Leitzins auf 2,50 Prozent: EZB zieht die Schuldenbremse für alle
Die EZB hebt den Einlagenzins auf 2,50 Prozent, weil Öl und Nahost-Konflikt die Inflation treiben. Für Kreditnehmer wird es teurer, für Sparer erstmals seit Jahren wieder interessant.
Christine Lagarde verkündete den Beschluss am Donnerstag in Berlin, ausnahmsweise nicht in Frankfurt: Der EZB-Rat hebt den Einlagenzins von 2,25 auf 2,50 Prozent an, die zweite Erhöhung in diesem Jahr. Auslöser ist der Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs, der die Teuerung im August auf 3,3 Prozent trieb, den höchsten Wert seit September 2023, wie WirtschaftsWoche berichtet.
Das liegt weit über dem EZB-Ziel von zwei Prozent. Lagarde sagte laut NZZ, die Inflation dürfte länger anhalten als erwartet. Bereits im Juni hatte die EZB angesichts des Inflationsschubs erstmals seit fast drei Jahren die Leitzinsen angehoben, damals der Auftakt der aktuellen Zinswende.
Energiepreise treiben die Teuerung
Die Straße von Hormus ist seit Monaten faktisch blockiert, die Rohölpreise sind entsprechend gestiegen. Weil Europa unter dem Strich Energie importiert, schlägt das direkt auf die Verbraucherpreise durch, so WirtschaftsWoche. Auch Deutschland meldete im August mit 2,9 Prozent eine erhöhte Rate, ebenso Frankreich und Spanien. Die EZB fürchtet zudem Zweitrundeneffekte: Sollten Löhne als Reaktion auf die hohe Inflation zu stark steigen, könnte das die Preise weiter antreiben.
Der Ausblick sei nach wie vor mit hoher Unsicherheit behaftet, erklärte die Notenbank laut WirtschaftsWoche; höhere Inflation und schwächeres Wachstum drohten gleichzeitig. Nach der Energiekrise 2022, als die Teuerung auf über zehn Prozent kletterte und die EZB in der Kritik stand, zu spät reagiert zu haben, will die Notenbank diesmal keine Verzögerung riskieren. Auch Hitze und Trockenheit spielen eine Rolle: Sie schmälern Ernten, während Niedrigwasser etwa am Rhein Lieferungen verteuert, was den Preisdruck über Transport und Kühlung zusätzlich verschärft.
Kreditnehmer zahlen mehr
Steigende Leitzinsen verteuern Kredite für Firmen und private Haushalte, was Nachfrage bremsen und Inflation dämpfen soll. Nach einer Analyse des Geldratgebers Finanztip sind die Effektivzinsen für Immobilienkredite mit zehn Jahren Zinsbindung auf rund 4,2 Prozent geklettert, den höchsten Stand seit Ende 2023.
Historisch zeigt sich diese Dynamik deutlich: Als die EZB im Dezember 2022 zum vierten Mal in Folge die Zinsen anhob, verteuerten sich Wohnungsbaukredite binnen eines Jahres um mehr als 160 Basispunkte auf 2,9 Prozent, Konsumkredite lagen bei fast 5,8 Prozent, wie die EZB in ihrem Jahresbericht dokumentierte. Für Unternehmen stiegen die Kosten neuer Kredite damals um 30 Basispunkte auf 3,41 Prozent. Für Bauherren und Firmen bedeutet das: Investitionen werden teurer, während die Notenbank genau darauf setzt, um die Nachfrage zu drosseln. Hebt die EZB die Zinsen zu stark an, kann das laut WirtschaftsWoche jedoch auch die Konjunktur abwürgen.