Teurer Diesel, fette Gewinne: Ölkonzerne im Visier der Politik
Business Punk Check
Politiker verkaufen die Übergewinnsteuer als Gerechtigkeitsinstrument gegen Krisenprofiteure. Die Zahlen aus der Energiekrise 2022 erzählen eine andere Geschichte: Mehrere EU-Staaten führten damals Sonderabgaben auf Übergewinne ein; laut Analysen stiegen die Gewinne großer Energiekonzerne dennoch weiter deutlich. Diese Diskrepanz zeigt, dass symbolische Politik und wirksame Marktregulierung oft auseinanderfallen. Für Mittelstand und energieintensive Branchen zählt derweil eine andere Rechnung: Diesel bleibt wegen Deutschlands Importabhängigkeit krisenanfälliger als Benzin, was Logistik und Produktion direkt trifft. Entscheider sollten die Frage nach Steuermodellen weniger als moralisches Signal lesen, sondern als Test dafür, ob die EU in der Energiepolitik überhaupt handlungsfähig ist, solange CDU und Teile Nordeuropas blockieren.
Auf einen Blick
- Der Ölpreis kletterte laut Tagesschau diese Woche erstmals seit Mitte Juli wieder über 100 Dollar je Barrel, nachdem er vor Kriegsbeginn bei rund 70 Dollar gelegen hatte.
- Die deutsche Inflation lag im August bei 2,9 Prozent, wobei Kraftstoffe laut Destatis um 27,7 Prozent teurer wurden als im Vorjahr.
- BP, Shell und TotalEnergies verdoppelten bis verdreifachten laut Deutschlandfunk ihre Quartalsgewinne, vor deren Hintergrund SPD-Parteichef Lars Klingbeil eine EU-Übergewinnsteuer unterstützt, die die CDU ablehnt.
- Bundeskartellamt-Chef Andreas Mundt räumte laut Ndr ein, dass es kein Instrument gebe, um geopolitisch getriebene Preissteigerungen kurzfristig zu stoppen.
Quellen: Ndr, Ka News, Tagesschau, Deutschlandfunk, KI-unterstützt