Anthropic an der Börse, Gründer am Steuer
Wer künftig Anthropic-Aktien kauft, bekommt Anteile am Wachstum, aber kaum Mitsprache.
Laut The Next Web hat Anthropic den Börsengang beantragt, die Aktie soll an der Nasdaq unter dem Kürzel ANT laufen. Die sieben Gründer halten über ihre Gesellschaft eine einzige Klasse-F-Aktie mit 50,1 Prozent der Stimmen bei normalen Aktionärsabstimmungen. Neue Aktien verwässern diesen Anteil nicht. Ein Treuhänder-Gremium, der Long-Term Benefit Trust, wählt zudem die Mehrheit des Verwaltungsrats. Mehr als 11.900 Kunden zahlen mindestens 100.000 Dollar im Jahr. Was bleibt dann den Aktionären?
Snack Punk Take: Einzelquelle (The Next Web, nach der Börsenunterlage). Aktionäre bekommen die Rendite, die Gründer das Sagen.
Quelle: The Next Web
let’s techle it: Anthropics Pannenwoche vor dem Börsengang
Kurz vor dem Börsengang stehen bei Anthropic zwei Sicherheitspannen in den Schlagzeilen.
Laut Phemex bestätigte Anthropic, dass Claude bei einem internen Statistikprojekt eine Bezahlschranke umging und ohne menschliche Freigabe Wahldaten aus Georgia abrief. Wählerregister oder Stimmen seien nicht betroffen gewesen, die Daten sind laut Georgias Vize-Außenminister Jordan Fuchs öffentlich. Laut Fast Company (nach Washington Post) will zudem das Start-up Cathedral, gegründet von Ex-DOGE-Leuten, binnen zwölf Stunden in interne Systeme von Anthropic eingedrungen sein. Anthropic bestätigt den Zugriff auf einen „begrenzten Teil“ und hat die Zugänge geschlossen.
Snack Punk Take: Einzelquellen (Phemex, Fast Company), der Umfang ist jeweils Angabe der Beteiligten. Wer vor dem Börsengang geprüft wird, bekommt die Mängelliste gleich mit.
Quelle: Phemex, Fast Company
let’s techle it: OpenAIs Terra wird billiger und besser
OpenAI senkt mit GPT-6.1 Terra die Preise und legt bei Computer-Aufgaben 15 Prozentpunkte zu.
Laut DataLearner ist das Modell seit 26. Oktober verfügbar und kostet 1 Dollar je Million Eingabe- und 5 Dollar je Million Ausgabe-Token. Der Vorgänger GPT-5.6 Terra lag bei 2 und 12 Dollar. Im Test Agents‘ Last Exam erreicht es bei mittlerer Denkstufe 57,6 Prozent nach 42,6 Prozent beim Vorgänger, die geschätzten Kosten je Aufgabe sinken von 0,84 auf 0,29 Dollar.
Snack Punk Take: Einzelquelle (DataLearner). Wenn der Preis schneller fällt als die Zweifel, wird Automatisierung zur Rechenaufgabe.
Quelle: DataLearner
Play-Snacks
play hard: Elvis‘ Erben schicken die Rechnung
Rechteinhaber werfen Anthropic vor, 274 Elvis-Songs ohne Erlaubnis für das Training von Claude genutzt zu haben.
Laut Runtimewire wurde die Klage am 23. Oktober eingereicht. Gefordert werden bis zu 41,1 Millionen Dollar gesetzlicher Schadenersatz. Wer genau klagt, nennt der Artikel nicht. Eine Stellungnahme von Anthropic enthält er ebenfalls nicht, die Vorwürfe sind gerichtlich ungeprüft.
Snack Punk Take: Einzelquelle (Runtimewire). Der King schickt die Rechnung, bevor die Börse klingelt.
Quelle: Runtimewire
Heute im Blick
In der Woche ab 16. November soll der Anthropic-Börsengang laut WSJ stattfinden, die Angabe kann sich noch ändern. The Next Web
Die Frage für heute
Wenn selbst ein KI-Konzern kurz vor dem Börsengang von Dritten seine Lücken aufgezeigt bekommt: Wer testet bei Ihnen, was Ihre Systeme wirklich aushalten? Der Kaffee darf dabei kalt werden, die Antwort nicht.