Mercedes-Werksschließung: Schiebes Drohung an drei Standorte
Mercedes droht mit der Schließung von zwei deutschen Werken. Bremen, Rastatt und Sindelfingen bangen gleichzeitig, während 175.000 Menschen gegen den Sparkurs protestieren.
Michael Schiebe hat drei Standorte gleichzeitig nervös gemacht, mit einer einzigen Ansage. Der Mercedes-Produktionsvorstand kündigte bei einer Betriebsversammlung in Sindelfingen an, ein deutsches Aufbauwerk sowie ein deutsches Powertrainwerk zu schließen, sollten die Arbeitskosten hierzulande nicht sinken.
Da Mercedes-Benz Aufbauwerke nur in Sindelfingen, Rastatt und Bremen betreibt, weiß aktuell keiner der drei Standorte, ob er zu den Verlierern zählt.
Drei Werke, eine Drohung
„Es ist unser klares Ziel, alle deutschen Standorte zu erhalten“, habe Schiebe demnach gesagt, gefolgt von der Bedingung: „Dafür müssen wir uns auf für alle verträgliche Maßnahmen einigen, um die Kosten in Deutschland zu senken. Gelingt uns dies nicht, werden wir ein deutsches Aufbauwerk sowie ein deutsches Powertrainwerk schließen müssen“, so Schiebe auf einer Betriebsratversammlung. Zuerst hatte die „Stuttgarter Zeitung“ berichtet, ein Sprecher des Konzerns bestätigte die Angaben später der Deutschen Presse-Agentur Powertrainwerke, in denen Komponenten gefertigt werden, unterhält Mercedes in Untertürkheim, Affalterbach, Berlin, Hamburg, Kamenz sowie Kölleda und Arnstadt.
Welches der insgesamt acht deutschen Werke am Ende betroffen wäre, blieb offen. Genau diese Unschärfe erzeugt die Drohkulisse: Niemand kann sich in Sicherheit wiegen, wenn drei Aufbauwerke um zwei verbleibende Plätze konkurrieren. Für Bremen ist die Lage dabei besonders zugespitzt, weil das Werk in Hemelingen neben der Fahrzeugmontage auch für die Region ein bedeutender Arbeitgeber ist. Die Ankündigung trifft daher nicht nur die Beschäftigten selbst, sondern strahlt in die gesamte lokale Wirtschaft aus, ohne dass Mercedes an dieser Stelle irgendeine Standortgarantie ausgesprochen hätte.
Belegschaft geht auf die Straße
Die Reaktion der Belegschaft ließ nicht lange auf sich warten. Demnach beteiligten sich rund 175.000 Menschen bundesweit an einem Protestaufruf der IG Metall, in Bremen allein knapp 3.000. Am Werk Hemelingen starteten drei Demonstrationszüge gegen die angekündigten Sparpläne der Branche. In Sindelfingen selbst nahmen demnach etwa 20.000 Beschäftigte an einem Aktionstag teil. Die schiere Zahl der Protestierenden macht deutlich, dass es sich nicht um einen lokalen Konflikt einzelner Standorte handelt, sondern um eine bundesweite Auseinandersetzung über die Zukunft der Arbeitsbedingungen in der deutschen Autoindustrie insgesamt.
Vorausgegangen war ein verschärfter Sparkurs, den Mercedes-Benz als „Produktivitätsoffensive für Deutschland“ bezeichnete. In einem Schreiben an die Belegschaft hatte der Vorstand demnach vorgeschlagen, für gleiches Geld mehr zu arbeiten. Dieser Vorstoß löste die öffentliche Debatte über Arbeitskosten erst aus, aus der nun die Schließungsdrohung erwuchs. Die Chronologie ist damit klar nachvollziehbar: Erst der Vorschlag zur längeren Arbeitszeit ohne Lohnausgleich, dann die öffentliche Empörung, schließlich die zugespitzte Drohung mit konkreten Werksschließungen als Druckmittel in den Verhandlungen mit Betriebsrat und Gewerkschaft.