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Solid Labs: KI-Engine ab 299 Euro für Video-Ads im Check

Smartphone mit Filmstreifen für Produktvideos
BP | KI-generiert mit ChatGPT Smartphone mit Filmstreifen für Produktvideos
Erschienen
Lesezeit5 Min · 1.040 Wörter

Das Berliner Startup Solid Labs öffnet nach über einem Jahr im Stealth-Modus seine KI-Engine für Video-Werbung für alle Marken und Agenturen. Die Gegner heißen Meta, Google und TikTok. Die Preise und der Haken.

Am 5. November 2026 ist es so weit: Solid Labs lässt jeden an den Start, der Video-Anzeigen für Meta, TikTok und YouTube braucht. Selbstbedienung statt Pilotprojekt, pünktlich vor Black Friday. Das Timing ist kein Zufall, denn manche Konsumgütermarken machen im vierten Quartal bis zu 40 Prozent ihres Jahresumsatzes, wie das Unternehmen in seiner Mitteilung schreibt. Wer in dieser Phase ermüdete Anzeigen schaltet, verbrennt Budget. Genau dort setzt Solid an.

Kein Videogenerator, sondern ein Nachschub-Automat

Solid nennt sich „AI Creative Engine“ und grenzt sich bewusst von Sora oder Veo ab. Die Plattform setzt nach Angaben von Trending Topics auf echte Menschen, Produkte und Orte, weil solche Anzeigen glaubwürdiger wirken sollen. KI-Avatare nutzt Solid laut eigener FAQ nicht, fehlende Szenen generiert die Engine nur bei Bedarf.

Herzstück ist der „Solid Agent“. Er zerlegt vorhandenes Videomaterial in Szenen und baut daraus in einer einzigen Unterhaltung fertige Anzeigen: Skript, Voiceover, Szenenauswahl, Schnitt. Dazu kommen Varianten mit neuen Hooks, anderen Formaten und weiteren Sprachen. Im „Brand Hub“ lernt das System Tonalität und Markenregeln, manuell eingreifen können Nutzer jederzeit. Die Vision laut Pressemitteilung: Growth-Teams sollen künftig nur noch ein Smartphone und Solid brauchen.

Das Problem, das Solid verkauft

Der Verkaufsschlager heißt Creative Fatigue. Gemeint ist der Effekt, dass Kurzvideo-Anzeigen binnen Wochen, mitunter binnen Tagen an Wirkung verlieren. Solid behauptet, dass rund 90 Prozent aller Video-Ads von Beginn an nicht gut performen. Das ist eine Eigenangabe des Unternehmens, eine unabhängige Quelle dafür nennt weder die Mitteilung noch der Bericht. Als Denkanstoß taugt die Zahl, als Fakt nicht.

Die Logik dahinter stimmt trotzdem: Wer ständig neue Varianten braucht, braucht Produktionskapazität, die bisher Agenturen oder interne Cutter stellen. Solid will diese Kapazität in ein Abo gießen.

Zwischen 299 und 1.999 Euro: Was ein Video-Ad kostet

Die Preisliste verrät, wie Solid rechnet: Mit steigender Stufe sinkt der Preis pro Anzeige deutlich. Das Angebot gilt als Launch-Preis, ob Umsatzsteuer enthalten ist, nennt die Seite nicht.

TarifEuro pro MonatAnzeigen pro Monat (ca.)Euro pro Anzeige (rechnerisch)
Starter29915rund 20
Grow99975rund 13
Scale1.999150rund 13

Stand: 5. November 2026. Quelle: Solid Labs (Eigenangaben, Launch-Preise; Starter und Grow nach einem kostenlosen ersten Monat, Scale kostet im ersten Monat 1.000 Euro). Pro-Anzeige-Werte: eigene Berechnung.

Der Sprung von Starter auf Grow senkt den Stückpreis um ein Drittel, danach flacht die Kurve ab. Wer mehrere Marken bespielt, landet ohnehin bei Grow (bis zu drei Marken) oder Scale (bis zu zehn). Für Großkunden gibt es einen Enterprise-Tarif mit 250 bis über 1.000 Anzeigen im Monat, Preis auf Anfrage. Zusätzlich lockt ein Rabatt von bis zu 999 Euro auf den ersten Monat bei monatlicher Zahlung bis zum 30. November, und die Self-Service-Tarife enthalten eine siebentägige Testphase ohne Kreditkarte.

Die Erfolgszahlen sind Eigenlob

Solid nennt eine Reihe von Kunden, darunter HOLY, Too Good To Go, Ahead und die Dr. Wolff Group mit Alpecin. Die Ergebnisse stammen durchweg aus der Eigenkommunikation. Bei HOLY sollen Anzeigen viermal schneller entstehen, neue Märkte in 24 Stunden live gehen. TEVEO produzierte aus einem einzigen Shoot über 200 fertige Videos in einer Woche. Bei Too Good To Go lokalisieren Länderteams in 21 Märkten selbst, die Kosten pro Erstkauf liegen laut Bericht unter denen externer Agenturen. Butternut Box spricht auf der Solid-Website von über 180 Anzeigen plus 650 Versionen in etwa drei Monaten mit einem einzigen Editor.

Wichtig dabei: Es sind Mengen- und Tempoangaben. Belastbare Performance-Zahlen wie ROAS oder Conversion-Raten nennt Solid nicht und eine unabhängige Prüfung der Kundenergebnisse gibt es nicht.

Der Gegner sitzt im Werbemanager

Solid-CTO Christoph Schütte, Physiker und früher Engineering Lead bei Google, bringt die These so auf den Punkt: „Jedes Modell kann ein Video generieren.“ Eine Marke brauche ein System, das sie kennt. Das ist die Wette: neutrale Engine mit eigenem Markenwissen statt Plattform-Tool.

Die Plattformen gehen allerdings in dieselbe Richtung. Meta will laut einem Bericht des Wall Street Journal vom Juni 2025 die Anzeigenerstellung bis 2026 weitgehend automatisieren: Marke liefert Produktbild und Budgetziel, die KI baut Bild, Video und Text. Google investiert mit Veo und Asset-Generatoren in Performance Max in dieselbe Richtung, TikTok bietet mit Symphony eine eigene KI-Creative-Suite, so Trending Topics. Dazu kommen Startups wie Creatify, Arcads und AdCreative.ai.

Finanziert ist Solid durch eine bislang nicht kommunizierte Pre-Seed-Runde im siebenstelligen Bereich unter Führung von Lucid Capital, abgeschlossen 2025. Gründer ist Patrick Prokesch, früher bei der M&A-Beratung i5invest und dem Wiener Scale-up Meister. Mit an Bord sind Business Angels wie Epidemic-Sound-Mitgründer Tom Höglund. Als Nächstes soll die Engine Anzeigen direkt auf Meta, TikTok und YouTube veröffentlichen und Live-Performance-Daten in die Produktion zurückspielen. Ob das als eigenständiges Geschäft trägt oder Plattformen die Funktion einfach selbst integrieren, lässt auch Trending Topics offen.

Business Punk Check

Solid verkauft nicht Videos, sondern Nachschub. Das ist der clevere Dreh: Wer Creative Fatigue als Dauerzustand begreift, zahlt für Tempo statt für Einzelstücke. Der Haken ist strukturell. Die Plattformen, auf denen die Anzeigen laufen, bauen dieselbe Funktion gerade selbst und können sie billiger anbieten als jeder Dritte.

Für Entscheider:innen heißt das: Testen ist günstig, Abhängigkeit nicht. Wenn Sie die Testphase nutzen, messen Sie auch die Wirkung am eigenen Material statt an den Kundenzahlen aus der Pressemitteilung. Und fragen Sie den Anbieter vor dem Vertrag, was von Ihrem Markenwissen und Ihren Szenen bei einem Wechsel mitwandert.

Auf einen Blick

  • Solid Labs aus Berlin hat am 5. November 2026 nach mehr als einem Jahr im Stealth-Modus seine KI-Engine für Video-Werbung für alle Marken und Agenturen im Self-Service geöffnet.
  • Der Solid Agent erstellt aus vorhandenem Videomaterial in einer Unterhaltung fertige Anzeigen für Meta, TikTok und YouTube, inklusive Skript, Voiceover und Varianten in mehreren Sprachen.
  • Die Tarife starten bei 299 Euro im Monat für rund 15 Anzeigen und reichen bis 1.999 Euro im Monat für rund 150 Anzeigen, die Kundenergebnisse sind Eigenangaben des Unternehmens.
  • Meta, Google und TikTok bauen eigene KI-Werkzeuge zur Anzeigenerstellung, ob Solid daneben als unabhängige Plattform besteht, ist offen.

Quellen: Trending Topics, Presseportal (Solid Labs GmbH), Solid Labs, Marketing Dive

Portrait Uli Weißgerber

Uli Weißgerber

Seit über 25 Jahren verbindet er Medien, Marketing und Technologie. Von Sport1.de über ProSiebenSat.1 und Bertelsmann bis zur Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle. Mit getperformance revolutionierte er das TV-Tracking und brachte Marken wie Trivago ins Fernsehen. Als Unternehmer entwickelte er mit seinem Team den VIPS – Value & Impact Publishing Service und bespielt damit unter anderem digitale Plattformen wie Promipool, Buzzfeed.de und Business-Punk.com.