Tim Ley will Hundeleinen revolutionieren – mit einem neuen Verschluss

Als ihn die Idee mit der Hunde­leine ereilt, sieht er seine Chance gekommen. Tagsüber ist er auf Baustellen unterwegs, abends tüftelt er an seiner Erfindung. Der erste Prototyp entsteht aus einem Verbindungsstück für Gartenschläuche, in das er einen Magneten hi­neinfrickelt. Zusammen mit einem Freund verbringt er Stunde um Stunde in dessen Werkstattschuppen.

Aufgeben war nie eine Option

Ein Fachwerkbauernhof am Rande der Kleinstadt Burscheid. Ley öffnet die Tür zum Schuppen und tritt ein. Schummriges Licht. Von der Decke hängen Fahrradketten, Hufeisen, Metallriemen. Es gibt eine Drehbank, eine Fräsmaschine, eine Stichsäge. Hier hat er Teile gefräst, zurechtgefeilt, zusammengesetzt – und stets von Neuem begonnen, wenn sie auseinanderflutschten. „Um einen Schritt voranzukommen, muss man in der Regel vorher zwei zurück.“

Aufgeben war nie eine Option, Ley ist ein Besessener. Tagelang trägt er damals Prototypen in der Hosentasche mit sich herum – „als Gedankenstütze“. Er wirft Hundeleinen ins Wasser, legt sie danach in die Gefriertruhe, wälzt sie im Dreck, um zu testen, wie sie auf verschiedene Temperaturen und auf Verschmutzung reagieren. Drei Jahre vergehen, bis er seinen Prototyp für vorzeigbar hält. Ley weiß, dass er sich jetzt einen Partner mit kaufmännischem Know-how und einem Netzwerk in der Start-up- und Investorenszene suchen muss. „Ich bin ein technischer Mensch und brauche jemanden, der mich ergänzt“, erklärt er.

In Leys Kölner Wohnung, die zugleich als Büro und Werkstatt dient, sitzt Jérôme Glozbach de Cabarrus. Der 43-Jährige trägt die Insignien des lässigen Erfolgreichen: weißes Hemd, Mokassins, goldener Siegelring. Mit dem Gründen – und Scheitern – von Firmen kennt er sich aus. Schon mit Anfang 20 ersann er sein erstes Riesenprojekt: Deep Blue, ein riesiges Spaßbad, Investitionsvolumen 700 Mio. Euro. Mehrere Städte zeigten sich interessiert. Zwar wurde das Vorhaben am Ende nicht realisiert, aber er hatte wertvolle Erfahrungen gesammelt.

Bis heute hat Glozbach de Cabarrus etwa 20 Firmen geführt und war an einer noch größeren Zahl beteiligt. Normalerweise steigt er in einer frühen Phase ein und verkauft seine Anteile einige Jahre später wieder – wenn es gut läuft, für ein Vielfaches. Gut lief es etwa bei dem Fotovoltaik-Unternehmen Solare AG: Sein Gewinn beim Exit bildete die Basis für viele spätere Investments. Derzeit führt er bei drei Firmen die Geschäfte: beim Messenger-Dienst Hoccer, bei der Massage­studio-Kette McChill und bei GoLeyGo.

Liebe zum Detail: Verschiedene Versionen des Verschlusses zeigen die Entwicklungsstufen von GoLeyGo bis zum aktuellen Stand © Frederike Wetzels

Die Männer kennen sich, weil Ley für Glozbach de Cabarrus Messestände und Massagestudios gebaut hat. Der Handwerker weiß, was der Investor draufhat. Im Sommer 2017 sitzen die beiden auf dem Rückweg von einer Baustelle in einem Kastenwagen, als Ley seinen Prototyp aus der Tasche zieht. Ein Leinenverschluss aus dem 3D-Drucker. Gloz­bach de Cabarrus erkennt das Potenzial sofort. „Das Bestechende war, dass es so einfach ist. Meine erste Reaktion war: Das gibt es doch schon. Daran erkennt man die richtig guten Ideen.“

Pferdestärke

Bevor er einsteigt, lässt er seine Patent­anwälte die Angelegenheit prüfen – tatsächlich gibt es so etwas noch nicht. In einem ersten Schritt investiert er 50 000 Euro, später schießt er die gleiche Summe noch einmal nach. Ende 2017 schließt Ley sein Bauunternehmen, weil er sich nur noch um GoLeyGo kümmern will. Freunde und Familie raten ihm davon ab, alles auf eine Karte zu setzen. „Aber ich kann das nicht halb machen. Ich hatte nie ein Problem damit, ins Risiko zu gehen. Das verbindet uns“, sagt er.

Aus einem Feierabendprojekt wird ein richtiges Startup. Im April 2018 gründen sie eine GmbH, deren Geschäftsführer sie beide sind. Ley gehören nun 54 Prozent von GoLeyGo, Glozbach de Cabarrus 46 Prozent. „Jérôme hat den nötigen Druck aufgebaut, um die Firma dahin zu bringen, wo sie heute steht“, sagt Ley. Sie bauen professionelle Prototypen, suchen Investoren und Produzenten. Am Tag vor dem Interview sind sie aus China zurückgekehrt. Dort sollen die Komponenten gefertigt werden, bevor die Leinen dann in Deutschland zusammengesetzt werden.

Die erste GoLeyGo-Kollektion wird in zwei Größen aufgelegt: S–M für Hunde bis 40 Kilo, L–XL für solche bis 80 Kilo. Es wird Halsbänder, Geschirre und Rollleinen geben. Ley arbeitet bereits an einer Variante mit einem stärkeren Magneten, die noch größeren Zugkräften standhalten soll. Selbst Lumpi und Josef eignen sich dann nicht mehr als Demonstrationsobjekte: Die kommende Version ist für Pferde gedacht.

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