Sneakerhype: Everysize wird zum Big Player

Wie haben Sie das hingekriegt?

Falkenstein: Uns war wichtig, die Besucher schnell auf unterschiedlichen Kanälen noch einmal zu erreichen: Targeting durch Facebook- und Instagram-Pixel, Anzeigen auf Suchmaschinen und Newsletter-Funnel durch Gewinnspiele – hat super funktioniert. Wir haben unser Marketingbudget ab dem Zeitpunkt circa vervierfacht.

Wie viel geben Sie denn aus?

Falkenstein: Aktuell knapp 30 000 Euro im Monat mit steigender Tendenz. Facebook und Instagram funktionieren für unseren Markt sehr gut.
Außerdem soll Everysize auch eine Community werden. Das wollen viele, wie soll es bei Ihnen klappen?
Prehn: Indem wir sinnvolle Inhalte liefern. Content, der mehr bietet als nur Produktinformationen. Wir wollen die Informationsquelle werden, wenn es um Sneaker geht: Wie putzt du deinen Wildlederschuh? Keine Ahnung – ich steh jedes Mal da und frage mich, ob ich den Schuh jetzt in die Waschmaschine stecken kann oder nicht.

Gibt es solche Infos nicht schon tausendfach im Netz?

Falkenstein: Nicht wirklich, wenn du nach „Schuhe putzen“ suchst, findest du Texte, die du durchliest und denkst: Okay, das hat entweder ein Roboter geschrieben, oder dieser Text ist einfach nur SEO-basiert, um für Google möglichst oft das Keyword „Sneaker“ unterzubringen oder auf Amazon zu verlinken. Das will kein Mensch lesen. Und das ist ein generelles Problem, überall, wo es um Produkte geht.

Wie meinen Sie das?

Falkenstein: Wenn man zum Beispiel eine Waschmaschine kaufen will und „Waschmaschine, Produktvergleich“ sucht, findet man zehn Seiten Suchtreffer mit Preisvergleichen. Ich kenne ein paar Leute, die solche Seiten betreiben. Bei einem sitzen die angeblichen Waschmaschinenexperten in Tschechien oder Ungarn. Hausfrauen, die die Geräte noch nie vorher gesehen haben, aber halt was schreiben. Und der Betreiber kriegt die Affiliate-Provision. Das ist eigentlich Fake News, Clickbaiting, keine echte Information, aber so läuft das gerade. Wir wollen dahin, auch mal Kritik zu äußern, sagen zu können, dass nicht alles nur geil ist, vielleicht auch mal die Sohle vom Sneaker abging oder so.

Quasi die Onlineversion des Typen im Streetwear-Shop, der auch mal ganz ehrlich seine Einschätzung gesagt hat?

Falkenstein: Ja! So wie der Skateladen früher. Da hast du dein Board zusammengeschraubt, deinen Joint geraucht und warst mit deinen Jungs. Bei uns war das früher einfach der Corner. Der Besitzer war ein Typ wie wir. Wenn die Boards einer bestimmten Brand nichts getaugt haben, hat er uns das gesagt. Man war halt zusammen auf der Straße am Skaten, Filmen und Fotografieren.

Aber am Ende wollen Sie verkaufen.

Falkenstein: Klar, und dann können wir sagen: In einem einzelnen Onlineshop ist die Auswahl immer limitiert. Wir sehen uns als Schaufenster für derzeit 50 Shops. Darum findest du bei uns nicht 1 000, sondern 23 000 Sneaker, und dein gesuchtes Modell auch in der passenden Größe und nicht nur noch in 51. Wenn du ein Hotel suchst, gehst du ja auch nicht auf die Websites der einzelnen Hotels, sondern suchst zuerst auf Trivago. Das ist halt der Klassiker – und der müssen wir für Sneaker werden.

Wie sehen Ihre Expansionspläne aus?

Falkenstein: Wir werden unseren Umsatz 2018 auf 1,5 Mio. Euro verdreifachen. Ansonsten bauen wir weiterhin das Team aus und planen im ersten Halbjahr 2018 die Internationalisierung. Ziel ist, in diesem Jahr noch in den USA am Start zu sein. Ein unheimlich spannender Markt mit unfassbarem Potenzial.

Fehlt Ihnen da nicht das Netzwerk in der Szene?

Falkenstein: Im Ausland ist es nicht so breit wie in Deutschland. Aber wir haben Kontakte zu den wichtigsten Shops und schon mit einigen Bloggern und Medien zusammengearbeitet. Die Szene ist recht international, die meisten schreiben eh auf Englisch. Und in Frankreich haben wir schon den größten französischen Onlineshop als Partner. Diese Referenz ist halt schon ganz cool.
Prehn: Und deutsche Stores agieren ja auch global. Ein Laden wie Overkill in Berlin, der eigene Produkte und Aktionen macht, den kennt in der Szene international jeder.

Wer eine Idee hat, die funktioniert, bleibt nicht lange allein, oder?

Falkenstein: Stimmt, wenn etwas gut ist, gibt es Copy-Cats. Einer aus Frankreich hat uns kopiert und sogar einer aus Berlin. Teilweise wurde unser Design einfach eins zu eins übernommen, nur das Rot durch Blau ersetzt. Einer schreibt mich sogar dauernd auf LinkedIn an: „Do you have time for Skype call?“ Es gibt kein Patent im Internet. Aber bislang blieb es beim Versuch. Und damit das so bleibt, wollen wir möglichst schnell möglichst breit werden und das Sneakersegment mit der Marke Everysize besetzen.

BP_Cover

 

Der Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe 01/2018. Titelgeschichte: MCFit-Gründer Rainer Schaller folgt nur einem Prinzip: seinem Instinkt. Außerdem: Streetwear, VR und die Pornoindustrie, Fritz Kalkbrenner und wie immer viele weitere Geschichten. Mehr Infos gibt es hier.


Christian Cohrs

Christian ist der Redaktionsleiter bei BUSINESS PUNK und legt großen Wert darauf, dass Startups nicht in Schmieden hergestellt werden. Wenn er nicht an den Texten von Autoren herummäkelt (das ist nun einmal sein Job), schreibt er über Gründerthemen, Gewissensfragen und Schnaps.

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