work wise · Deutschland

Teurer Diesel, fette Gewinne: Ölkonzerne im Visier der Politik

Finanzminister Klingbeil
Shutterstock Finanzminister Klingbeil
Erschienen
Lesezeit5 Min · 994 Wörter
Seite1 / 3

Brent über 100 Dollar, Inflation bei 2,9 Prozent, Ölkonzerne mit Milliardengewinnen. Klingbeil fordert EU-Übergewinnsteuer, die CDU blockt ab.

Zwei Euro für einen Liter Diesel gelten in Deutschland 2026 wieder als Normalzustand. Während Autofahrende an der Zapfsäule verzweifeln, steigern Konzerne wie Shell und BP ihre Quartalsgewinne deutlich, BP mehr als verdoppelt seinen Gewinn.

Diese Gleichzeitigkeit treibt gerade eine wirtschaftspolitische Grundsatzdebatte an, die weit über den Tankstellenbesuch hinausreicht.

Warum Brent-Öl die Inflation antreibt

Der Ölpreis kletterte laut Tagesschau diese Woche erstmals seit Mitte Juli wieder über 100 Dollar je Barrel. Vor Kriegsbeginn hatte Brent noch bei rund 70 Dollar gelegen. Destatis bestätigte für August eine Inflationsrate von 2,9 Prozent, angetrieben von einem Kraftstoff-Plus von 27,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski brachte die Lage auf den Punkt: „Die Inflation ist zurück in Deutschland.“ Phillip-Nova-Analystin Priyanka Sachdeva ordnete die Marke geopolitisch ein: „Ein Preis von 100 Dollar für Brent sollte nicht nur als psychologischer Meilenstein betrachtet werden“, sagte sie laut Tagesschau. „Dies ist ein Warnsignal für die gesamte Wirtschaft.“ Das ifo-Institut erwartet für 2026 eine Inflationsrate von 2,9 Prozent und für 2027 von 2,7 Prozent.

Die Mechanik dahinter ist laut Ka News bekannt, aber tückisch: Der Kraftstoffpreis setzt sich aus Beschaffungskosten, Steuern und Abgaben sowie den Deckungskosten der Mineralölkonzerne zusammen. Rund die Hälfte des Preises an der Zapfsäule entfällt auf Mehrwertsteuer, Energiesteuer und CO₂-Abgabe. Die Energiesteuer allein schlägt mit 65,45 Cent je Liter Benzin und 47,04 Cent je Liter Diesel zu Buche, die CO₂-Abgabe kommt 2026 mit bis zu 20,5 Cent pro Liter Diesel hinzu.

Im Juli lag der gesamte Steuer- und Abgabenanteil bei rund 57 Prozent für Benzin und 47 Prozent für Diesel, ein Rückgang gegenüber den 64 beziehungsweise 56 Prozent aus dem Vorjahr, der zeigt, wie stark der reine Rohölpreis inzwischen wieder durchschlägt. ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer beschreibt laut Ka News zudem eine Asymmetrie, die Verbraucher besonders ärgert: „Während steigende Ölpreise meist sehr schnell an den Zapfsäulen ankommen, dauert es bei sinkenden Preisen oft länger.“ ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann nennt dieses Phänomen den „Rakete-und-Feder“-Mechanismus, bei dem Preise rasant steigen, aber nur allmählich wieder sinken.

Martin Wald

Tech & Security

Martin Wald analysiert die Schnittstelle zwischen Geld, Macht und Alltag. Seine Themen reichen von Rente, Sozialstaat und Gesundheit bis zu Wirtschaft, Märkten und technologischen Umbrüchen. Er zerlegt politische Entscheidungen, Urteile und Trends auf ihre ökonomischen Folgen und macht sichtbar, wer gewinnt, wer verliert und wo Risiken liegen. Der Blick ist pragmatisch, pointiert und nutzenorientiert. Keine Wohlfühltexte, sondern Einordnung für Menschen, die verstehen wollen, wie Systeme funktionieren und was das für ihre Entscheidungen bedeutet.