Filtergram ist die App für alle, die keinen Bock mehr auf soziale Netzwerke haben

Zwischen den To Do’s mal schnell eine Runde auf Instagram prokrastinieren und schon kann man sich vor lauter healthy Food-Stuff und unverschämt schönen Strandfotos im Feed nicht mehr retten. Instagram macht ziemlich süchtig und ist ja irgendwie auch ganz gute Inspirationsquelle. Wenn da nicht der unterschwellige Zwang wäre, an dem ganzen sozialen Gehabe teilzuhaben und nicht nur stummer Feed-Scroller zu sein.

Dürfen wir vorstellen: Filtergram

Der 29-jährige Programmierer Ben Howdle hat eine Plattform entwickelt, die anti-social ist und das ganze Chichi, das soziale Netzwerke ausmacht, einfach weggelassen. Keine Likes, keine Shares, keine Kommentare, keine eigenen Content-Kreationen, die man nach langen Überlegen hochlädt, keine Stories, keine Werbung – nichts. Das einzige, das man machen kann: Leuten folgen. Algorithmen gibt es auch nicht, der Feed ist komplett chronologisch. Das ist das Grundprinzip von Filtergram: Reduzierung auf das Minimalste.

Wie das abläuft? Der Name lässt es schon erahnen: Die Plattform bedient sich an den öffentlichen Profilen von Instagram. Heißt, man registriert sich auf der Website von Filtergram und kann dann Namen von Insta-Accounts eingeben, denen man folgen möchte. Dann erscheinen die Inhalte im Feed:

©Screenshot/Filtergram

Zu sehen ist nur das Bild inklusive Unterschrift. Wenn man einen Post dann doch unbedingt liken oder kommentieren möchte, hat man die Option, es sich auf Instagram anzusehen. Der weitere Clou, der sich auch schon durch den Namen erahnen lässt: Man kann filtern, welche Art von Beiträgen einer Person, der man folgt, nicht angezeigt werden sollen. Dafür gibt man einfach Hashtags an, anhand denen die Posts dann ausgeblendet werden. Einen eigenen Account für Filtergram braucht man nicht. Das Ganze funktioniert, ohne, dass man sämtliche Daten von sich preis geben muss.

Die fabelhafte Welt von Instagram

Dass Instagram nicht für alle eine tolle Spaß-App ist, sondern auch negative Gefühle wecken kann, geht zum Beispiel aus der Studie der Royal Society for Public Health hervor, die den Effekt bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen feststellte. Verwunderlich ist das nicht, schließlich ist Instagram eine Zurschaustellung der eigenen Person. User inszenieren sich so, wie sie von anderen wahrgenommen werden möchten. Es entsteht eine Scheinwelt von perfekt überarbeiteten Bildern, den glücklichsten Momenten des Lebens und noch irgendwelchen Sinnsprüchen. Und zwischendrin: Werbung, bezahlte Partnerschaften und Product Placement. Instagram ist für allem für Unternehmen eine lukratives Geschäft.

Natürlich kommt es immer darauf an, wem man folgt. Es gibt durchaus auch Accounts, die versuchen, den negativen Gefühlen etwas entgegenzusetzen und sich mit Themen wie zum Beispiel Body Positivity und Achtsamkeit beschäftigen, und welche, die mit lustigen Inhalten trumpfen. Filtergram kann dennoch für alle ein Segen sein, die gewisse Inhalte einfach ausblenden möchten, weil sie wissen, dass sie Neid oder Ärger in ihnen auslösen. Außerdem kann das schlichte Design zu Filtergram gerade bei Insta-Suchties dazu führen, dass sie weniger Zeit damit verdaddeln, da das Design nicht gerade zum Verweilen einlädt.

Wir finden: Daumen hoch für den Anti-Social-Ansatz. Manko: Filtergram gibt es leider nicht als App und kann nur im Browser verwendet werden, vielleicht aber auch besser so, sonst gibt es ja wieder Raum für mehr Suchtpotential.

 


Nicole Plich

Nicole studiert den Klassiker „Irgendwas mit Medien” und hat noch den idealistischen Anspruch mit Wörtern die Welt zu bewegen. Wenn sie im Internet mal nicht nach lustigen Donald Trump-Memes sucht oder Fantheorien zu Game of Thrones liest, interessiert sie sich für Popkultur, Wirtschaft und was im Bundestag so vor sich geht.

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