„Alle waren geblendet“: Tamir Ardon über die Ikone John DeLorean

Der Film „Framing John DeLorean“ versucht, den Menschen hinter der schillernden Unternehmer-Kunstfigur zu finden. Aber gab es den überhaupt?

Tamir Ardon ist ein DeLorean-Fan. In seiner Garage steht ein DMC-12 („mint condition“), das flunderhafte, silbrige Auto, das 1985 durch „Zurück in die Zukunft“ zum Mythos wurde. Da war die Firma dahinter längst pleite, ihr Gründer John DeLorean musste sich wegen mutmaßlicher Verwicklung in Drogengeschäfte vor Gericht verantworten. Der DMC-12 war das Ergebnis eines gründlich missratenen letzten Rettungsversuchs seines Lebenswerks. Dabei hatte es hoffnungsvoll begonnen. DeLorean galt als Genie. In Diensten von General Motors (GM) hatte er das Segment der hoch motorisierten Muscle-Cars mit erfunden. Ein Claim damals lautete: „Get one, before you are too old to understand.“ DeLorean erfand sich gleich selbst neu – als jetsettender Playboy und Enfant terrible von Motor City. Das ging nicht ewig gut, GM setzte ihn vor die Tür. Logisch, dass DeLorean es anschließend allen mit einem eigenen Auto zeigen wollte – und kolossal scheiterte. Perfekter Stoff für einen Film also. Und so trifft es sich, dass DeLorean-Fan und -Kenner Ardon zugleich Dokumentarfilmautor ist und mit „Framing John DeLorean“ nun seinen eigenen Lebenstraum wahr machen konnte.

Herr Ardon, wann begann Ihre Faszination für John DeLorean und den DeLorean DMC-12?

Sehr früh, schon als ich ein Kind war. Ich habe Autos geliebt, vor allem Sportwagen. Mit sechs Jahren sah ich meinen ersten DeLorean. Der Besitzer war so nett, mich darin sitzen zu lassen. „Zurück in die Zukunft“ war damals gerade rausgekommen. Das war der Beginn meiner Faszination. Aber so richtig fing ich an, mich mit dem Auto und dem Mann auseinanderzusetzen, als ich mir 1997 einen DeLorean gekauft hatte und begann, eine Website über das Auto und den Hersteller anzulegen: entermyworld.com. Ich habe die seit 2006 nicht mehr aktualisiert, aber damals war sie die größte Quelle von Artikeln über DeLorean, Fotos von den Autos, von Shows und all dem Zeug. Vermutlich ist sie es bis heute.

Wie viel haben Sie für den Wagen bezahlt?

Damals war es noch sehr preiswert. Ich hatte das Glück, das Auto für 16 000 Dollar zu bekommen. Und es war in einwandfreiem Zustand. Ich besitze es immer noch.

Wie kamen Sie dann mit John DeLorean in Kontakt?

Das war 1999. Ich hatte seine Nummer im Internet gefunden und ihn einfach angerufen.

Seine Telefonnummer stand im Internet?

Ja. Wir haben uns dann unterhalten. Ich erklärte ihm, wer ich bin, erzählte von meiner Website über ihn und das Auto, dass ich demnächst in seiner Nähe sein und gerne bei ihm vorbeikommen würde. Er sagte: „Ja, das wäre toll. Ruf mich einfach einen Tag vorher an.“ Also besuchte ich ihn in seinem Haus auf einem wunderschönen, 100 Hektar großen Anwesen in New Jersey.

Wie war das, den Mann, der Ihr Hobby war, persönlich kennenzulernen?

Ich war ziemlich nervös. Aber es war großartig, wir sprachen über Politik, Religion und natürlich über Autos. John besaß einen Acura NSX, eines meiner anderen Lieblingsautos. Er erklärte, wie herausragend dieses Fahrzeug war, die Technik das Beste sei, was er je gesehen habe. Es hat Spaß gemacht, denn John hatte eine ganz andere Perspektive hinsichtlich der Entwicklung von Autos. Wir verbrachten rund eine Stunde miteinander, und ich hatte eine wunderbare Zeit.

Hatten Sie danach noch Kontakt?

Ja, ich sah ihn ein Jahr später auf einer der wenigen DeLorean-Shows, zu denen er jemals kam. Seine Tochter hatte ihn dazu ermutigt. Er hat mein Auto unter dem Handschuhfach signiert. Über die sechs Jahre bis zu seinem Tod 2005 hatten wir immer mal wieder telefoniert und uns über Autokram, die Geschichte der Firma und dergleichen ausgetauscht. Ich lernte auch seine Kinder kennen.


Das können wir Dir auch empfehlen

placeholder
placeholder