Wahrer Iron Man – Richard Browning hat den Jet-Suit entwickelt

April 2017, San Mateo, Kalifornien. Venture-Capital-Geber Adam Draper steht auf dem Parkplatz der von seinem Vater Tim gegründeten Draper University. An einer Wand des Gebäudes prangen drei stockwerkhohe DC-Comics-Charaktere und ein Text: „Nicht alle Superhelden tragen Capes.“ Auch Tim ist da, ein legendärer Investor, der früh auf Tesla, Skype und Twitch setzte und dem nachgesagt wird, in den frühen Tagen von Hotmail virales Marketing erfunden zu haben. Ausserdem vor Ort: 150 handverlesene Venture-Capital-Geber von Silicon Valley. Sie sind Drapers Einladung gefolgt, gemeinsam ein potenziell lukratives Investment zu besichtigen.

Etwas abseits schnallt sich ein britischer Wissenschaftler und Erfinder einen eigenartig aussehenden Rucksack um, verbunden mit einer Reihe von Kanistern, die wiederum an seinen – für einen Wissenschaftler ziemlich athletischen – Unterarmen und Waden befestigt sind. Der Mann mit dem Rucksack heißt Richard Browning. Der Rucksack ist ein Jet-Pack. Später wird Browning gestehen, dass er nicht die geringste Ahnung hatte, ob die Show, die über sein weiteres Leben entscheiden sollte, überhaupt klappen würde. „Ein Treibstofftank war undicht, die Elektronik wackelig, nur vier der sechs Motoren funktionierten – zwei hatte ich überhaupt erst in letzter Minute gekauft, als ich in Amerika ankam.“

Browning startet die Motoren, die heulen kurz auf, spucken ein wenig Feuer und schalten sich jaulend wieder ab, was die versammelten Venture-Capital-Geber alles andere als beeindruckt. „Innerlich starb ich vor Angst, aber ich versuchte, eine absolut coole Miene zu machen und sagte: ‚Keine Sorge, er wärmt sich nur auf!‘“ Browning stemmt seine Beine breit in den Boden, richtet die Arme nach unten und macht einen zweiten Startversuch. Wieder heulen die Motoren auf, diesmal aber immer kräftiger. Das millionenschwere Publikum hält sich die Ohren zu, die Gesichter sind immer noch skeptisch, aber das Interesse steigt sichtlich, als Funken aus den Düsen an Brownings Armen und Beinen sprühen, sich zunächst in blaue, zapfenförmige Flammen verwandeln, dann in einen den Körper umgebenden, wabernden Hitze-Nebel.

Was folgt, ist reines Erstaunen: Browning hebt ab, gleitet auf einem Meter Höhe über den Parkplatz, steigt hinauf über die versammelte Investorenschar, bis er kurz darauf an jener Stelle wieder landet, von der er abgehoben ist, und dabei Staub zur Seite wirbelt. „Ich hatte große Angst davor, abzustürzen und das gesamte Equipment zu ruinieren“, gibt Browning später zu, „das wäre ziemlich beschissen gewesen, weil geplant war, dass ich den Jet-Suit später bei einem TED-Talk vorführe.“

Rocket Man ©Greg Funnell

Tim Draper wendet sich einigen Männern auf dem Parkplatz zu, bespricht sich kurz mit ihnen, geht dann, ganz Pokerface, zu Browning und streckt ihm einen Hundertdollarschein entgegen. „Junge“, brüllt er durch den Lärm der Motoren und lacht, „eine ziemlich coole Parkplatz-Reinigungsaktion war das!“ Dann deutet er auf seine Investoren-Kollegen: „Die Typen sind fix und fertig. Absolut begeistert. Das ist das Verrückteste, was wir hier je gesehen haben. Du hast gerade genau jenen Superhelden-Spirit gezeigt, den wir von einem Start-up erwarten. Da wollen wir dabei sein. Wie wäre es mit einer halben Million Dollar für zehn Prozent?“

Browning erzählt: „Ich bemühte mich um das coolste Pokerface meines Lebens und antwortete: ‚Wie wäre es mit 650.000 Dollar?‘ Draper nickte, gleich auf dem Parkplatz unterzeichneten wir ein Agreement auf der Rückseite des Hundertdollarscheins. Dabei liefen die Motoren noch in ihrem Kühlkreislauf!“ Browning, 40, hatte nicht einmal ein Jahr davor begonnen, an der Idee eines Jet-Suit zu basteln. Seit der Gründung seines Start-ups waren nicht einmal sechs Wochen vergangen.

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