Proxima Fusion: 140 Mio. Euro gegen Asiens Supraleiter-Dominanz
Proxima Fusion und Niedersachsen bauen eine HTS-Band-Fabrik. 140 Mio. Euro sollen Europas Abhängigkeit von asiatischen Supraleiter-Herstellern brechen. Ambitioniert, aber ungewiss.
Proxima Fusion und das Land Niedersachsen haben am 9. September 2026 eine Absichtserklärung unterzeichnet, die Europas Fusionsbranche unabhängiger von asiatischen Zulieferern machen soll. Im Zentrum steht Hochtemperatur-Supraleiterband, kurz HTS-Band, das derzeit vor allem in Japan, China und den USA hergestellt wird, während es in Europa bislang keine großindustrielle Produktion gibt. Das Start-up, das erst am 8. September 2026 mit dem Deutschen Gründerpreis ausgezeichnet wurde, will genau diese Lücke in der europäischen Lieferkette schließen. Für die ersten beiden Projektphasen bis Ende 2029 sind rund 140 Mio. Euro vorgesehen, wie t3n berichtet.
Niedersachsen steuert davon 21 Mio. Euro bei, den Rest soll eine Mischung aus privaten und öffentlichen Mitteln stemmen. Ein konkreter Produktionsstandort steht noch nicht fest, verschiedene Optionen werden derzeit geprüft.
Warum HTS-Band die Schlüsseltechnologie ist
Proxima Fusion baut an einem Stellarator, einem Fusionsreaktor-Typ, der komplex geformte Magnetfelder braucht, um extrem heißes Plasma einzuschließen. Möglich wird das durch Hochtemperatur-Supraleiter: Keramiken, die schon bei etwa minus 180 Grad Celsius ihren elektrischen Widerstand verlieren und dadurch besonders starke, kompakte Magnete erlauben.
Ohne dieses Material bliebe jeder Stellarator-Plan nach Einschätzung von Fachleuten kaum realisierbar. Der Materialbedarf ist gewaltig. Für den geplanten Alpha-Demonstrator werden rund 20.000 Kilometer HTS-Band benötigt, für das spätere Stellaris-Kraftwerk kommen noch einmal 40.000 Kilometer hinzu. Wer diese Mengen liefern kann, sitzt an einer der wichtigsten Schnittstellen der Energiewende.
Vom Fusions-Hype zur Fabrikhalle
Das ist der eigentliche Bruch mit der bisherigen Fusions-Erzählung: Statt nur an spektakulären Plasma-Rekorden zu arbeiten, investiert Proxima Fusion in banale, aber kritische Industrieinfrastruktur. Genau das unterscheidet greifbare Tech-Transformation von reinem Investoren-Storytelling. Das Start-up will laut eigenen Angaben bis 2031 den Prototypen seines Fusionsgenerators bauen, das kommerzielle Kraftwerk Stellaris soll in den 2030er-Jahren folgen.