Peter Wittkamp erklärt, wieso wir Dinge einfach beenden sollten

„Man muss wissen, wann Schluss ist.“ Ein oft gehörter Satz. Ich finde, dass dieser Satz zu kurz ist. Der wichtigste Teil bleibt ungesagt. Korrekt müsste er so lauten: „Man muss wissen, wann Schluss ist. Und dann auch wirklich aufhören.“ Denn das Aufhören ist der eigentlich schwierige Teil. Meist wissen die Menschen ganz genau, wann Schluss ist – nur machen sie trotzdem weiter.

Ein Teil der Menschen hört nicht auf, weil ihnen dann ein Vorteil entgeht oder ihre Macht eingeschränkt würde. Andere hören nicht auf, weil sie Angst vor Veränderung oder Unsicherheit haben. Drei Kinder, zwei Hunde, hohe Ratenzahlungen auf den Immobilienkredit, da überlegt man sich schon mal ganz genau, ob man den Job kündigt, obwohl er keinen Spaß macht.

Aussteigen lohnt sich

Neben Machterhalt und Angst gibt es jedoch einen weiteren Grund, Dinge nicht zu beenden, obwohl eigentlich schon lange Schluss sein sollte: die versunkenen Kosten!

Kurz gesagt bedeutet das, eine Sache nicht zu beenden, weil man schon so viel investiert hat. Ein Beispiel: Man neigt dazu, den furchtbar schlechten „Tatort“ zu Ende zu gucken, weil man ihn doch nun schon eine Dreiviertelstunde geschaut hat. Leider ein absoluter Fehlschluss. Wenn man nach den 45 Minuten aufhören würde, hätte man die folgenden 45 Minuten Zeit für etwas, das man wirklich gern tun würde. Und außerdem müsste man keinen miesen „Tatort“ schauen.

Diese versunkenen Kosten sind übrigens oft der Grund für vollkommen misslungene Werbung. Man ist mit der Kampagne zwar nicht so zufrieden, sie hat aber schon 200. 000 Euro in der Erstellung gekostet – also muss sie auch auf die Straße gebracht werden.

Nein. Muss sie nicht! Wer jetzt noch aussteigt, hat nur 200 .000 Euro bezahlt. Die Alternative wären eben 200 .000 Euro plus eine Kampagne, mit der man sich blamiert.

Mut zur Lücke

Mein Aufruf: Beendet Dinge. Keine Angst vorm Aufhören. Wenn euer Job drei Jahre lang eher nicht so toll ist, wird sich nicht viel ändern, wenn ihr noch ein halbes Jahr abwartet, um „mal zu gucken, wie es sich so entwickelt“. Wenn es immer klarer wird, dass euer Projekt sich Richtung absoluter Flop entwickelt, beendet es – auch wenn schon viel Geld drinsteckt.

Vor einigen Jahren, noch vor meiner Selbstständigkeit, habe ich eine neue Arbeitsstelle angetreten. Schon nach einem Tag hatte ich Zweifel an diesem Job, am zweiten Tag starke Zweifel, am dritten Tag habe ich dann gesagt, dass ich nicht mehr wiederkommen werde – obwohl ich absolut keine Ahnung hatte, was ich sonst machen sollte, und eigentlich auf das Geld angewiesen war. Es war trotzdem die richtige Entscheidung. Wer nicht aufhört, wird niemals erfahren, was das Leben sonst noch so zu bieten hat.

Genauso konsequent werde ich auch hier sein. Das war meine letzte Kolumne für Business Punk. Es war mir eine große Ehre und hat viel Spaß gemacht. Aber ich höre jetzt einfach auf. Obwohl ich weiß, dass eigentlich noch ein paar Zeichen bis zum Ende der Seite fehlen. Einfach mal trauen. Wird schon gut gehen. Auf Wiedersehen!

Der Text stammt aus unserer aktuellen Ausgabe. Darin stellen wir 100 Gründer, Macher und Kreative vor, von denen wir 2019 Großes erwarten. Auf dem Cover: Aya Jaff. Die 23-Jährige ist Deutschlands bekannteste Programmiererin. Weitere Themen im Heft: NSFW, ein Sexklub für die Generation Instagram. Außerdem: Dan Palami. Der philippinische Unternehmer will die Fußball-Nationalmannschaft des Landes an die Spitze der Fifa-Tabelle führen – und viele weitere Geschichten. Mehr Infos gibt es hier.


Peter Wittkamp

Peter Wittkamp ist Kolumnist bei Business Punk. Außerdem Hauptautor und Gagschreiber der heute show online. Ab und an schreibt er auch ein Buch oder podcastet mit unserem Redakteur Daniel Erk unter "Erk und Wittkamp".

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