Sneakerhype: Everysize wird zum Big Player

Deutschlands größter Sneakershop ist gar keiner: Die unabhängige Suchmaschine „Everysize“ ist dabei, sich mit einer cleveren Affiliate-Strategie zum Player auf dem Schuhmarkt zu entwickeln.

Herr Prehn, Herr Falkenstein, Sie sind zwei der Gründer von Everysize, einer Suchmaschine für Schuhe. Wie etabliert man neben Google und Idealo ein solches Nischen-Produkt, zumal in einem so speziellen Markt wie dem Sneaker-Business?

Pascal Prehn: Sneaker sind seit Jahren ein Hype. Der Markt wird immer größer und der Wust an neuen Modellen immer unübersichtlicher. Obwohl ich selbst bei einem Sneakermagazin gearbeitet habe und Denis Marketingchef eines großen Streetwear-Shops war, fanden wir es nervig, auf der Suche nach einem bestimmten Schuh eine Million Shops zu durchforsten, um dann festzustellen, dass unsere Größe ausverkauft war. Dann folgte die Rumfragerei in Facebook-Gruppen und Turnschuh-Nerd-Foren. Wir haben uns gesagt: Das müsste eigentlich besser gehen. So kamen wir auf die Idee einer Seite, an die viele Shops angebunden sind und die vermittelt: Hey, ich habe den Schuh noch in deiner Größe!

Aber das kann man mit anderen Produktsuchmaschinen doch auch herausfinden.

Denis Falkenstein: Schon, aber die sind einfach nicht sexy. Da findest du vielleicht auch coole Sneakermodelle, aber wenige und nie in allen Größen. Und nebenan gibt es Spülmaschinen. Wir wussten: Da geht keiner hin, der sich wirklich für Sneaker interessiert.

Was haben Sie gemacht, damit die Leute zu Ihnen kommen?

Prehn: Schritt eins für uns war festzustellen, dass es keine Plattform gibt, die auf Sneaker spezialisiert ist. Schritt zwei war zu entscheiden, dass wir die verschiedenen Modelle bündeln – sonst bekommt man 15-mal die weißen Stan Smiths gezeigt, und das ist ja auch ermüdend. Schritt drei war, dass wir die Schuhgröße in den Mittelpunkt gestellt haben. Es ist eigentlich verrückt, dass das vor uns noch keiner gemacht hat. Aber wir kamen in unseren Überlegungen darauf, dass es beim Schuhkauf zuallererst auf die Größe ankommt.

Und dann ist es vermutlich eine Frage der Coolness, ob man so eine Suchmaschine so hinkriegt, dass Sneaker-Nerds sie auch mögen?

Falkenstein: Wir sind seit Jahren Teil der Szene, die Sneaker-Nerds und -Influencer, die Leute, mit denen die Industrie Kooperationen macht, das sind Freunde von uns. Wir mussten uns also nicht überlegen, wie wir Everysize cool machen, denn wir verstehen die Ansichten und Vorstellungen der Szene.

Wie haben Sie die Shops davon überzeugt, Ihnen Zugang zu ihren Daten zu gewähren?

Prehn: Durch unsere engen Beziehungen zu den Shops konnten wir denen sagen: Hey, wir planen da was und brauchen eure Hilfe.

Wie waren die Reaktionen?

Prehn: Zum Glück haben die zehn Shops, die wir gefragt haben, sich alle drauf eingelassen. Sonst wäre das unheimlich schwierig geworden. Wir kamen da an und sagten erst mal: Wir möchten 50 Cent pro vermittelten Klick. Wir sind damit die Teuersten im Markt – und hatten ja noch nichts vorzuweisen. Als wir online gingen, hat sich sehr schnell gezeigt, dass es funktioniert.

Welche Rolle spielen die Kontakte in die Szene heute?

Prehn: Eine große. Ich telefoniere oft mit Geschäftsführern von Shops, mit denen wir zusammenarbeiten wollen, und die sagen: Okay, alles klar, ihr seid ja Jungs, die aus der Sneakerszene kommen. Es ist ein großer Vorteil, wenn ich den Leuten erzähle, was ich davor gemacht habe, oder sie meinen Namen schon kennen. Authentizität und Vertrauen sind Dinge, die man sich nicht kaufen kann.

Das Netzwerk kann man sich schwerlich einkaufen. Wie pflegen Sie Ihres?

Prehn: Uns ist der Kontakt zu den Shops, Bloggern und Medien sehr wichtig. Es gibt Shops, mit denen telefoniere ich dreimal am Tag. Unser Konzept ist: von der Familie für die Familie.

Der entscheidende Erfolgsfaktor ist am Ende aber trotzdem schnödes Wachstum: Wie hat das funktioniert?

Prehn: Nur über unser Netzwerk. Im ersten Jahr sind wir komplett organisch gewachsen, über Empfehlungen und Verlinkungen. Ab und an haben wir einen Schuh gekauft und über Social Media verlost. Aber eigentlich hatten wir keine Marketingausgaben. Okay, wir hatten auch gar kein Geld dafür.

Zwei von drei Gesichtern bei Everysize: Denis Falkenstein (l.) und Pascal Prehn (r.). Foto:Tobias Heuser.

Wie für viele Startups brachte der Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“ einen kräftigen Schub für Everysize. Wie bereitet man sich darauf vor?

Falkenstein: Zwei Wochen nicht schlafen. Im Ernst, wir haben uns aufgeteilt: Pascal, kümmere du dich um die Shops, dass deren Server funktionieren. Ich habe meinem Bruder Eugen gesagt: Schau du bitte, dass unsere Site nicht offline geht. Und ich habe mich darum gekümmert, dass wir auch nach der Ausstrahlung Benefit davon haben.

Inwiefern?

Falkenstein: Viele Teilnehmer haben das Problem, dass sie bei der Ausstrahlung einen Peak auf ihrer Website haben und dann wieder auf das alte Level fallen. Für uns war es sauwichtig, den Peak auch zu nutzen.


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