HR-Failure-Night: Die schlimmsten Fails aus dem Kollegenkreis

Best Practises egal: 2016 startete der Autor die Veranstaltungsreihe HR-Failure-Night, bei der Personaler im vertraulichen Kollegenkreis ihre Fuck-ups beichten. Wir präsentieren euch vier der Besten.

Von Dominik A. Hahn

#1 Suicide Mission

Ein Manager hatte sich überlegt, es wäre doch prima, den Market-Share seiner Firma durch die Übernahme eines Mitbewerbers auf einen Schlag zu verdoppeln. Was er dabei nicht bedacht hatte: Nicht nur war das Produkt der Konkurrenz sehr ähnlich zu seinem eigenen, die Mitarbeiter des Kontrahenten waren auch noch das effizientere Team. Die Konsequenz: Er musste etliche seiner eigenen Leute gehen lassen und baute mit den neuen Kollegen das Produkt weiter aus.

Das Learning: Niemand weiß, was die Zukunft bringt. Dennoch hilft es, vor wichtigen Entscheidungen die offensichtlichsten Szenarien durchzuspielen und die Konsequenzen für Umsatz, Mitarbeiter, Shareholder, Prozesse, Systeme, Unternehmenskultur, Produktentwicklung und so weiter zu umreißen. Dabei helfen Sparringpartner, die schon durch ähnliche Situationen gegangen sind. Einsame Entscheidungen sind meist schlechte.

#2 Diversity-Dum-Dum

Eine Arbeitgeber-Imagekampagne eines globalen Konzerns mit Sitz in Deutschland. Man möchte die eigenen Mitarbeiter Gesicht zeigen lassen, um die Vielfalt im Unternehmen widerzuspiegeln. Da am Headquarter alle Hautfarben vertreten sind, fotografiert man hier und verteilt die Bilder anschließend an Standorte in aller Welt für den lokalen Roll-out. Dumm nur: In Afrika fällt jedem auf, dass der schwarze Kollege auf dem Foto Afroamerikaner ist. Die Entrüstung ist groß, die Testimonial-Kampagne ein Diversity-Fail.

Das Learning: Gut gemeint heißt nicht gut gemacht. Es hätte vermutlich geholfen, die eigene Inclusion- und Diversity-Abteilung einzubinden. Aber Silodenken ist leider ein steter Begleiter, gerade in Großunternehmen. Und klar, das Einbeziehen der Kollegen der Ländereinheiten kostet Zeit, wäre jedoch hier angebracht gewesen, um lokale Feinheiten identifizieren zu können.

#3 Never hit the fan

Alle sind begeistert, wirklich alle. Das Projektteam, das das coole Zielgruppenvideo für IT-Fachkräfte beauftragt hat, die Mitarbeiter, die im Video mitgespielt haben. Sogar die Vorgesetzten fanden es eine klasse Idee, ITler einmal als Rockstars zu zeigen, die, sobald sie einen Raum betreten, alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Frauen drehen ihre Köpfe nach ihnen um, und sie klatschen bei ihrem Gang durchs Büro alle ab. Allein die Zielgruppe, eben die ITler, fanden sich hier überhaupt nicht wieder und bescherten der Firma nach der Veröffentlichung des Filmchens auf Youtube einen Shitstorm aus der IT-Szene.

Das Learning: Der Mensch neigt dazu, seine eigenen Werke ziemlich knorke zu finden. Nur: In diesem Fall spielen die Meinung und der Geschmack der Filmemacher keine Rolle, denn das Video sollte IT-Spezialisten ansprechen und sie auf die Firma als attraktiven Arbeitgeber aufmerksam machen. Eine Einbindung der Zielgruppe fand im Vorfeld natürlich nicht statt. So erreichte man das genaue Gegenteil. Die Informatiker bewarben sich lieber woanders.

#4 Chief Execution Officer

Sechs Monate Arbeit steckten in der neuen Arbeitgeber-Marketingkampagne. Alles war fertig für den Launch – Videos, Banner-Ads, Landing-Pages, Flyer, Poster … – es fehlte nur noch das Okay vom Vorstand. Dem missfielen jedoch einige Farbelemente der neuen CI, woraufhin er alle Aktivitäten stoppte. Die Kampagne erblickte nie das Licht der Welt, die bis hierhin eingeflossene Arbeit und das Geld waren verloren.

Das Learning: Ein Fail-Klassiker: schlechtes Stakeholder-Management. Wer vermeiden will, dass wichtige Projekte irgendwo auf dem Weg abgesägt werden, der sollte ganz am Anfang eine Matrix erstellen und definieren, wann mit welchen Maßnahmen und Botschaften welche Stakeholder mit ins Boot geholt werden müssen, um derartige Showstopper zu vermeiden. Natürlich hat der Vorstand in der Regel keine Ahnung von coolem Marketing, aber er ist am Ende der, der dafür zahlt.

Zum Autor: Im Jahr 2016 startete der Münchner Dominik A. Hahn mit Nicole Goodfellow die HR-Failure-Night. Beide sind HRler und für Talentgewinnung zuständig. Hahn bei der Allianz, Goodfellow bei Infineon.

In unserer aktuellen Ausgabe beschäftigen wir uns ausführlich mit neuen Trends in der HR-Branche. Die Titelstory dreht sich um Ex-StudiVZ-Chef Michael Brehm. Mit seinem neuen Startup verfolgt er eine radikale Vision: KI soll Menschen trainieren, damit sie gegenüber KI konkurrenzfähig bleiben. Mehr Infos gibt es hier.


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