Krypto-Wallets manipuliert: 86 Mio. Dollar Schaden – wenn der Tresor selbst stiehlt
Fast 90 Mio. Dollar Schaden durch präparierte Ledger-Geräte eines Händlers in Südostasien, dazu Phishing bei Coldcard: Krypto-Anleger brauchen jetzt klare Schutzregeln.
Ein Anleger kaufte vor einer Woche eine neue Ledger-Hardware-Wallet, übertrug seine 80 Bitcoin im Wert von damals rund 6,6 Mio. Dollar darauf und verlor wenig später alles in einer einzigen Transaktion, wie BTC-ECHO unter Berufung auf den Blockchain-Analysedienst Lookonchain berichtet. Der Fall steht nicht allein: Ledger untersucht Verluste von bis zu 86 Mio.
Dollar bei Kundinnen und Kunden des Wiederverkäufers CryptoBilis in Indonesien, Malaysia und auf den Philippinen, wie berichtet. Fast zeitgleich warnte Konkurrent Coldcard vor einem gefälschten Sicherheitshinweis auf dem eigenen X-Account, wie BTC-ECHO schreibt. Zwei Hersteller, zwei Angriffswege, ein gemeinsames Problem: Vertrauen in physische Geräte lässt sich offenbar leichter untergraben als gedacht.
Eine Platine zu viel
Wie die Manipulation technisch funktioniert haben könnte, zeigt eine Analyse des früheren Mt.-Gox-Chefs Mark Karpelès, auf die sich Trending Topics bezieht. Er zerlegte ein originalverpacktes, in Malaysia gekauftes Ledger-Gerät und fand darin eine versteckte zweite Platine mit Antenne, Mobilfunkmodul und Daten-eSIM. Der Chip soll laut Karpelès die Ledger-Schrift auf dem Display erkennen, die Wiederherstellungsphrase beim Einrichten abfangen und per Mobilfunk versenden.
Ledgers eigene Firmware könne das nicht bemerken, da der Zusatzchip lediglich den Bildschirminhalt mitliest. Bestätigt ist diese Darstellung bislang nicht, auch ist unklar, ob das zerlegte Gerät tatsächlich von CryptoBilis stammte. Ledger selbst erklärte demnach, es gebe keine Hinweise auf eine Kompromittierung der eigenen Infrastruktur; der Vorfall scheine auf den einen Händler und dessen Markt begrenzt.
Was Betroffene jetzt tun sollten
Wer in den vergangenen 90 Tagen bei CryptoBilis gekauft hat, sollte das Gerät laut Ledger nicht einrichten. Wer es bereits genutzt hat, sollte Guthaben umgehend auf ein neu erworbenes, verifiziert originales Gerät mit frischer Wiederherstellungsphrase übertragen, so die Empfehlung des Herstellers. AnchorWatch-Chef Rob Hamilton riet demnach generell zum sofortigen Umschichten bei Käufen über diesen Wiederverkäufer.
Sicherheitsforscherin Taylor Monahan warnte dagegen vor Panik: Es handle sich nicht erkennbar um eine Zero-Day-Lücke in Ledgers Technik selbst, größere Gefahr gehe derzeit von Phishing-Links, gefälschten Google-Anzeigen und nachgebauten Apps aus, die hektisch umziehende Nutzer abfangen wollen. Der Coldcard-Fall unterstreicht diesen Punkt: Der betrügerische Link im Namen des Herstellers sollte Nutzer auf eine gefälschte Seite locken, Geld floss laut bisherigem Kenntnisstand nicht ab.
Ein Muster seit Monaten
Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Sicherheitsproblemen bei Hardware-Wallets 2026 ein. Bereits im Sommer führte eine Firmware-Lücke bei Coldcard zum Diebstahl von Bitcoin im Wert von mehr als 100 Mio. Dollar, wie BTC-ECHO berichtet.
Ledger kämpfte im Januar zudem mit einem Datenleck beim Zahlungsdienstleister Global-e, das Namen und Kontaktdaten von Kundinnen offenlegte. Die Kryptobranche insgesamt bleibt ein lohnendes Ziel: Die Börse Bitget verlor zuletzt 352 Mio. Dollar bei einem Hack, aus dem Liquid Network flossen zuvor Bitcoin im Wert von 320 Mio. Dollar ab, demnach.
Auf einen Blick
- Ledger untersucht Verluste von bis zu 86 Mio. Dollar bei Kundinnen und Kunden des Wiederverkäufers CryptoBilis in Südostasien.
- Ein einzelner Anleger verlor laut Lookonchain 80 Bitcoin im Wert von rund 6,6 Mio. Dollar nach dem Kauf eines neuen Geräts.
- Mark Karpelès fand in einem zerlegten Ledger-Gerät eine versteckte Platine mit Mobilfunkmodul, die Wiederherstellungsphrasen abgefangen haben könnte.
- Coldcard warnte parallel vor einem gefälschten Sicherheitshinweis über den eigenen X-Account.
- Betroffene sollten Guthaben nur auf direkt beim Hersteller gekaufte Geräte mit neuer Wiederherstellungsphrase übertragen.
Quellen: Trendingtopics, Btc Echo, KI-unterstützt