Tim Ley will Hundeleinen revolutionieren – mit einem neuen Verschluss

Wie ein Besessener hat Tim Ley an seiner Erfindung gefrickelt: einer Hundeleine, die sich mit nur einer Hand verschließen lässt. Damit will er auf dem deutschen Heimtiermarkt angreifen. Und das wäre erst der Anfang. Von Katja Michel

Die Idee, die ihn zum Erfinder machte, verdankt Tim Ley einer Promenaden­mischung. Sein Hund, ein Jack-Russell-Terrier-Mix, war ein quirliges Tier, das bei Aufregung hüpfte wie ein Gummiball. Jeden Morgen beim Spaziergang im Park nervte es Ley, dass er zum An- oder Ableinen beide Hände brauchte: eine, um das Halsband festzuhalten, die andere, um den Karabinerhaken zu öffnen. Seinen Coffee to go musste er derweil auf Parkbänken oder Mülleimern abstellen. Das musste doch besser gehen! Also beschloss Ley, es besser zu machen.

Schon als Kind hatte er gern gebastelt, Elektroschrott auseinandergenommen oder Fahrradteile geschweißt. Heute, als 33-Jähriger, hat er nach langer Tüftelei ein Produkt zur Marktreife gebracht, das Hundebesitzer aufhorchen lassen dürfte: eine Leine, die sich einhändig bedienen lässt. Ihr Name: GoLeyGo.

„Unser Ziel ist, den Karabinerhaken in den meisten Bereichen zu ersetzen“, sagt Leys Geschäftspartner, der Unternehmer Jérôme Glozbach de Cabarrus. Diverse Anwendungsfelder sind denkbar, etwa Sportlerbedarf für Taucher, Kletterer, Segler. In der aktuellen Staffel der „Höhle der Löwen“ bewirbt sich GoLeyGo um ein Investment.

© Frederike Wetzels

Ein Sommermorgen im Bergischen Land. Ley, ein ruhiger, freundlicher Typ in Shorts und Adidas-Sneakern, ist in der Nähe aufgewachsen. Den Terriermischling hat seine Ex-Frau mitgenommen. Wenn er heute demonstrieren will, wie gut ihm GoLeyGo gelungen ist, dann leiht er sich Josef und Lumpi aus. Die beiden majestätischen Doggen gehören einer Freundin. Ley hält Lumpi an der Leine. Der Hund sabbert und keucht. Er hat keine Lust mehr, bei Fuß zu stehen, es ist heiß, da drüben ist Schatten. Die Dogge legt ihr Gewicht in die Leine. Diese strafft sich – und hält.

GoLeyGo besteht aus zwei Komponenten: aus einem Kugelstift, der sich am Hundehalsband befindet, und einem Gegenstück an der Leine. Darin sitzt ein Magnet. Der Stift rastet mit einem Klick ein. Die Verbindung hält bis zu 250 Kilo, das hat der TÜV bestätigt. Mit einer verschiebbaren Hülse, die am Leinenteil sitzt, kann der Verschluss mit einer Hand gelöst und geschlossen werden. Und zwar auch dann, wenn der Hund kräftig zieht. „Wir müssen den Kunden davon überzeugen, dass er dem System vertrauen kann“, sagt Ley. „Für die meisten Hundebesitzer ist ihr Hund ja wie ein Kind.“

Frickeln im Schuppen

Mit dieser Liebe lässt sich Geld verdienen. Sehr viel Geld. Laut dem Industrie­verband Heimtierbedarf (IVH) gibt es 9,3 Millionen Hunde in Deutschland, Tendenz deutlich steigend. 2017 wurden auf dem deutschen Heimtiermarkt im Einzelhandel 4,2 Mrd. Euro umgesetzt, online kamen weitere 580 Mio. Euro hinzu. Was für Karrieren in der Branche möglich sind, zeigt das Beispiel des Fressnapf-Gründers und Milliardärs Torsten Toeller: Aus seinem Tierfuttergeschäft, eröffnet 1990 in der rheinländischen Provinz, machte er eine europaweite Franchise-Kette mit 12 000 Mitarbeitern. Ley stammt aus einfachen Verhältnissen. Als Jugendlicher bekommt er wenig Taschengeld, die alleinerziehende Mutter hat nicht viel. Seine zwei Brüder und er lernen früh, sich etwas dazuzuverdienen: etwa indem sie Kartoffeln vom Acker aufklauben und im Dorf verkaufen.

So lebenstüchtig der Junge ist, so schwer tut er sich in der Schule. Als Ley nach der neunten Klasse abgeht, ist er bereits 18 Jahre alt. „Es gab für mich keinen Platz in unserem Schulsystem“, sagt er. Eine Lehre zum Groß- und Außenhandelskaufmann bricht er ab, schließlich findet er in der Dachdeckerei seinen Platz. Handwerk liegt ihm. Direkt nach der Ausbildung macht er sich mit einer Messebaufirma selbstständig, er will sein eigener Herr sein. Zunächst läuft es gut: Bald macht er 700 000 Euro Umsatz, hat zehn Angestellte. Jeder flüssige Euro fließt in die Expansion, Rücklagen zu bilden verschiebt er in die Zukunft. Das hat fatale Folgen: Als ein Engpass kommt, kann er ihn nicht stemmen. Mit 26 Jahren muss er Insolvenz anmelden. Ley berappelt sich schnell, gründet gleich das nächste Unternehmen, baut Wohnungen aus. Seine Schulden ist er bald wieder los, doch am Ziel noch lange nicht: „Ich will etwas Eigenes, Großes aufbauen. Das treibt mich an.“


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