“Social Media kann niemals die Website ablösen“, sagt SEO-Experte Vincent Sünderhauf

Firmen bewerben ihre Produkte via Facebook und Instagram, Kundenkontakt wird über Messenger-Dienste abgewickelt und große Versandhäuser haben ihre eigenen Apps. Da stellt sich die Frage, braucht es heute noch Websites und Suchmaschinenoptimierung (SEO)?

Wer auf diese Frage eine Antwort haben könnte, ist SEO-Experte Vincent Sünderhauf. Er und Sebastian Petrov gründeten als Abiturienten Seosupport. Nach zwölf Jahren im Business haben die beiden 31-jährigen Geschäftsmänner jetzt ein Buch geschrieben: „Smart David vs. Digital Goliath”, ein Ratgeber, wie man mit smarter Suchmaschinenoptimierung die großen Player schlägt.

Vincent, ist SEO noch zeitgemäß? Unternehmen setzen immer mehr auf Social Media und Private Messaging. 

Es kommt auf die Branche an. Eine klassische Website wie ein Onlineshop oder ein regionaler Rechtsanwalt hat immer noch den meisten Traffic über Google und nicht über einen Facebook-Account. Von daher ist die Suchmaschine Google immer noch das mit Abstand meist angefragte Tool, um Nutzer auf die Website zu bekommen. Der Social Media Traffic ist nicht ansatzweise so bedeutend, wie er kommuniziert wird.

Euer Geschäftsmodell funktioniert also noch. Aber gehen wir nochmal einen großen Schritt zurück. Wie kommt man eigentlich als Abiturient darauf zu gründen?

Ich habe damals einen Artikel in der WirtschaftsWoche über die Suchmaschinenoptierung in den USA gelesen. Dann habe ich in der Klasse geschaut, wer der Intelligenteste ist und mit wem ich gut auskomme. Ich habe Sebastian angesprochen, ob wir gemeinsam eine Firma gründen wollen. Trotz Firma haben wir beide dann mit dem Studium begonnen. Aber als wir die ersten Kunden hatten, haben wir das Studium abgebrochen.

Wenn ihr nicht BWL oder Marketing studiert habt, woher habt ihr dann euer Wissen?

SEO-Wissen ist extrem learning by doing. Wir haben uns in englischsprachigen Blogs eingelesen und das Wissen an eigenen Micro Sites und Content Sites geübt. Früher war es auch viel einfacher mit wenigen starken Verlinkungen sehr schnell nach vorn zu kommen, deswegen haben wir für unsere ersten Kunden schnell gute Ergebnisse erzielt. Ein Kunde war ein E-Commerce für Matratzen, den Shop haben wir bundesweit auf Platz eins gerankt.

Vincent Sünderhauf (l.) und Sebastian Petrov gründeten seosupport vor zwölf Jahren.

Ihr seid also komplett ins kalte Wasser gesprungen. Gab es da klassische Startschwierigkeiten?

Es gab am Anfang ein paar Wochen, wo wir uns im Büro gegenüber saßen und keine Kundenanfragen hatten. Das war sehr ärgerlich, denn wir wollten schnell nach vorne kommen.

Wie seid ihr da rausgekommen?

Wir haben uns am Anfang selbst unter dem regionalen Begriff „Suchmaschinenoptimierung Berlin“ nach vorn optimiert und waren dann auf Platz eins. Wir hatten ein paar einzelne Anfragen und sind dann Kooperationen mit Partnern wie PR-Agenturen, Kommunikationsagenturen, Webdesignern eingegangen. Als wir dann mehr Kunden hatten, kamen die Anfragen durch Weiterempfehlungen.

Ihr seid mittlerweile seit zwölf Jahren im Business. Wie hat sich Suchmaschinenoptimierung in den letzten Jahren verändert?

Da ist eine Menge passiert. Zehn, zwölf Jahre sind im Bereich SEO soviel wie in anderen Bereichen 30, 40 Jahre. Am Anfang war es extrem einfach mit wenig Aufwand die Projekte nach vorn zu kriegen, mit einfachen Verlinkungen aus Titelverzeichnissen und aus Webkatalogen. Dann gab es die Agenturen, die im Zuge der Goldgräberstimmung auf den Zug aufgesprungen sind. Eigentlich waren das Druckerkolonnen, also Unternehmen, die relativ günstig SEO angeboten und versucht haben, auf den Rücken der Kunden schnell Geld zu verdienen. Diese Agenturen sind auch wieder vom Markt verschwunden oder haben sich umbenannt.


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