Acht Thesen zu einer deutschen Digitalstrategie für KI

#1 Europa braucht eine KI-Strategie

Israel, Russland, die USA, alle Staaten verfolgen ambitionierte Ziele mit KI, nur Europa nicht. China etwa will die Technologie bis 2030 zu einem Faktor machen, der dem Land hilft, politische und wirtschaftliche Interessen global durchzusetzen. KI nehmen großen Einfluss auf öffentliche Meinungsbildung, Cybersicherheit, Verteidigung, das Finanzsystem und die Wirtschaft. Es ist in unserem Interesse, dass diese kritischen Systeme von europäischer KI gesteuert werden – nicht von ausländischen Mächten. Eine eigene, europäische KI-Strategie ist die Voraussetzung, dass der Kontinent nicht nur wirtschaftlich mithalten kann, sondern entscheidet am Ende darüber, ob Europa seine Unabhängigkeit behält.

#2 Europa muss KI-Forschung zum Schwerpunkt machen

Europa hat kaum führende Forscher im Bereich der KI vorzuweisen. Große Errungenschaften kommen vorwiegend aus den USA und China; insbesondere aus Stanford, vom MIT oder den Forschungsabteilungen von Alibaba über Google bis WeChat. Wenn Europa hier Anschluss finden will, reicht es sicher nicht, jeden Informatikstudenten in einen Crashkurs KI zu stecken. Es braucht Spitzenforschung. Und die ist nicht ohne gezielte und großzügige Förderung zu bekommen.

#3 Europa braucht mehr produktgetriebene Unternehmer

Die Bereiche Automotive, Legal, Insurance, Robotik und Produktion sind zentral für die Wirtschaft Europas. Dennoch kommen aktuell weniger als elf Prozent aller europäischen KI-Gründungen aus diesen Branchen. Damit sich das ändert braucht es eine neue Generation an Unternehmern, sie sich für tiefgehende technische Probleme begeistern, diese lösen und verstehen, wie man daraus eine Firma baut.

#4 Europa braucht deutlich mehr Kapital

Unser Kontinent ist reich. Doch das Geld fließt nicht in Teams mit großen Visionen. Es fehlt an kulturellen und staatlichen Anreizen, Risiken einzugehen. Europas Wirtschaft ist satt. Hungrige Gründer gehen darum lieber nach Asien oder in die USA. Die Chinesische KI-Firma SenseTime hat dieses Jahr bereits eine Finanzierung von 600 Mio. Dollar erhalten. Europa kann nichts ansatzweise Vergleichbares vorweisen.

#5 Europa braucht den offenen Austausch von Daten

Daten sind Nahrung für unsere Maschinenintelligenzen. Darum sollten Daten innerhalb von Europa frei fließen können und ein Ländergrenzen überschreitendes, gemeinsames System füttern. Die neue Datenschutz-Grundverordnung GDPR ist ein guter Schritt in diese Richtung, weil sie einen planbaren Rechtsrahmen bildet und die Datenhoheit von europäischer Bürgern und unseren Unternehmen stärkt.

#6 Europa muss Algorithmen regulieren

KI ist inzwischen so weit in Computersysteme eingedrungen, dass sie Einfluss auf die öffentliche Meinung, das Gesundheits- und das Finanzsystem und am Ende gar die öffentliche Sicherheit nehmen kann. Darum müssen wir in Europa endlich verstehen, wie die Algorithmen dahinter funktionieren und wie diese uns beeinflussen. Zum Selbstschutz der Europäer braucht es Transparenz und Regeln im Umgang mit Algorithmen.

#7 Europa muss KI besteuern

Der Einfluss, den KI auf die Arbeitswelt nimmt, ist schon heute zu spüren. Und er wird sich exponentiell steigern. Je erfolgreicher Maschinen für uns arbeiten, desto weniger Menschen stehen in Lohn und Brot. Hierzu müssen wir unser „Recht-auf-Arbeit“ überdenken, genauso wie die mangelnde Besteuerung von multinationalen Softwarekonzernen. Es braucht ein neues Konzept, wie der Wohlstand der Maschinen in Europa verteilt wird.

#8 Europa muss Ressourcen bündeln

Europas Kleinteiligkeit macht den Charme des Kontinents aus. Doch aus der Fragmentierung folgt auch, dass jedes Land für sich alleine keine Chance im internationalen Wettbewerb hat. Nationale Initiativen wie die französische KI-Initiative oder gar regionale Projekte wie das CyberValley in Baden-Württemberg sind darum zum Scheitern verdammt, wenn sich nicht bald mehr Zusammenhalt in Europa ausbildet, gemeinsame Visionen entstehen, Kapital und Wissen gebündelt, Netzwerke und Innovation geteilt werden. Zusammen bilden die Staaten Europas die größte Wirtschaft der Welt. Wenn wir dafür sorgen, dass KI dieser Wirtschaft zugute kommt, schaffen wir die Vorraussetzung, dass das so bleibt – und für eine glorreiche Zukunft.


Fabian Westerheide

Der Unternehmer und Investor gibt seit Jahren Vorträge über Künstliche Intelligenz. Ob bei TEDx oder bei der Europäischen Kommission – Fabian erklärt seinem Publikum, warum KI definitiv The Next Big Thing ist. Mit seiner Investmentfirma Asgard investiert er in Unternehmen, welche KI unter anderem für Drohnen und Roboter entwickeln. Außerdem ist Fabian Koordinator für KI beim Bundesverband Deutscher Startups und organisiert jährlich die Konferenz "Rise of AI" in Berlin, bei der Business Punk Medienpartner ist.

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