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Trump gegen Kanada: Handelskrieg wird bizarr

Trump gegen Kanada: Handelskrieg wird bizarr
KI-generiert
Erschienen
Lesezeit3 Min · 600 Wörter

Ponyfell, Pailletten, Golfcarts, Bambusmöbel und Mezcal: Donald Trump verschärft den Handelskrieg mit Kanada – und nimmt dabei Waren ins Visier, die im bilateralen Handel teilweise kaum eine Rolle spielen. Hinter der kuriosen Liste steckt offenbar Kalkül: Kanada soll getroffen werden, ohne dass amerikanische Verbraucher dafür kräftig zahlen müssen.

Der Handelsstreit zwischen den USA und Kanada erreicht eine neue Eskalationsstufe – und wird dabei immer skurriler. Die Trump-Regierung droht für Dutzende kanadische Waren mit Zöllen von 50 Prozent oder sogar kompletten Importverboten.

Trump packt die 50-Prozent-Keule aus

Die neuen Maßnahmen sind eine Reaktion auf Kanadas Vergeltungszölle, die am Dienstag in Kraft getreten sind. Gleichzeitig wirft das Weiße Haus Kanada eine „diskriminierende“ Behandlung amerikanischer Waren vor. Die zusätzlichen Zölle und Importverbote sollen nach Darstellung der US-Regierung amerikanische Arbeitnehmer, Landwirte und Hersteller vor ausländischer Konkurrenz schützen. Das Problem dabei: Bei zahlreichen Produkten auf Trumps neuer Liste gibt es kaum nennenswerte kanadische Konkurrenz.

Mezcal aus Kanada? Gibt es praktisch nicht

Besonders deutlich wird das beim Alkohol. Trumps geplante Importverbote betreffen nahezu sämtliche alkoholischen Getränke – darunter ausgerechnet Mezcal. Kanada kann Mezcal aufgrund der mexikanischen Herkunfts- und Kennzeichnungsregeln gar nicht selbst als solchen produzieren. Wirtschaftlich wirkt das Verbot damit zunächst ziemlich folgenlos.

Ponyfell als Handelswaffe

Ähnlich kurios sieht es beim Ponyfell aus. Es gehört zu einer größeren Kategorie von Tierfellen, von der Kanada im vergangenen Jahr gerade einmal Waren im Wert von 468.330 US-Dollar in die Vereinigten Staaten exportierte. Zum Vergleich: Insgesamt lieferte Kanada Waren für rund 334 Milliarden Dollar in die USA. Der Anteil der betroffenen Tierfelle liegt damit bei ungefähr 0,0001 Prozent.

Die Absurdität hat System

Dass ausgerechnet solche Produkte auf der Liste stehen, ist offenbar kein Zufall. Ein hochrangiger Regierungsvertreter erklärte, die Waren seien bewusst ausgewählt worden, um die finanziellen Folgen für amerikanische Verbraucher möglichst gering zu halten. Die USA seien bei diesen Produkten nicht auf Kanada angewiesen: Entweder könnten sie im eigenen Land produziert oder problemlos von anderen Handelspartnern bezogen werden. Einen spürbaren Einfluss auf die US-Preise hält die Regierung deshalb für praktisch ausgeschlossen.

Hockeyschläger gegen Golfschläger

Der Handelskrieg wird inzwischen auch mit Symbolen geführt. Bereits bei der ersten Runde von Zöllen gegen Kanada nahm Trump Hockeyschläger ins Visier – kaum ein Produkt steht stärker für kanadische Identität. Kanadas Premierminister Mark Carney konterte und setzte amerikanische Golfschläger auf seine eigene Zollliste. Eine ziemlich offensichtliche Spitze gegen Trump und dessen Lieblingssport. Wirtschaftlich sind beide Produktgruppen im Handel zwischen den Ländern eher Nebendarsteller.

Ökonomisch klein, politisch ziemlich groß

Genau darin könnte der eigentliche Zweck der Maßnahmen liegen. Trumps neues Importverbot betrifft nach Berechnungen von Capital Economics lediglich rund 0,25 Prozent der kanadischen Exporte in die USA. Die unmittelbaren Folgen für beide Volkswirtschaften dürften entsprechend überschaubar bleiben. Die politische Botschaft an Ottawa ist dafür umso deutlicher: Washington ist bereit, im Handelskonflikt Instrumente einzusetzen, die weit über klassische Zölle hinausgehen.

Es geht nicht mehr nur ums Geld

Stephen Brown, Chefökonom bei Capital Economics, sieht darin einen Hinweis darauf, dass die jüngsten Maßnahmen weniger der Generierung zusätzlicher Staatseinnahmen dienen als vielmehr dem Ziel, Kanada wirtschaftlich unter Druck zu setzen. Das wäre bemerkenswert. Trump hatte höhere Zölle schließlich immer wieder auch damit gerechtfertigt, dass sie Milliarden in die amerikanische Staatskasse spülen sollen. Im Handelskrieg mit Kanada scheint inzwischen jedoch eine andere Logik zu dominieren: möglichst viel Druck aufbauen – und möglichst wenig davon an der amerikanischen Supermarktkasse ankommen lassen.

Günther Suchy

Günther Suchy ist bei Business Punk Head of Digital Editorial. Daneben ist er Professor für Kommunikation und Journalismus an der Duale Hochschule Baden-Württemberg am Campus Ravensburg – also einer, der die Medienwelt nicht nur lehrt, sondern lebt. Der promovierte Volkswirt kennt den Journalismus und die digitalen Medien jenseits des Elfenbeinturms: Er leitet das Hochschulradio „Das kleine U-Boot“, baut crossmediale Ausbildungs- und Produktionsformate auf und hält dabei immer den Finger am Puls der Branche. Bevor er an die Hochschule nach Ravensburg kam, war Suchy unter anderem in der Unternehmenskommunikation von MAN und in leitenden Funktionen digitaler Medienprojekte tätig – sowie als Online-Redaktionsleiter der Automotive-Formate bei Motorvision (DSF). Seine Lehr- und Forschungsprojekte bringen ihn immer wieder in die Welt hinaus: Nach China, Chile, Marokko oder Bhutan, wo er 2024 und 2025 am Royal Thimpu College lehrte und das Nationale Olympische Komitee zum Thema „Nachhaltigkeitskommunikation im Sport“ beriet. An der Universität Durban in Südafrika gibt er Seminare zum Thema "Green Startups". Zwischen Subkultur, Startup-Mindset und System fühlt er sich zu Hause – und genau aus dieser Perspektive schreibt er für Business Punk.