Leadership & Karriere Edge Technologies: Computer aus Holz, Glas und Beton

Edge Technologies: Computer aus Holz, Glas und Beton

Computer mit Dach

Es dauerte nicht lange, da schlug Deloitte OVG Real Estate vor, gemeinsam das nachhaltigste Gebäude der Welt zu bauen. Es wurde eine Art Challenge, wie weit man Sustainability bei einem Gebäude ausreizen kann. Die Unternehmensberatung habe sich nicht primär um das Weltklima gesorgt, so van Oostrom, sondern wollte mit einem maximal attraktiven Office junge Talente ins Unternehmen locken. Ende 2014 war die neue Deloitte-Niederlassung im Amsterdamer Geschäftsviertel südwestlich des Stadtzentrums fertig. Der Bau war nicht mehr nur klimaneutral, sondern energiepositiv, produziert also mehr Energie, als er selbst verbraucht – wovon wiederum der Rest der Welt profitiert. OVG Real Estate taufte seinen Meilenstein The Edge – ein Name, der sinnbildlich dafür steht, dass man sich hier wirklich am äußersten Rand des Machbaren bewegte. Und der Plan, für Aufsehen zu sorgen, ging auf. The Edge erhielt diverse Auszeichnungen, Besuchergruppen aus aller Welt kamen vorbei, vom „Computer with a Roof“ war die Rede.

Nach diesem Erfolg machte OVG Real Estate eine interessante Verwandlung durch: Aus dem Bauentwickler wurde praktisch ein Technologieunternehmen. „Ursprünglich sahen wir Technologie als Tool, das uns dabei helfen sollte, unser Nachhaltigkeitsziel zu erreichen“, sagt van Oostrom. „Doch plötzlich wurde dieses Tool wichtiger als alles andere.“ Es war der Startschuss für eine völlig neue Generation ultrasmarter Gebäude. Um diesen Wandel auch nach außen hin deutlich zu machen, stellte Coen van Oostrom die Geschäfte unter dem -Namen OVG Real Estate ein und startete im Januar 2018 von Amsterdam aus mit der Tochterfirma Edge Technologies.

Seitdem hat sich das Unternehmen klar als Marktführer positioniert und kann sich vor Anfragen kaum retten. Das jüngste Leuchtturmprojekt ist Edge Olympic, ein modernisiertes Postgebäude aus den 80er-Jahren schräg gegenüber dem Amsterdamer Olympiastadion. Im Sommer 2018 wurde das Bürohaus eröffnet, und es lässt die nur einen Kilometer entfernte, vor ein paar Jahren noch bahnbrechende Deloitte-Zentrale ziemlich alt aussehen.

Von außen wirkt der rechteckige Klotz mit dunkler Fassade und Glasaufsatz wenig spektakulär. Aber gleich hinter dem Eingangsbereich steht man inmitten eines hellen Atriums, am Fuße einer langen Treppe, die bis in den dritten Stock führt. Was sofort auffällt: Es gibt viel Holz, viel Weiß und Unmengen echter Pflanzen. „Wir wollten ein ähnliches Gefühl schaffen, als wenn man von zu Hause arbeitet“, sagt van Oostrom. Die Einrichtung ist geschmackvoll und zeitgemäß, aber nicht Wework-artig bunt, sondern cleaner, erwachsener. Anstelle eines Hauptkunden gibt es hier einen bunten Mix an Parteien mit unterschiedlichen Mietmodellen, vom Zehnjahresvertrag bis hin zu einzelnen Coworking-Desks. „Meiner Meinung nach ist Edge Olympic das beste Gebäude der Welt“, sagt van Oostrom. „Aber natürlich bin ich nicht objektiv.“ Fest steht aber: Edge Technologies hat das, was bei der Deloitte-Zentrale erreicht wurde und vier Jahr zuvor sämtliche Rekorde gebrochen hat, hier noch einmal deutlich übertroffen.

Smarte Sensoren

Einen entscheidenden Anteil hat die ausgeklügelte Technologie, die praktisch alles im Gebäude optimiert. An den Decken sind über 7 000 Boxen mit jeweils fünf bis acht Sensoren verteilt, die den ganzen Tag lang Luftqualität, Luftfeuchtigkeit, Lautstärke, Temperatur, Tageslicht und Auslastung messen. Diese Sensoren, für das Laien-Auge kaum erkennbar, bilden die Basis für das, was ein Edge-Gebäude so smart und am Ende eben auch so nachhaltig macht. In einer Cloud-Plattform laufen alle Daten zusammen, und so wird schnell klar, ob das Gebäude performt wie vorgesehen. Dazu gibt es eine App, über die Mitarbeiter Licht und Temperatur an ihrem Arbeitsplatz regulieren, Konferenzräume buchen oder sich gegenseitig im Gebäude lokalisieren können. Die digitale Infrastruktur ist das Ergebnis intensiver Forschung und langwieriger Tüftelei, denn Edge Technologies arbeitet kaum mit Technik von der Stange.

Das Nachhaltigkeitsniveau von Edge Olympic kommt aber nicht nur zustande, indem der technische Standard immer weiter angehoben wird, sondern auch, weil sich diese DNA bis ins kleinste Detail erstreckt. Das beginnt mit recycelbaren Teppichen und hört auf mit dem Einkalkulieren des späteren Abrisses. So wurden beispielsweise etwas dickere Holzbalken verwendet als nötig, damit man später nur die äußere Schicht abschleifen muss, um wieder einwandfreies Baumaterial zu erhalten.

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