Brilliant Minds: Wie eine schwedische Stiftung die Welt der Zukunft gestalten will

Natalia Brzezinski ist die Chefin der Brilliant Minds Foundation, einer Stiftung, die vom Spotify-Gründer Daniel Ek ins Leben gerufen wurde. Ihr Ziel ist es, die Welt der Zukunft zu kreieren. Dafür will Brzezinski Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen von Wirtschaft, Politik und Kultur vernetzen – um so auszuloten, wie das Leadership von morgen auszusehen hat. Ein Gespräch über Wirtschaft, Globalisierung und Hoffnung.

Business Punk: Sie sind von Washingten aus nach Bielefeld gereist, um zur „Hinterland of Things“ zu kommen – warum denn das?

Natalia Brzezinski: Ich arbeite an den Schnittstellen zwischen Europa und den USA. Für mich ist es einfach wichtig, zu lernen und mir Neues anzusehen und nicht immer nur in London oder in New York zu sein. Ich will wissen, was in den Regionen in Deutschland passiert, ich will wissen, was in Europa wirtschaftlich passiert.

Und solche Konferenzen helfen dabei?

Ja, die „Hinterland“ war wirklich fantastisch. So viele gute Ideen rund um die Themen „impact investing“ und Nachhaltigkeit. Ich bin sehr froh, dass ich da war.

Was für Ideen meinen Sie?

Europa und die USA unterscheiden sich in vielen Dingen sehr voneinander. In den Ländern Skandinaviens, aber auch in Deutschland gibt es sehr viele Schnittstellen zwischen der Wirtschaft und dem Staat. Es gibt einen starken Sozialstaat und im Gegensatz zu den USA legen die europäischen Staaten Wert auf ihre öffentlichen Institutionen und Funktionen. Bei uns ist das anders.

Inwiefern?

Amerika ist business-getrieben, extrem kapitalistisch. Das hat Vorteile. Aber eben auch Nachteile. Was mich in Europa fasziniert, sind die Familienbetriebe. Die sind für mich sehr interessant, da die sehr lange vorausplanen 50, 100, 200 Jahre. Das ist eine ganz andere Art von Unternehmer als wir sie in den USA haben, diese Familienunternehmer legen großen Wert auf nachhaltige Business-Modelle, auf nachhaltiges Wirtschaften.

In den USA ist das anders?

Ja, grundlegend. Und ich glaube, dass ich da sehr viele gute Ideen mit nach Hause nehmen kann. In Deutschland können wir lernen, wie man Firmen so aufbaut, dass sie wirklich nachhaltig sind. Und das ist für mich nicht nur eine Frage des Umweltschutzes, sondern auch eine der Kultur, von gesellschaftlichem und sozialem Engagement.

Wie lässt sich das denn auf die USA übertragen?

In Europa gibt es viele traditionelle Familienunternehmen, deren Besitzer*innen in sehr langen Zeiträumen denken. Ich glaube nicht, dass wir mehr Familienunternehmen brauchen. Wir müssen darübernachdenken, wie man Unternehmen anders aufstellen kann. Vielleicht sind große Auszahlungen an die Shareholder einfach nicht so wichtig. Vielleicht müssen wir uns von vierteljährlichen Returns verabschieden. Wir müssen anfangen, 10, 20 Jahre in die Zukunft zu blicken. Bei uns explodieren die WeWorks und wir sehen das Silicon Valley-Modell, das sagt, dass man so schnell wie möglich expandieren muss. Das ist ein Problem. Wir müssen anders denken, in längeren Maßstäben und dürfen uns nicht nur auf den Profit konzentrieren. Es wird ja viel darüber geredet, wie wir Arbeit einen Sinn geben und einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft haben können. Nicht alles, was wir da in Europa sehen, ist eins zu eins übertragbar. Die Communitys und die Gesellschaften in Europa sind kleiner – trotzdem kann man sich einiges an Inspiration mitnehmen.

Arbeit neu denken, Zukunft gestalten, einen Impact haben – was muss man tun, um das zu erreichen?

Das Wichtigste ist, mit Menschen aus vielen verschiedenen Bereichen zusammenzuarbeiten. So kommt man auf neue Ideen. Das machen wir bei der Brilliant Minds Foundation.

Wirtschaft, Politik und Kultur sollen also miteinander ins Gespräch kommen?

Um das zu erklären, schaue ich mir immer meine eigene Karriere an. Ich habe in der Politik angefangen und zuerst für John Kerry gearbeitet, später habe ich für eine Botschaft gearbeitet. Ich war sehr jung damals und habe gesehen, dass die meisten, die in der Politik anfangen, ihr Leben lang dort bleiben. Die Leute denken in bestimmten Mustern. Die fangen nicht auf einmal an, Business zu machen oder Unternehmer*in zu werden. Trotzdem habe ich damals viele Unternehmer*innen, Künstler*innen und andere Menschen getroffen. Ich habe dann angefangen, all diese Leute im Botschaftskontext miteinander in Kontakt zu bringen – Künstler*innen, Politiker*innen, UNO-Mitarbeiter*innen. Auf einmal waren da so viele neue Ideen im Raum. Es hat gereicht, dass sich die verschiedenen Gruppen treffen und austauschen. Die haben dann schnell gemerkt, dass sie sich vielleicht in ihren Methoden unterscheiden, aber trotzdem ähnliche Ziele haben.

Können Sie da vielleicht ein Beispiel geben?

Schauen Sie sich die Gründer*innen im Silicon Valley an. Die können nur davon profitieren, wenn sie sich mit altgedienten CEOs austauschen. Von denen können sie lernen, wie sie ihre Unternehmen langfristig ausrichten. Im Gegenzug erleben die Chef*innen der großen Firmen, wie sie bei ihren eigenen Mitarbeiter*innen die Lust daran entfachen können, sich als Entrepreneure in den eigenen Betrieben zu versuchen. Alle profitieren davon. Stellen Sie sich vor, dass die jetzt auch noch auf Designer*innen, Künstler*innen oder Wissenschaftler*innen treffen. Da treffen so viele großartige Ideen aufeinander.

Was kommt da konkret bei heraus?

Meine Tochter ist gerade zehn Jahre alt. Wenn sie anfängt zu arbeiten, wird es 70 Prozent der heutigen Berufe wegen der Digitalisierung nicht mehr geben. Um heute weiterzukommen, müssen wir alle Unternehmer*innen sein, wir müssen uns ständig hinterfragen und weiterentwickeln. Sowas geht nur, wenn man zusammenarbeitet und sich austauscht. Dahinter steht aber auch, dass viele Institutionen gerade massiv an Vertrauen verlieren. Ob das die Kirchen sind, politische Parteien oder Institutionen – wenn wir eine digitale und gute Welt schaffen wollen, brauchen wir neue Institutionen, denen die Menschen vertrauen. Also müssen wir uns überlegen, wie diese aussehen können. Dafür müssen wir möglichst viele Ideen austauschen.

Haben Sie deshalb auch Barack Obama und Greta Thunberg zusammen auf eine Bühne gebracht?

Natürlich. Ich versuche immer, Menschen um eine Idee zusammenzubringen und Vertrauen aufzubauen. Es geht immer um Werte, die wir teilen. Obama und Greta sind sehr verschieden, sie teilen aber Ziele und Werte. Und beide sind Aktivist*innen. Dieses Treffen hat meine gesamte Arbeit bestätigt: Du kannst die unterschiedlichsten Leute zusammenbringen, wenn sie aber Werte teilen, wird danach etwas passieren. Beide haben seit dem Treffen extrem viele neue Ideen umgesetzt.

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