Mentale Gesundheit braucht mehr als gute Absichten
Schau einmal in deinen Kalender für morgen. Wie viele Termine stehen drin? Wie viele Aufgaben müssen dazwischen noch irgendwie erledigt werden? Und wo ist eigentlich die Zeit, in der du konzentriert arbeiten, kurz rausgehen oder einfach einmal keine Zusatzaufgabe übernehmen musst?
Genau an solchen ganz normalen Arbeitstagen entscheidet sich, ob Wellbeing im Unternehmen wirklich stattfindet oder nur auf dem Papier existiert. Der World Mental Health Day ist deshalb ein guter Anlass, weniger über abstrakte Programme zu sprechen und genauer hinzusehen: Was hilft Menschen im Arbeitsalltag tatsächlich?
Die Great Employee Benefits Studie 2026 zeigt, dass hier einiges auseinandergeht. 49 % der deutschen Mitarbeitenden empfinden ihre Arbeitsbelastung als langfristig nicht nachhaltig. Gleichzeitig glauben 83 % der Arbeitgebenden, Wellbeing ausreichend zu unterstützen. Unter den Mitarbeitenden fühlen sich aber nur 53 % tatsächlich unterstützt – ein Unterschied von 30 Prozentpunkten.
In dieser Lücke steckt eine wichtige Botschaft: Offenbar reicht es nicht, etwas anzubieten. Die Frage ist, ob es im Alltag auch hilft.
Schau in den Alltag, nicht ins Benefits-Deck
Genau hier sollten Unternehmen ansetzen. Menschen arbeiten unterschiedlich, leben unterschiedlich und erholen sich unterschiedlich. Wer im Schichtdienst arbeitet, braucht etwas anderes als jemand mit flexiblem Homeoffice. Wer kleine Kinder hat, hat andere Routinen als jemand, der nach Feierabend regelmäßig ins Fitnessstudio geht. Und nicht jeder baut Stress auf dieselbe Weise ab.
Deshalb halte ich wenig von Standardlösungen, die für alle gleich aussehen. Ein Benefit kann auf dem Papier sinnvoll sein und trotzdem an einem großen Teil des Teams vorbeigehen. Der Ansatz bei Epassi ist deshalb ein anderer: Nicht Mitarbeitende sollen ihren Alltag an ein Angebot anpassen müssen. Das Angebot muss zu ihrem Alltag passen. Genau darin liegt für mich der Unterschied zwischen einem Benefit, der verfügbar ist, und einem Benefit, der tatsächlich wirkt.
Das klingt zunächst simpel. In der Praxis entscheidet es aber darüber, ob Unterstützung genutzt wird.
Die beste Routine ist die, die du wirklich durchziehst
Gerade beim Thema mentale Gesundheit diskutieren wir schnell sehr abstrakt. Dabei kann der Einstieg ziemlich konkret sein. Bewegung ist dafür ein gutes Beispiel. Sport löst zwar nicht jedes Problem, allerdings ist Bewegung für viele Menschen ein niedrigschwelliger Weg, um Energie zurückzugewinnen, Abstand zu schaffen und etwas für das eigene Wohlsein zu tun.
Die GEBS zeigt, dass genau das ankommt: 90 % der Nutzenden sagen, dass Fitness-Benefits ihr Wellbeing positiv beeinflussen. 87 % werden dadurch zu mehr Aktivität motiviert und 59 % fühlen sich produktiver. Entscheidend ist aber auch hier die Wahlfreiheit. Für den einen ist es das Fitnessstudio, für den anderen eine Runde auf dem Fahrrad, Yoga oder ein Spaziergang in der Mittagspause.
Deshalb kombiniert Epassi Sports unterschiedliche Wege zu mehr Bewegung. Das Fitness Network eröffnet Zugang zu Sport- und Wellbeingangeboten, während Activity Rewards auch Alltagsbewegung wie Joggen, Radfahren und Spazieren einbezieht. Der Gedanke dahinter ist nicht, Menschen zu einer bestimmten Form von Bewegung zu bringen. Es geht darum, unterschiedliche Lebensrealitäten abzubilden.
Wellbeing ist Chefsache
Damit ist allerdings auch klar: Ein Fitnessangebot ersetzt keine gute Führung. Und ein Wellbeing-Programm macht unrealistische Arbeitsbelastung nicht automatisch besser. Unternehmen müssen an mehreren Stellen gleichzeitig ansetzen. Dazu gehören realistische Workloads, Flexibilität und eine Kultur, in der Belastung angesprochen werden kann.
Gerade bei letzterem gibt es in Deutschland Luft nach oben. Nur 50 % der Mitarbeitenden fühlen sich wohl dabei, Stress und Arbeitsbelastung offen mit ihrer Führungskraft zu besprechen. Im Vergleich der 8 untersuchten Länder ist das der niedrigste Wert.
Das ist relevant, weil Unterstützung nur dann funktioniert, wenn Menschen sie auch in Anspruch nehmen können. Wer nicht offen sagen kann, dass es gerade zu viel wird, wird häufig auch andere Angebote erst sehr spät nutzen.
Gute Benefits beginnen beim Menschen
Die GEBS zeigt ziemlich deutlich, wo Unternehmen heute ansetzen sollten: 35 % der deutschen Mitarbeitenden nutzen nicht alle verfügbaren Benefits. Der häufigste Grund: 54 % sagen, dass die verfügbaren Angebote schlicht nicht ihren persönlichen Interessen entsprechen.
Genau darin liegt für mich der entscheidende Punkt. Unternehmen müssen nicht immer noch mehr anbieten. Sie müssen genauer hinschauen, was unterschiedliche Menschen tatsächlich brauchen und was sich in ihren Alltag integrieren lässt.
Denn mentale Gesundheit lässt sich nicht mit einem einzelnen Benefit lösen. Aber Unternehmen können Bedingungen schaffen, die es leichter machen, gut mit Belastung umzugehen: durch realistische Arbeitsbedingungen, eine offene Kultur und Angebote, die nicht nach Schema F funktionieren.
Deshalb gehört Wellbeing für mich nicht an den Rand. Es ist eine Voraussetzung für gute Arbeit. Und gute Benefits sind dann wirksam, wenn sie nicht nur vorhanden sind, sondern im Leben der Menschen tatsächlich funktionieren.
Über den Autor
Roland Reinheimer ist CEO von Epassi Deutschland und treibt den Ausbau des Unternehmens zu einer Plattform für Mitarbeiter-Benefits voran. Sein Ziel: Wellbeing und Fitness-Benefits stärker im Arbeitsalltag verankern. Vor seinem Engagement bei Epassi Deutschland hat Roland Reinheimer in Konzernen wie HP und Canon große Vertriebsorganisationen geleitet.
Über die Great Employee Benefits Studie 2026
Die Great Employee Benefits Studie 2026 untersucht, welche Rolle Mitarbeiter-Benefits für Wellbeing, Engagement und Bindung spielen. Die Studie wurde von Forschenden der Aalto-Universität konzipiert und von Pole Star Advisory in Zusammenarbeit mit Epassi umgesetzt. Befragt wurden 8.000 Mitarbeitende sowie 3.147 Führungskräfte und HR-Entscheidende in 8 europäischen Märkten. Für Deutschland flossen die Antworten von 1.000 Mitarbeitenden und 381 Arbeitgebenden ein.
Weitere spannende Erkenntnisse aus der GEBS 2026:
- 64 % der deutschen Arbeitgebenden planen, ihr Budget für Mitarbeiter-Benefits 2027 zu erhöhen. Nur 4 % planen Kürzungen.
- 39 % der deutschen Mitarbeitenden würden einen Job wegen eines schlechten Benefit-Pakets ablehnen. Bei der Gen Z sind es sogar 54 %.
- 61 % sagen, dass das Benefits-Paket ihren Eindruck vom Arbeitgebenden maßgeblich beeinflusst.