Sextoys in den sozialen Medien? Noch immer ein No-Go

Eine unbekleidete Frau mit güldenen Locken, die ihre Arme nach oben reckt und lasziv in die Kamera schaut. Die Buchstaben „B I G“ verdecken ihre Brüste. Es ist eine Werbeanzeige für Brustvergrößerung, made in New York, für läppische 3.900 Dollar. Ist diese Werbung verboten, weil sie einen halbnackten Körper darstellt? Natürlich nicht. Was ist mit Werbungen mit Mitteln gegen Erektionsstörungen? Gehen auch klar. Die Abbildung einer Flasche Gleitgel? Ein absolutes No-Go.

Wer sich durch die Bilder auf approvednotapproved.com scrollt, muss sich entscheiden: Welche Werbungen sind zulässig, welche nicht? Die Initiator*innen wollen darauf hinweisen, dass die Antworten darauf meistens willkürlich sind. Dahinter stecken Dame Products und Unbound – zwei Unternehmen, die mit ihren Sextoy-Produkten nicht in den sozialen Medien werben durften. Dagegen demonstrierte Ende Juli eine Gruppe von Sex-Tech-Startup-Gründer*innen und Unterstützer*innen vor dem New Yorker Office von Facebook.

Um ihre Produkte aber trotz der willkürlichen Social-Media-Regelungen an Kund*innen zu bringen, müssen Firmen, die im Adult-Bereich werben, kreativ auf Plattformen wie Facebook, Instagram und Co. werden. Die schwedische Marke Libresse ließ in ihrer Werbung für ein Hygieneprodukt beispielsweise Muscheln und Obst sprechen.

Einerseits werden Frauen oft in sexualisierten Posen in der Werbung gezeigt. Andererseits werden viele Produkte, die sich explizit mit „weiblicher Lust“ auseinandersetzen, kommentarlos und ohne Erklärung entfernt. Das bestätigt Johanna Rief, Head of Communication der Wow Tech Group, die Marken wie den Womanzier und We Vibe auf den Markt gebracht hat.

Schlecht für ihr Unternehmen: Beiträge werden gelöscht und Posts können nicht hervorgehoben werden, um Reichweite zu generieren. Deswegen setze die Wow Tech Group vor allem auf Community-Building, erklärt Rief im Gespräch.

In Deutschland gibt es in der letzten Zeit immer häufiger Debatten um die Bewerbung von Sextoys und die Darstellung solcher Produkte im digitalen Raum. Gleichzeitig boomt die Sex-Tech-Brance und die erste Messe zum Thema fand bereits statt.

Denn so streng wie Facebook, Instagram und Co. sehen es aber nicht alle. Der Jodel-Gründer Alessio Avellan Borgmeyer beispielsweise glaubt nicht, dass „die Themen Sexualität und Sextoys länger ein Tabu sein sollten“. Deswegen hat Borgmeyer gemeinsam mit der Marke Womanzier eine Werbekampagne gestartet. Schließlich, da sind sich Rief und Borgmeyer einig, habe die Darstellung weiblicher Lust auch gesellschaftlichen Impact.

Nach zwei Wochen nun steht fest, dass die Kampagne gut gelaufen sei. Die Engagement-Rate sitzt und es kam guter Traffic für die Homepage, sagt Rief. „Im Hinblick auf die Sales ist da sicher noch Luft nach oben. Aber beim Thema Sextoys sind die meisten Menschen sowieso keine Impulskäufer.“ Aktuell überlege sie, ob sie die Kampagne verlängere.

Social Media bleibt also auch für die Sextoy-Branche essentiell. Es wird sich zeigen, ob Facebook und Co. bald sinnvolle Regelungen für die Bewerbung socher Produkte finden – oder weiter Muscheln und Obst zum Einsatz kommen müssen.


Business Punk Redaktion

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