“Rivalität gehört seit jeher zum Sport, und ich glaube, das ist eine gute Sache“

Lewis Hamilton ist Formel-1-Weltmeister. Zum vierten Mal. Nachdem 2016 ein schwieriges Jahr für ihn war, in dem er ausgerechnet seinem damaligen Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg den Titel überlassen musste. Es quälte Hamilton, doch er schlug zurück. Wir haben ihn Anfang des Jahres getroffen und über Rivalität, Ehrgeiz und Schmerz gesprochen. Aus aktuellem Anlass hier noch einmal das Interview.

Herr Hamilton, in der kommenden Formel-1-Saison tritt Ihr Ex-Teamkollege Nico Rosberg nicht mehr an. Wie motivieren Sie sich nach dem Verlust des Dauerrivalen?

Meine Motivation speist sich zuallererst aus dem Willen, meine Ziele zu erreichen. Wenn dieser Wille nicht in dir steckt, wirst du ihn auch nicht finden, indem du dich mit anderen misst. Ich fahre seit 23 Jahren Rennen. Schon immer ging es mir darum, so gut zu sein, wie es mir möglich ist. Ich kann nichts daran ändern, wie gut oder schlecht die anderen sind, darum muss ich mich immer auf mich selbst konzentrieren.

Wie machen Sie das?

Da ist kein großer Trick dabei. Vielleicht, dass man eine Art Scheuklappen entwickelt, damit man – wie bei einem Pferd – nicht davon abgelenkt wird, was die anderen tun, sondern der Blick immer nur auf die eigene Arbeit gerichtet bleibt.

Rivalität spielt für Sie also keine Rolle?

Doch. Rivalität gehört seit jeher zum Sport, und ich glaube, das ist eine gute Sache.

Wann haben Sie das erste Mal Rivalität empfunden?

Schon immer. Etwa wenn ich mit meinem Vater vom Ausgang der Videothek zum Auto gerannt bin. Oder wenn ich mit meinen Schulfreunden Fußball gespielt habe. Ich versuche immer, so gut wie nur möglich zu sein. Wenn trotzdem jemand besser ist, dann hat er einfach einen fantastischen Job gemacht.

Aber verlieren ist frustrierend …

Wenn ich unterliege, verspüre ich sofort eine Rivalität mit mir selbst. Das ist das Einzige, was mich frustriert.

Der Druck, den Sie sich selbst machen, ist also größer als der von außen?

Ich glaube, das ist etwas, was jeder nachvollziehen kann, egal welchen Job man hat. Jeder ist vom Wunsch angetrieben, in seiner Sache besser zu sein als alle anderen um einen herum. Und wenn man sich dann selbst enttäuscht, ist das schmerzhaft.

Gegen welchen Gegner war es am unangenehmsten zu fahren?

In meiner ganzen Karriere war es mir noch nie unangenehm, gegen jemanden ein Rennen zu fahren. Never ever. Und ich glaube, wenn es jemandem unangenehm ist, gegen mich zu fahren, dann gehört er nicht zu den Besten.

Wenn ein anderer besser war, wie gehen Sie damit um?

Es fühlt sich natürlich nie gut an, wenn man gegen jemanden verliert. Ich sehe es so: Einer hat mich an diesem Wochenende geschlagen – okay. Ich weiß, dass ich keinen guten Job gemacht habe, und das motiviert mich für das nächste Mal. Wenn man das Gefühl hat, einen schlechten Tag erwischt zu haben, sollte man alles tun, damit einem das nicht zu oft passiert.

Es braucht einige Übung, das so entspannt zu sehen, oder?

Auf jeden Fall. Als ich jünger war, wurde ich wütender und brauchte länger, die Enttäuschung zu überwinden. Inzwischen betrachte ich die Situation, erkenne negative Dinge und positive. Ich versuche, selbst bei einem schlechten Ergebnis das Positive abzutrennen und mitzunehmen. Negatives macht einen nicht stärker.

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe 01/2017. Titelgeschichte: Welche Geschichte steckt hinter Snap Inc, welche Rolle spielt CEO und Selfmade-Milliardär Evan Spiegel und was für Asse hat Snapchat für die Zukunft im Ärmel? Mehr Infos gibt es hier.


Tanja Lemke

Tanja ist Redakteurin bei Business Punk. Wenn sie nicht gerade durch diverse asiatische Länder tingelt, kümmert sie sich hauptsächlich um die Lifestyle-Themen im Magazin. Glücklich machen sie Palmen, Podcasts und Popkultur.

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